Sagen Sie mal, Herr Bims?

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Teil 90: Träume und Gerüchte

Ein Sommer ohne Urlaub, Konzerte, Theater oder Fußball ist einfach strunz langweilig. Ich höre Sie deshalb schon wieder zu Tausenden fragen: „Sagen Sie mal, Herr Bims, wie vertreiben Sie sich denn Ihre Zeit während dieser fucking Corona-Pandemie?“

Kürzlich ist mir etwas Verrücktes passiert, das muss ich Ihnen direkt erzählen. Auf dem Heimweg von meiner Ayurveda-Kur erspähte ich am Straßenrand fünf abgeranzte Punk-Typen, die eine Panne mit ihrem Bus hatten. Also ließ ich die fünf armen Schlucker in meiner Luxuskarosse einsteigen. Im Auto erzählten sie mir, dass sie eine Musikkapelle seien, die in Frankfurt auftreten müsse und fragten ganz unverblümt, ob ich sie dorthin fahren könne. Als kleines Dankeschön würden sie mich bei einem Song auf die Bühne holen. Zugegeben: Damit hatten mich die Jungs gecatcht und ich stellte mir vor, wie ich in einem kleinen, schwitzigen Punkclub ein paar Sauflieder gröle und mich anschließend von der Bühne in die schwitzende Menge stürze. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich zwar kein Instrument beherrsche, aber sehr musikalisch bin und eine Stimme wie ein Goldkehlchen besitze. Nach meiner Lehre zum staatlich geprüften Schiffschaukelbremser habe ich Mitte der 80er eine Zeit lang in Los Angeles gelebt, wo ich auch meine ersten musikalischen Gehversuche gewagt habe. Zusammen mit ein paar Jungs aus meiner Hood – Duff, Izzy, Slash und Steven – habe ich ein paar Mal geprobt, wir hatten auch echt coole Songs am Start, aber als es darum ging, einen Bandnamen zu finden, ist alles wieder in die Brüche gegangen, weil ich noch vor dem ersten Konzert meinen Rücktritt erklärt habe. Ich konnte nicht akzeptieren, dass mein Vorschlag „Bert Bims & Band“ von den anderen kategorisch abgelehnt wurde. Als auch mein Alternativvorschlag „The Bert Bims Band “ keine Zustimmung fand, wurde mir schlagartig bewusst, dass ich meine narzisstische Ader niemals im Musikgeschäft ausleben kann. Meine Bandkollegen haben sich derweil einen anderen Sänger gesucht und fortan Guns n’Roses genannt. Was für ein bescheuerter Name! Ich bin mir sicher, als Bert Bims Band wären die Jungs bestimmt auch mal in den Charts gelandet. Aber das nur am Rande….
Zurück zu meiner Begegnung mit den fünf Punkertypen, die ich in einem Anflug von Gutmütigkeit als Anhalter mitgekommen hatte. Da die Jungs fußballbegeistert waren, haben wir auf dem Weg nach Frankfurt noch einen kurzen Stopp an der Commerzbank-Arena eingelegt und uns das Heimspiel der Eintracht reingezogen. Zusammen mit 60.000 frenetischen Hessen. Danach ab zur Halle, wo die Jungs sofort auf die Bühne stürmten, während ich mich in der Garderobe noch ein bisschen warmgesungen und zur Beruhigung eine Flasche Jägermeister abgekippt habe. Erst nach zwei Stunden, in denen ich unendlich viele, mit Schinken oder Ei belegte Brote gemampft und gegen das Lampenfieber noch eine zweite Flasche Jägermeister getrunken hatte, kam mein großer Auftritt. Campino (noch so ein komischer Name, wie das Lutschbonbon…), so hieß deren Sänger, machte die Ansage: „Und hier kommt einer unserer größten Hits, der heißt heute Abend nicht „Hier kommt Alex“, sondern „Hier kommt Bert Bims“.“ Das war mein Stichwort. Ich trat hinaus in das gleißende Licht der Schweinwerfer, 10.000 Menschen schauten nur auf mich und mir wurde urplötzlich klar, in welcher riesigen Halle ich da gelandet war. Mit zittrigen Knien ging ich an den Bühnenrand, klammerte mich am Mikrofonständer fest. Und wissen Sie, was dann passiert ist? Im wirklich allerallerungünstigsten Moment, der denkbar wäre, ein echter Schockmoment. Ausgerechnet jetzt klingelte mein Wecker und ich erwachte schweißgebadet, aber freudestrahlend aus meinem Traum. Sofort versuchte ich mich zu orientieren. Bei einem Blick aus meinem Schlafzimmerfenster erspähte ich einen Nachbarn, wie er gerade seinen Rasen mähte – mit Mund-Nasen-Schutzmaske natürlich. Da wurde mir schlagartig klar: „Och nee, nix mit Konzerten und Fußball glotzen, ich bin wieder im Jahr 2020.“ Das Jahr, in das Marty McFly auf keinen Fall mit seinem DeLorean reisen sollte.

DIE WORMSER GERÜCHTEKÜCHE
Zurück im wirklichen Leben wurde mir bewusst, in welcher trostlosen Zeit wir uns aktuell befinden. Zu allem Überdruss macht auch noch in der Innenstadt der Kaufhof zu und ein neues Gerücht macht die Runde: „Die Stadt hott de Kaufhof zugemacht, weil die do es Rathaus roimache wollen!“ So ein Quatsch, wer kommt denn auf so eine bescheuerte Idee? In Wirklichkeit wird aus dem Kaufhof ein gigantisches mehrstöckiges Laufhaus, das aufgrund seiner großzügigen Fensterfront bestens nach dem Amsterdamer Vorbild geeignet ist, ein paar Damen des horizontalen Gewerbes in den Schaufenstern zu positionieren. Das würde zwar keine echten, aber wenigstens einige Sextouristen nach Worms locken. Ein weiteres Gerücht, das ich kürzlich aufgeschnappt habe, betrifft den Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises Worms, Marcus Held. „De Held, die ald Grinsefratz, hott soviel Dreck am Stegge, der steht schunn mit ääm Bää im Bolles.“ Für Nicht-Wormser übersetzt heißt das: „Aufgrund der erdrückenden Beweislast steht der stets freundlich dreinblickende Herr Held bereits mit einem Bein im Gefängnis.“ Im November beginnt nämlich der Prozess gegen den ehemaligen Oppenheimer Bürgermeister, der wegen Betrug, Untreue, Bestechlichkeit und Bestechung angeklagt wird. Freut euch aber nicht zu früh, denn der Jurist Held wird sicherlich noch einen Deal mit der Staatsanwaltschaft einfädeln, bevor er tatsächlich hinter schwedische Gardinen wandern muss. Auch ein Marcus Held weiß, dass es die harten Jungs im Gefängnis besonders auf erfolgreiche Immobilienmakler abgesehen haben und kann ja zumindest schon mal das gefahrlose Bücken nach der Seife ein bisschen üben. Uffbasse, Marcus!

Bis zum nächsten Mal!
Ihr Bert Bims