Sind Kreisverkehre Gefahrenpunkte im Wormser Stadtverkehr?

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Eine Betrachtung aus dem Blickwinkel des Rad- und Fußverkehrs

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung stand das Ziel, den Anteil des Radverkehrs auf 30 Prozent anzuheben. Richtig sind allerdings 25 Prozent. Die Zahl wurde entsprechend geändert.

Es sind Situationen, die man als Verkehrsteilnehmer täglich des Öfteren beobachten kann. Ein Fußgänger überquert an der Einmündung eines Kreisels den Überweg und noch im selben Moment fährt ein Auto eiligst über selbigen. Nicht minder selten kommt es zu brenzligen Situationen, wenn ein Radfahrer sich kurz vor dem Eintritt in den Kreisel befindet und kurz zuvor überholt wird. Ebenfalls zu beobachten, ein Radfahrer ist bereits im Kreisverkehr und ein entgegenkommendes Fahrzeug fährt ohne merklich abzubremsen in den Kreisel hinein und nimmt ihm so die Vorfahrt. Aufgrund eigener Erfahrungen und Beobachtungen im Unfallatlas (www.unfallatlas.statistikportal.de) haben wir uns die Frage gestellt: „Wie gefährlich sind die Wormser Kreisel?“

KREISEL FÖRDERN DEN VERKEHRSFLUSS

Mittlerweile gehören Kreisverkehre zum Wormser Stadtbild wie das Lutherdenkmal oder das Eiscafé Vannini. Die ersten Kreisel entstanden in Worms 1998, zwischenzeitlich kann man im erweiterten Innenstadtbereich ganze 13 zählen. Weitere sind in Planung. Der Gedanke des Kreisverkehrs ist aus Sicht des Verkehrsplaners primär ein guter. Anstatt den Fluss für einen Teil der Verkehrsteilnehmer zu stoppen, wie dies an einer Kreuzung mit Ampelschaltung geschieht, wird der gesamte Verkehr in eine Kreisfahrbahn geleitet. Eine Rolle spielt dabei nicht nur der Verkehrsfluss, sondern auch eine Senkung der Abgasemissionen, die beim Halten an einer Ampel zusätzlich verursacht werden. Doch sind Kreisel für alle Verkehrsteilnehmer gut? Alleine in den ersten Wochen des Jahres kam es unter den eingangs genannten Umständen zu drei Zusammenstößen mit Fahrrädern. Auf Nachfrage unseres Magazins, ob Kreisel eine erhöhte Bedrohung für Radfahrer darstellen, verneint die Stadt. Man räumt zwar ein, dass es im vergangenen Jahr insgesamt 13 Unfälle im Zusammenhang mit Kreisverkehren gab, in denen Fahrradfahrer oder Fußgänger verwickelt waren, einen direkten Zusammenhang möchte man dennoch nicht erkennen.

ES FEHLEN ABGESETZTE INNENRINGE

Christian Engelke, Stadtratsmitglied Bündnis 90/Die Grünen, sieht das anders. Er beschäftigt sich bereits seit längerem mit den Wormser Kreisverkehren und macht in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, dass diese nicht optimal seien. So fehlen z.B. an den meisten städtischen Kreiseln abgesetzte Innenringe. Tatsächlich ist zu beobachten, dass zwar die Inseln inmitten der Kreisel größtenteils hübsch gestaltet sind, der Innenring, der zur Dämpfung der Verkehrsgeschwindigkeit dienen soll, aber nur aufgemalt ist. An vielen Stellen ist dieser nicht mal mehr zu erkennen. Die Unfallforschung der Versicherer kommt in ihrem Konzeptpapier „Verkehrssicherheit innerörtlicher Kreisverkehre“ zu dem Schluss, dass die sicherste Führungsform für den Radverkehr sei, wenn der Innenring durch einen erhöhten Bord abgesetzt sei. Zu dem gleichen Schluss kommt auch die „Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen“ in ihrer „Richtlinie für die Anlage von Stadtstraßen (RASt06)“: „Der Innenring soll baulich mit einem Bord von 4 bis 5 cm abgesetzt werden, sodass ein Befahren durch den PKW verhindert wird“, ergänzt dann aber: „Aus betrieblichen Gründen kann es erforderlich sein, auf den Bord zu verzichten“. Diese betrieblichen Gründe sieht die Stadt und erklärt WO! gegenüber: „In Worms wurden mehrere Kreisel mit aufgepflastertem Innenring gebaut. Dies betrifft ausschließlich die der „1. Generation“ aus den Jahren 1998 bis ca. 2005. In diesem Zeitraum hat man festgestellt (vorher gab es keine Kreisverkehre, mit denen man hätte Erfahrungen sammeln können), dass die Innenringe einen sehr hohen Unterhaltungsaufwand haben“. Anmerken muss man dabei, dass die Aufpflasterung selten der empfohlenen Erhöhung gerecht wurde.

SCHWERLASTVERKEHR SORGT FÜR ZUSÄTZLICHE KOSTEN

Schuld, warum man selbst auf diese verzichtet, trägt dabei der Schwerlastverkehr, wie die Stadt erklärt, der diese schlicht und ergreifend kaputt gefahren hätte. Weiter verweist man darauf, dass „eine Umfrage der städtischen Fachleute unter Amtsleitern von kreisfreien Städten im Südwesten – von Fulda bis Saarbrücken ergab, dass keine Kommune Innenringe baut bzw. diese ebenfalls wieder entfernt. Selbst der LBM (Landesbetrieb Mobilität) hat bei der B47-Südumgehung aus den genannten Gründen keine gebaut.“ Bei letzterem Kreisverkehr muss man jedoch betonen, dass man bei der Südumgehung für entsprechende Radwege sorgt und damit die Gefahr gebannt ist. Ebenfalls sind Fußgänger an dieser Stelle wohl eher selten anzutreffen. Im innerstädtischen Verkehr ist hingegen immer wieder zu beobachten, dass durch das Fehlen dieser abgehobenen Barriere Autos in einem sehr geraden Winkel in die Kreisel hineinfahren, was dazu führt, dass die Geschwindigkeit nur wenig gedrosselt werden muss. Genau dieser Umstand, gepaart mit der unterschätzten Geschwindigkeit des Radfahrers, führt immer wieder zu brenzligen Momenten. Gelegentlich führt das dazu, dass Radfahrer von vorneherein diese Situation umfahren möchten, in dem sie auf den Gehweg ausweichen, was wiederum zur Gefährdung der Fußgänger führt. Ebenso kann natürlich auch beobachtet werden, dass so mancher Radfahrer sein zweirädriges Gefährt mit einem Panzer verwechselt und einfach in den Kreisel hineinschießt, ohne auf den von links kommenden Verkehr zu achten. Ein Hinweis, der gerne von PKW Fahrern angeführt wird.

ES GILT DAS PRINZIP DES SCHWÄCHEREN VERKEHRSTEILNEHMERS

Dennoch gilt im Verkehr das Prinzip des schwächeren Verkehrsteilnehmers und das sind nun mal Fußgänger und Radfahrer. Worms möchte in Zukunft den Anteil des Radverkehrs auf 25 Prozent ausbauen. Um diesem Ziel näher zu kommen, ist es unabdingbar, sich auch mit der Problematik an den Kreiseln auseinanderzusetzten, selbst wenn die Stadt dieses Problem im Moment nicht erkennen möchte und behauptet: „Vielmehr zeigt sich in der Praxis, dass der Absatz des Rings kein Hindernis für Pkw darstellt, allerdings für Radfahrer zum Problem werden kann – etwa, wenn ein Radfahrer ausweichen muss, kann das Hindernis zu Stürzen führen.“ Ein Beleg, wie oft das vorkommt, gibt es nicht, aber sehr wohl einer, wie oft Radfahrer und Autos in Konflikt geraden (Polizeistatistik, Unfallatlas). In den nächsten Jahren sollen weitere Kreisverkehre angelegt werden: Kirschgartenweg/ Speyerer Straße, Nievergoltstraße/Pfrimmtal RS, während der Kreisverkehr Alzeyer Straße/Kirschgartenweg ausgebaut werden soll. Ein Innenring ist bei keinem davon vorgesehen.