Und dann kam Glibo

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Ein Jahr mit Höhen und Tiefen für Wormatia Worms

Im Mai 2019 ist Wormatia Worms erstmals nach elf Jahren Regionalligazugehörigkeit abgestiegen. Es war ein Abstieg, der sich schon lange angekündigt hatte, aber dann doch wehtat. Vor allem aber war der Abstieg vermeidbar, weil der Vorstand in blinder Nibelungentreue zu seinem Trainer hielt – bis zum bitteren Ende. Im Sommer stand der Verein ohne Trainer, ohne Sportchef und ohne Spieler da. Und dann kam Glibo.

Der neue Trainer hauchte dem Verein neues Leben ein. Kristjan Glibo war aus seiner Zeit in Sandhausen nicht nur wegen seiner Motivationsfähigkeit bekannt, ihm eilte auch der Ruf voraus, gut mit jungen Spielern umgehen zu können. Zusammen mit dem neuen Sportchef Norbert Hess stellte er einen der jüngsten Kader der letzten drei Jahrzehnte zusammen. Vom Regionalligakader waren nur sechs Spieler übrig geblieben, der einzige Stammspieler aus der Vorsaison, Tevin Ihrig, verletzte sich schon vor dem ersten Saisonspiel schwer. Zugegeben: Die Skepsis war vor der Saison groß, ob der Kader stark genug ist, um eine wichtige Rolle in der Oberliga spielen zu können. Der Start in die erste Oberligasaison verlief noch etwas holprig, aber dann startete der VfR eine Siegesserie in Spielen, die man genauso gut auch hätte verlieren können. Im letzten Drittel vor der Winterpause hat man dann Spiele verloren, die man niemals hätte verlieren dürfen. Bei den bisher zehn Siegen waren die Stärken der neuen Wormatia, die tolle Moral und der unbändige Siegeswillen, unverkennbar. Bei den bisher sechs Niederlagen präsentierte sich die junge Truppe noch zu grün hinter den Ohren und die Defensivarbeit war mitunter mangelhaft . Wenn die Mannschaft für die Rückrunde aus diesen Fehlern lernt, ist man im Aufstiegsrennen mit dabei. Ob es letztendlich mit dem Aufstieg 2020 oder erst 2021 klappt, ist den meisten Fans gar nicht so wichtig, weil man zum ersten Mal seit Jahren das Gefühl hat, dass etwas Nachhaltiges bei der Wormatia entsteht. Die Stützen der Mannschaft waren (bis zu seiner Verletzung) Torhüter Niklas Reichel, Abwehrdauerbrenner Andrej Ogorodnik, Defensivallrounder Lennart Grimmer, der Top-Vorlagengeber der Liga, Mittelfeldchef Erik Lickert, und der Top-Torjäger der Liga, Jan Dahlke, der den Sprung von der Verbandsliga (26 Tore) in die Oberliga (bisher 17 Tore) scheinbar mühelos gemeistert hat. Und wie groß ist der Anteil von Trainer Glibo an dem bisherigen Erfolg? Der ist genau der Richtige, um eine junge Mannschaft zu führen und motiviert auf den Platz zu schicken und hat mit kurzfristigen Umstellungen oder Einwechslungen sein taktisches Verständnis bewiesen. Vor allem aber ist Glibo in kürzester Zeit etwas gelungen, was seinem Vorgänger Steven Jones in der Abstiegssaison vergönnt blieb. Er hat eine Truppe geformt, in der einer für den anderen kämpft . Bei einem Sponsorentreffen wurde Kristjan Glibo gefragt, ob der Aufstieg nicht eventuell zu früh käme und ob die Mannschaft schon reif für den Aufstieg wäre? „Wir sind Sportler, wir wollen den Erfolg“, war seine Antwort – gleichzeitig die Marschrichtung für Wormatia Worms für 2020.