Wie ein Klassentreffen

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„Wolfgang Niedeckens BAP“

12. Dezember 2016 | Mozartsaal – Das Wormser
20. Dezember 2016 | Palladium in Köln:

In 40 Jahren Bandgeschichte hatten die Kölschrocker Worms zwei Mal knapp gestreift –1983 (Altrheinhalle in Eich) und 2004 (Open Air in Rheindürkheim). Nun also wartete im Wormser eine Steckdose, in der man in vier Jahrzehnten noch nie eingestöpselt hat. Trotz saunaähnlicher Zustände im vollbesetzten Mozartsaal feierten 1.200 BAP-Fans eine rauschende Jubiläumsparty, die erst nach 195 Minuten (!) ihr Ende fand.

70 Konzerte umfasst die Jubiläumstournee, so dass Worms nach ausverkauften Häusern in Mainz, Frankfurt, Mannheim oder Ludwigshafen in den letzten Zügen (als 63. Gig) ebenfalls noch zu Liveehren kam. Die Konzerte hatten hierbei stets etwas von einem Klassentreffen, bei dem man ständig alte Bekannte trifft. Bereits die beiden ersten Songs, „Frau, ich freu mich“ und „Ne schöne Jrooß“, gehören zu den Live-Klassikern der Band und wurden entsprechend freudig begrüßt. Zwar wurden auch die fünf neuen Stücke vom aktuellen Album „Lebenslänglich“ mit herzlichem Beifall quittiert, allerdings waren es auf einer „Best-of-Tour“ naturgemäß die alten Sachen, die Begeisterungsstürme hervorriefen. „Jraaduss“, die Kopf-Hoch-Hymne für alle Verlassenen wurde in Worms von einem hundertfachen rheinhessischen Chor in Kölsch begleitet. „Do kanns zaubere“ zählt nach wie vor zu den besten deutschen Balladen aller Zeiten. „Kristallnaach“ kam beklemmend wie eh und je rüber. Naja, und nach „Verdamp lang her“ hätte man den Mozartsaal getrost abreißen können, so hat die Hütte gewackelt. Und da ging die mehr als einstündige Zugaben-Sause erst so richtig los, mit Live-Klassikern wie „Alexandra“, „Stell dir vüür“ oder „Rita, mir zwei“. Dazwischen die Geschichte von dem Obdachlosen „Jupp“, die zwar schon mehr als drei Jahrzehnte auf dem Buckel hat, aber immer noch unter die Haut geht, ehe dann „Noh all dänne Johre“ einen Abend beendete, der kaum Wünsche offen ließ.

Knapp eine Woche später der Check, wie BAP in ihrer Heimat Köln ankommen, wo sie zum Abschluss drei intime Konzerte vor jeweils 4.000 Besuchern im beschaulichen Palladium spielten. Der Hauptunterschied zu Worms: Hier wurde wirklich jedes Lied euphorisch begrüßt und Zeile für Zeile voller Inbrunst mitgesungen. Als Opener wählte Niedecken – als Antwort auf den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt – „Helfe kann dir keiner“, das bisher auf dieser Tour noch fast gar nicht zum Einsatz gekommen war. Außerdem gab es mit „Wie ne Stein“ („Like a rolling stone“) mal wieder eine Bob Dylan-Nummer. Irgendwie schien Niedecken auch plauderfreudiger zu sein, während im Publikum vielfach zustimmendes Nicken zu beobachten war. Und natürlich wurde es dann am Schluss (mit 3 Std. /30 Min.) doch etwas länger als in Worms.

FAZIT: Ob Worms oder Köln – beides waren tolle Abende dank einer spielfreudigen Band, die auf ein bestens gelauntes Publikum traf.