Zerbrochene Träume und britisches Understatement

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Konzert des britischen Singer Songwriters Lloyd Cole

14. März 2014
Das Haus in Ludwigshafen:

Die Bedeutung Lloyd Coles für die britische Musik zu erfassen, heißt sich zurück in die 80er zu begeben. Da feierte der mittlerweile 53-jährige Musiker mit seiner damaligen Band „The Commotions“ seine größten Erfolge und kassierte bereits für sein Debütalbum „Rattlesnake“ seinerzeit den Titel „Greatest Album of the 80’s“.

Das ist lange her und trotzdem veröffentlicht der Brite unermüdlich Alben, zuletzt „Standards“. Im kleinen Saal vom Ludwigshafener „Das Haus“ fanden sich rund 100 ehrfürchtige Zuhörer ein, die meisten Fans der ersten Stunde, um mit dem Sänger mit der samtenen Stimme auf seiner „One Man Solo-Tour“ einmal quer durch 30 Jahre Pophistorie zu reisen. Ganz dem britischen Understatement verhaftet, erklärte der Künstler zu Beginn, dass er überhaupt nicht vorbereitet sei. Das war natürlich gnadenlos übertrieben, denn Vorbereitung hin oder her, Lloyd Cole ist wahrscheinlich auch im Schlaf jederzeit bereit, seine zumeist melancholischen Songs in bester Stimmlage zu intonieren. Und so stand der Musiker, gekleidet im braunen Samtanzug, kerzengerade vor dem Mikrofon, lediglich eine Gitarre vor sich und eine im Rücken, und begann, sich durch sein eindrucksvolles Euvre zu spielen. Cole schaffte es, nur mit diesen Ingredienzen eine ganz besondere Atmosphäre zu zaubern, die sich zwischen Träumerei und Melancholie einpendelte. Nebenbei zeigte er auch eine sichere Hand bei der Auswahl seiner Songs. Laute „Wow“-Bezeugungen aus dem Zuschauerraum untermauerten dieses sichere Gespür, altes ebenbürtig neben neuem Songmaterial stehen zu lassen. Trotz des Minimalismus, mit dem er seine Stücke vortrug, oder vielleicht gerade deswegen, haben diese kleinen Dreiminüter so etwas wie eine wahrhaftige Ehrlichkeit. Man muss dem Mann einfach glauben, wenn er mit traurigem Blick von zerbrochenen Träumen oder dem Gefühl des verloren seins singt. Nach über zwei Stunden Konzert vom Feinsten wurde das restlos begeisterte Publikum mit dem Commotions Klassiker „Forest Fire“ wieder in die Tristesse des Alltags entlassen, wohlwissend, dass Lloyd Cole weiterhin Alben veröffentlichen wird und vielleicht auch mal wieder in Deutschland vorbeischaut. Wem das nicht reichte, dem zeigte sich der Musiker als Star zum Anfassen und schrieb im Anschluss fleißig Autogramme.

FAZIT: Eine nostalgische Reise durch das Werk des britischen Ausnahmemusikers Lloyd Cole, die seinen Ruf als einer der besten britischen Songwriter eindrucksvoll untermauerte.