Ein komplett neues Gesicht

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Trainer Steven Jones leitet großen Umbruch bei Wormatia Worms ein

Nach einer Saison, die zwar mit Klassenerhalt und Pokalsieg endete, aber viele Schwächen offenbarte, war frühzeitig klar, dass sich das Gesicht der Mannschaft zur neuen Saison gravierend verändern wird. Trainer Steven Jones, der nun auch als sportlicher Leiter fungiert, hat die Gunst der Stunde genutzt und kräftig ausgemistet. Nur sechs Spieler sind vom alten Kader übrig geblieben. Derweil lassen die bisherigen Neuzugänge darauf hoffen, dass der Verein in der neuen Saison eine ordentliche Runde in der Regionalliga Südwest spielen wird.

Schon frühzeitig war klar, dass ein größerer Umbruch erfolgen würde. Kapitän Patrick Auracher wird nach drei erfolgreichen Jahren in Worms in seine Heimat Stuttgart zurückkehren. Der Schwabe hat sich hier als tadelloser Sportsmann präsentiert und kann sich erhobenen Hauptes mit Klassenerhalt und Pokalsieg zu den Stuttgarter Kickers verabschieden. Benjamin Maas, der seit 2014 seine Schuhe für den VfR geschnürt hat, muss verletzungsbedingt seine Karriere beenden. Auch ihn werden die Wormatia-Fans in bester Erinnerung behalten, nicht nur wegen seiner wichtigen Freistoßtreffer. Torjäger Thomas Gösweiner hat sich bereits nach einer starken Saison bei der Wormatia zur TSG Hoffenheim II verabschiedet, Ugurtan Kizilyar hat sich Viktoria Aschaffenburg angeschlossen, Steffen Straub dem FSV Frankfurt, Sebastian Schmitt geht zu Alemannia Aachen. Derweil erhielten langjährige Wormatia-Recken wie Ricky Pinheiro (3 Jahre in Worms, geht zum FK Pirmasens) oder Benjamin Himmel (6 Jahre, geht zur TSG Pfeddersheim) keinen neuen Vertrag vom Verein. Trotz dieses großen Umbruchs konnte man Mitte Juni bereits einen fast vollständigen Kader zum Trainingsauftakt begrüßen. Im Vergleich zu den Vorjahren, hat die sportliche Leitung, quasi Steven Jones, diesmal einen richtig guten Job gemacht. Wann gab es das zuletzt, dass man in Worms so früh bereits eine schlagfertige Truppe beisammen hatte?

Defensive

Im Tor wird mit Steve Kroll ein alter Bekannter stehen, der nach einer fehlerlosen Saison erneut die Nummer 1 sein dürfte. Dagegen wurde seine Abwehrreihe komplett erneuert. Von Regionalligaabsteiger Hessen Kassel kommt mit Cedric Mimbala (31) ein gestandener Innenverteidiger, der insgesamt 115 Drittligaspiele und 82 Regionalliga-Einsätze vorweisen kann. Der 1,88 m große Mimbala hat zuvor u.a. für Fortuna Köln, Energie Cottbus, SG Sonnenhof-Großaspach, FC Homburg und Schalke 04 II. die Fußballschuhe geschnürt und kam zu fünf Einsätzen in der Nationalmannschaft des Kongo. Mit Tevin Ihrig (23) und Malte Moos (22) kommen gleich zwei Abwehrspieler von der U23 von Mainz 05 zur Wormatia. Innenverteidiger Ihrig (1,83 m), der bereits in der U15 für den VfR Wormatia aktiv war, bringt es auf 81 Spiele für den FSV, darunter 59 Spiele in der 3. Liga und 22 in der Regionalliga Südwest. Der 1,78m große Rechtsverteidiger Moos absolvierte für die Mainzer U23 insgesamt 48 Spiele, darunter 29 Spiele in der 3. Liga und 19 in der Regionalliga Südwest. Als Alternative für die rechte Außenbahn wurde zudem Leon Volz (21, Greuther Fürth II.) verpflichtet. Für die linke Außenbahn konnte der VfR Cedric Heller (19) gewinnen. Heller wurde in der Jugend bei Eintracht Frankfurt ausgebildet und durfte bereits in jungen Jahren bei den Profis mit trainieren. Bei dem West-Regionalligisten TUS Erndtebrück kam er zuletzt nur auf 8 Einsätze und wird sich vermutlich mit Linus Radau (22), der vom Oberligisten Karlsruher SC II kommt, um den Platz als linker Verteidiger streiten. Vom FC Bayern Alzenau kommt der 1,94 m große Deutsch-Neuseeländer Dominique Jourdan (26), der die Erfahrung aus 167 Oberligaspielen mitbringt. Zuletzt wurde er im defensiven Mittelfeld eingesetzt, ist aber in der Kaderplanung von Steven Jones als Innenverteidiger vorgesehen. Mit Niklas Kern (19, SV Darmstadt 98) und Ahmed Diack (19, RW Frankfurt) hat der Verein zwei weitere junge Defensivleute verpflichtet, die es aber zunächst schwer haben dürften, sich einen Stammplatz zu ergattern. Je nach taktischer Ausrichtung werden pro Spiel nur 4-5 Defensivplätze zu vergeben sein.

Mittelfeld

Der Königstransfer für die Position im zentralen Mittelfeld ist Andreas Glockner (30), der zuvor bereits beim FC Heidenheim, VFL Osnabrück, 1. FC Saarbrücken, Fortuna Köln und zuletzt bei TUS Koblenz unter Vertrag stand. Glockner dürfte genug Erfahrung aus 2 Bundesligaspielen und 39 Zweitligaspielen mitbringen, um die Rolle des Spielgestalters ausfüllen zu können. Für die linke offensive Außenbahn konnte man den in Mannheim geborenen Luca Graciotti (25) vom SSV Ulm nach Worms locken. Waldhof Mannheim und der SV Sandhausen waren die vorherigen Stationen des 1,78 m großen Linksaußen, der in 58 Regionalligaspielen 10 Tore erzielte und 9 Vorlagen gab. Von Hessen Kassel kommt der 25-Jährige Sascha Korb, der aus der Jugend von Kickers Offenbach stammt und bis 2016 für den OFC aktiv war. Für Offenbach und Kassel absolvierte er insgesamt 6 Drittligaspiele sowie 119 Regionalligaspiele (8 Tore). Dabei kam er zumeist auf der rechten, aber auch auf der linken Außenbahn zum Einsatz, sowohl defensiv als auch offensiv. Ein Mann fürs offensive Mittelfeld ist Neuzugang Aret Demir (22). Der 1,75 m große Demir absolvierte in der Hessenliga 66 Spiele für Bayern Alzenau und erzielte dabei 13 Tore und bereitete 30 Treffer vor. Mit Eugen Gopko (27) ist jemand vom alten Kader übrig geblieben, der seit 2012 bei der Wormatia unter Vertrag steht, aber zuletzt nur 19 Kurzeinsätze vorweisen konnte. Um einen Stammplatz auf der rechten Außenbahn oder im defensiven Mittelfeld zu ergattern, muss Gopko eine gehörige Schippe drauf packen. Ebenso wie Perric Afari (20), der sich als klassischer Sechser in der letzten Saison keinen Stammplatz erkämpfen konnte. Auch der Vertrag mit Koki Matsumoto (23), der sich auf der Außenbahn zuhause fühlt, aber in der letzten Saison nur zu fünf Einsätzen kam, wurde verlängert. Aus der eigenen U19 ist mit Mittelfeldspieler Pascal Schmidt ein Perspektivspieler aufgerückt, der es, ebenso wie Lukas Rodwald (19, Eintracht Frankfurt U19), schwer haben dürfte, zu Einsatzzeiten zu kommen.

Offensive

Mit Dimitrios Ferfelis (25) kommt ein groß gewachsener Mittelstürmer (1,94 m) vom FSV Zwickau, der den Abgang von Gösweiner vergessen machen soll. Der Grieche wurde in der Jugend des SV Werder Bremen ausgebildet und spielte u. a. bei TUS Koblenz (52 Spiele, 17 Tore), PEC Zwolle (Ehrendivision Niederlande) und PAS Lamia (Super League Griechenland). Mit Jan-Lucas Dorow hat ein in der Offensive variabel einsetzbarer Spieler seinen Vertrag verlängert, der in der Vergangenheit bereits mehrfach seinen Torriecher unter Beweis gestellt hat – sofern er verletzungsfrei blieb. Ein Mann für die Offensive ist auch Giuseppe Burgio, dessen Vertrag ebenfalls verlängert wurde. Der 29-jährige Italiener fehlte im ersten Saisondrittel verletzungsbedingt, war aber danach stets einer der Aktivposten in der Wormser Offensive. Sowohl auf Rechtsaußen als auch als Mittelstürmer konnte Burgio im letzten Saisondrittel überzeugen.

Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe umfasste der Kader von Wormatia Worms 22 Spieler. Zwar war man aktuell noch auf der Suche nach einem Torwart, einem Spieler für die Außenbahn und einem Mann für die Offensive (Mittelfeld oder Sturm). Die bisher getätigten Neuzugänge klingen aber bereits vielversprechend. Bis zum Saisonstart hat Trainer Jones nun ausreichend Zeit, ein komplett neues Team zu formen. Nicht nur wegen des DFB-Pokalspiels gegen Werder Bremen am 18. August ist die Vorfreude auf die neue Spielzeit deutlich größer als vor einem Jahr.