Im Schatten von Johanna Zeul

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Konzertreihe „Stille Töne“ mit Josh Maccoy, Sorab Jon Asar und Johanna Zeul

11. März 2016
Heylsschlösschen in Worms:

Wenn man sich viele Jahre seines Lebens mit einer bestimmten Art von Musik beschäftigt, hat man irgendwann das Gefühl, alles schon mal gehört zu haben. Dennoch gibt es immer wieder diese eine Stimme oder diesen einen Song, der doch ein bisschen anders ist als die anderen.

Im Grunde ist die Konzertreihe „Stille Töne“ so etwas wie eine musikalische Weinprobe. Man probiert, man hört zu, entdeckt und entscheidet anschließend. In der Reihe lädt Gastgeber David Maier immer wieder junge Musiker ein, deren Songs ganz im Zeichen des klassischen Songwriting stehen. Eine Disziplin, die mehr erfordert als nur das Talent, gute Songs zu schreiben. Eine Musikerin, die genau über dieses „etwas mehr“ verfügt, war an diesem Abend Johanna Zeul. Es ist erstaunlich, dass diese junge Frau längst keinen größeren Bekanntheitsstatus genießt. Mit ihrem Mut zur Schrulligkeit oder aber einfach einem Knall, wirkte sie zuweilen, als könne sie in den nächsten Minuten die Gitarre nieder legen, um einen Gast niederzubrüllen. Nur um dann wieder die Gitarre aufzunehmen und mit fröhlicher Miene Songs wie „Ich schwöre“ zu singen. Es ist der unbefangene Umgang mit ihren eigenen Songs und ihrer eigenen Persönlichkeit, der begeisterte. Locker schaffte sie es, das Publikum zu verführen und mitzureißen. Es war zudem eine gute Entscheidung, Johanna Zeul am Ende spielen zu lassen, denn wahrscheinlich hätten die beiden Männer zuvor einen weniger guten Stand gehabt. Während Zeuls Songs stets eine spontane Frische atmeten, haftete den Songs der beiden Musiker Josh Maccoy und Jon Asar etwas Konventionelles an. Inhaltlich geprägt von einer großen Intimität folgte die Verpackung allzu bekannten Mustern. Zwar ist das Talent der beiden Künstler offensichtlich, allerdings würde man ihnen gerne mehr Mut wünschen, sich ungezwungener ihrem Material zu nähern.

Fazit: Mal wieder zeigten die „Stille Töne“, dass diese auch ganz schön schrill sein können. Ein unterhaltsamer Konzertabend mit einer persönlichen Musikentdeckung für den WO! Kritiker.