Missverständnisse

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Sie sind von großer Bedeutung, wenn auch meist mit negativer Auswirkung – bis zur Auslösung eines richtigen Krieges. Auf der anderen Seite können Missverständnisse aber auch nützlich und heilsam sein. Denn aus Fehlern lernt man zuweilen besonders gut. Vor allem, wenn der Schaden groß war, oder man sich tüchtig blamiert hat.

Um Ärger und Schäden nun mehr und gründlicher zu vermeiden, wollen wir uns hier näher mit dem Objekt befassen und für die Zukunft daraus lernen. Das Missverständnis ist wider Erwarten und trotz seines nüchternen Namens ungewöhnlich interessant und spielt im täglichen Leben oft eine entscheidende Rolle. Auch mir, dem Verfasser dieses Aufsatzes, werden Missverständnisse in Vergangenheit und Gegenwart umso interessanter, je länger ich mich damit befasse.

Aus der Antike, vornehmlich im Alten Griechenland, spielten die Orakel in Politik und Wirtschaft oft eine große Rolle, wenn auch im Geheimen. Derjenige, der das Orakel gegen teures Geld befragen ließ, erhielt in der Regel von der „Pythia“ eine für ihn (sehr) günstige, aber missdeutige, Auskunft. In der Gegenwart wird es für uns aktueller und wichtiger im Umgang mit irreführenden Aussagen und Nachrichten. Zunächst ist festzuhalten, dass es zwei grundverschiedene gibt. Nämlich a) das unbeabsichtigte, quasi natürliche. Und b) ist da noch das gewollte Missverständnis, meist mit schlechter Absicht.

Es wird interessanter und komplizierter. Nämlich bei einer Nachricht kann vom Mitteiler sowohl absichtlich, als auch unabsichtlich ein Missverständnis erzeugt werden. Das Gleiche gilt für den Empfänger. Dieser kann die Botschaft aus Unvermögen oder auch aus böser Absicht missverstehen.

Nun sollen zwei „Größere“ etwas zum Thema beisteuern. Zuerst ein namhafter Sprachforscher. Seine Rede ist: „Es gibt nichts, das geeigneter zu Missverständnissen ist, wie die menschliche Sprache.“ (Autor leider unbekannt). Alsdann und lustiger, Arthur Schnitzler (1862-1931): „Alles verstehen, heißt alles verzeihen – das wäre sehr edel gedacht und gesagt. Nur schade, dass das Verstehen neunundneunzig Mal unter hundert aus Bequemlichkeit und höchstens einmal aus Güte geschieht.“ Evtl. passt hier auch noch der Begriff vom „vielsagenden Schweigen“.

Sei es, wie es sei: Um ärgerliches Falschverstehen stets und ständig zu vermeiden, sollte man mit einiger Mühe, sich sorgfältiger mündlich und schriftlich äußern, denn Missverständnisse sind in der Regel für beide Seiten schlecht. Auch mancher Streit wäre leicht zu vermeiden, wenn die Aussagen klar und deutlich(er) gewesen wären. Man kann die menschliche Sprache als „Geschenk der Götter“ ansehen und alsdann alle Missverständnisse zu Recht als „Teufelszeug“ bezeichnen! Andere Probleme beim Verstehen entstehen durch unterschiedliche Sprachen. Da gibt es die Hoch- und die Volkssprache. Auch Männer und Frauen haben ein (leicht?) unterschiedliches Vokabular. Und dann sind noch die Dialekte nicht zu vergessen!

Wir kommen langsam zum Ende und da wäre ein Rückblick zu Obigem günstig und nützlich. Wenn es dort um (Miss-) Verständnisse ging, so sollte man sich erinnern, dass dahinter der „Verstand“ steckt und dieser macht uns erst zu einem (richtigen) Menschen, der nicht alles, aber doch sehr vieles verstehen kann, wenn er nur will. Vielleicht sollten Sie, lieber Leser und liebe Leserin, öfter daran denken. Ich wünsche nunmehr allen viel Erfolg und Freude dabei!

Ihr unverbesserlicher
Heinz Dierdorf

Hier noch ganz zum Schluss, die gewohnte „Spaßkiste“:

„Sommer ist die Zeit, in der es zu heiß ist,
das zu tun, wozu es im Winter zu kalt war.“
Mark Twain