Loben und danken? Sie Trottel von gestern!

, , Kommentar schreiben

Ich mache täglich so meine Erfahrungen und lerne daraus. Für „WO! – DAS Wormser Stadtmagazin“ finde ich nützliche Anregungen. Unter anderem fällt mir dabei auf, dass die „lieben Leute“ (andere auch!) kein Lob mehr kennen und das „altmodische“ Danken für „out“ halten. Sehr schade, denke ich.

Danke ich dann aber wieder mal einem Freund, so erklärt der mir, dass das „doch nicht nötig sei“ für eine kleine Wohltat. Sowas ist doch „selbstverständlich“. Dann schaue ich gewöhnlich ziemlich verlegen drein, weil es für mich nur wenig Selbstverständliches gibt. Dazu schnell ein kleines Beispiel, damit der Leser mich leichter versteht. Nämlich, weil die Sitten rauer, die Umgangsformen ruppiger geworden sind, bin ich zu jedermann (und jeder Frau) umso höflicher, freundlicher und hilfsbereit. Das wird auch meistens geschätzt und kommt sympathisch zurück.

Übrigens, das Wort „danken“ geht auf das Wort „denken“ zurück. Sicher, weil man über eine Gabe nachdenkt: wofür? Und zu einer Gegengabe geneigt ist, und wenn es nur das Wörtchen „danke“ ist. Jetzt aber rasch zum „Loben“, wozu es in Schwaben (?) heißt: „Nicht geschimpft ist genug gelobt“. Das aber ist eine traurige Sache und so frage ich mich: warum nur? Warum denn soll eine gute Tat nicht gelobt und nicht bedankt werden? – Aus der Arbeitswelt ist mehr oder minder bekannt, dass mancher Untergebene für ein Lob vom Chef mitunter dankbarer wäre, als für ein paar Moneten mehr. Auch ein Lob unter Kollegen (hin und her) könnte Arbeitsklima und Arbeitsleistung verbessern. Am meisten würde es natürlich den Chef freuen.

Ein anderer Punkt wäre, dass das scheinbar „überflüssige“ Lob ein guter „Schmierstoff“ sein kann: für jegliche Arbeit. Der Mensch braucht Anerkennung und Achtung, fast immer und überall. Dahinter steckt, dass der Mensch als soziales Wesen unbedingt den Mitmenschen benötigt. Man möchte einmal nützlich sein für den Anderen, ein anderes Mal nützlich für alle, Volk und Vaterland. Auch sehen manche noch immer den Sinn des Lebens darin. Sei es, wie es sei: Ein bisschen mehr Freundlichkeit und gutes Miteinander könnte bestimmt nicht schaden…!

Alles hat seine zwei (oder mehr) Seiten, und so kommen wir jetzt auch hier dazu. Zu dem Loben kann man gleich von zwei Gegenseiten sprechen. Das einfachere wäre das Fehlen des Lobes, wo es (eigentlich) zu sein hätte. Deutlicher und krasser denn wäre Tadel, Rüge oder Beanstandung, ob zu Recht oder nicht. Hier möchte ich ganz aktuell erwähnen, dass, nach meiner Beobachtung gern und zu viel in unserem Lande gemeckert und geschimpft wird. Hingegen mangelt es am Lob umso mehr. Versuch, Gründe dafür aufzuzeigen, jetzt nur knapp und schnell: Die einen meinen wohl, dass sie sich dabei etwas vergeben. Die anderen fürchten, man könnte aus dem Loben ablesen, dass man sich kleiner wähnte oder der Gelobte könnte sich größer dünken, als man selbst ist.

Nun aber folgen Gegensätze zum Kapitel „danken“. Nr. 1 wäre der fehlende Dank, genannt „Undank“. Das passende Sprichwort, „Undank ist der Welt Lohn“, habe ich seit Jahrzehnten nicht mehr gehört, was jedoch nicht heißen soll: Es gibt ihn nicht mehr! Umgekehrt, es gibt ihn sogar vermehrt. – Und was meinen Sie dazu, lieber Leser (m/w)?

Mir unbegreiflich: Es gibt noch eine Steigerungsstufe für „Undank“. Das ist, wenn Sie für eine gute Tat, nicht nur keinen Dank, sondern auch noch mit (grobem) Nachteil, z.B. Prügel „bedient“ werden. Für meine Zwecke habe ich dafür das Wort „Contradank“ geschaffen. Nebenbei: Solchen habe ich letztens überreichlich kennen gelernt, indem der von mir Beschenkte mich etwas später belogen und betrogen hat… Doch damit sind wir für heute am Ende und so übergebe ich das letzte Wort unserem Meister-Humoristen, Wilhelm Busch:

„Es ist ein guter Brauch, wer was bekommt, bedankt sich auch.“

Leben Sie wohl und reden keinen Kohl! – Es grüßt sehr freundlich: Ihr Heinz Dierdorf