Eine kleine Übersicht über wichtige Baufragen 2021

Worms will weiter! Das behauptete nicht nur Peter Englert in seinem Oberbürgermeisterwahlkampf, sondern das dürfte auch die Meinung vieler Bürger*innen sein, denen die Stadtentwicklung zu langsam vonstattengeht. Viel wurde in der Vergangenheit über Mobilitätskonzepte, das leerstehende Kaufhofgebäude, Parkhäuser oder über die ungeliebten Bitumina-Tanks diskutiert. Während es bei manchen Baustellen zaghaft vorangeht, scheinen andere wiederum in Stillstand zu verharren. Wenn Politik, Verwaltung sich einig sind, könnte 2021 ein Jahr werden, in dem endlich die Weichen für ein zukunftsfähiges Worms gestellt werden. Ein Worms, das bereit ist, Touristen länger als zwei Stunden zu empfangen und das endgültig alle Nörgler eines Besseren belehrt. Die Bauvorhaben rund um die Gerbergasse, den Alten Schlachthof und das Valckenbergareal, die von privaten Unternehmern vorangetrieben werden, können ganz im Sinne des Ausrufs verstanden werden. Nachdem es zu Corona bedingten Verzögerungen kam, soll in der Gerbergasse Mitte des Jahres Baubeginn sein. Derzeit gehen der Investor Harald Gerlach und Architekt Jörg Deibert davon aus, dass die Baugenehmigung spätestens im Februar vorliegt. Nach wie vor soll als erstes das Hotel gebaut werden. Vorgesehen sind 98 Zimmer. Die Aufgaben, die Politik und Verwaltung noch zu lösen haben, sind allerdings umfangreich und das Geld wiederum knapp. Die Fragen, die damit einhergehen, sind mindestens genauso umfangreich.


Was wird aus dem Kaufhofgebäude?
Zuletzt sorgte das leerstehende Kaufhofgebäude in der Adventszeit – abseits des fehlenden Weihnachtsmarktes – für ein wenig weihnachtliche Atmosphäre in der Innenstadt. Die Schaufenster wurden in 24 Fenster unterteilt, die von ausgewählten Geschäften, Personen oder Vereinen mal mehr, mal weniger festlich dekoriert wurden. Dumm nur, dass kurz danach ein weiterer Lockdown das Leben in der Fußgängerzone doch etwas einsam machte. Die zentrale Frage 2021 dürfte allerdings sein, was mit dem 1964 errichteten Gebäude geschehen soll? Ein Arbeitskreis wurde zwar ins Leben gerufen, doch Lösungen sind rar, außer, dass die Stadt daran interessiert ist, den Verwaltungstrakt für das städtische Gebäudemanagement (ein Zusammenschluss aus Bauverwaltung und GBB) anzusiedeln. Für die Stadt und Besitzer ehret + klein eine durchaus bequeme Lösung, da man seit längerem nach geeigneten Räumen sucht und der Vermieter sich wieder über Einnahmen freuen kann. Für die Innenstadt ist es indes keine Lösung, führt es doch weder zu mehr Kundenfrequenz, noch dazu, dass die Innenstadt attraktiver wird. Selbiges gilt auch für die Pläne der Grünen, die Volkshochschule dort anzusiedeln. Selbst wenn der Vermieter sich dazu bereit erklären würde, einen Umbau zu finanzieren und günstige Mietkonditionen anbietet, ändert es nichts an der Tatsache, dass nach der Schließung des Kaufhauses unausweichlich auffällt, dass der in die Jahre gekommene Bau keine Zierde der Architekturkunst ist und die Unterhaltskosten enorm sein dürften. Insofern sollte das Bestreben sein, das Gebäude mittelfristig abzureißen, um Raum zu machen für zeitgemäße Projekte. Städtisches Anmieten zögert diese Leidensgeschichte nur unnötig raus.


Braucht Worms die Tiefgarage Ludwigsplatz?
Dass die Tiefgarage aus den 70er Jahren marode ist, ist kein Geheimnis, genauso wenig, dass der Garage aufgrund bindender Vertragsverhältnisse zwischen Anwohnern und Stadt eine besondere Bedeutung zukommt. Dennoch war das Aus schon längst beschlossene Sache im Stadtrat, nachdem eine Machbarkeitsstudie von Aufwendungen zwischen 17 und 26 Millionen Euro sprach. Nur Klaus Karlin (Stadtratsfraktion CDU) vertrat die Meinung, dass man von falschen Voraussetzungen ausging und eine Sanierung auch günstiger möglich sei. Dies soll nun eine weitere Machbarkeitsstudie klären, die den Bürger zusätzlich 60.000 Euro kostet. In einer Sitzung des Haupt- und Finanzausschuss betonte Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek (CDU), dass das Parkhaus jenes mit der besten Auslastung sei. Auf Nachfrage von Christian Engelke (Bündnis 90/Die Grünen) nannte er die Zahl 61 Prozent! Nicht gerade ein Argument, das dafür spricht, dass weiterhin Steuergelder in unverhältnismäßig teure Parktempel fließen. Es könnte aber auch sein, dass es für manchen Autofahrer einfach günstiger ist, im Halteverbot zu parken, als sich in ein städtisches Parkhaus einzumieten.

Was macht eigentlich das Mobilitätskonzept?
Diskutiert wurde bereits viel, in den Ausschüssen, im Stadtrat, bei Mobilitätskongressen und zuletzt bei einer Umfrage. Die soll gemeinsam mit einer extern erstellten Verkehrsanalyse die Grundlage für ein tragfähiges Verkehrskonzept sein. Im Fokus der Verkehrsentwicklung ist vor allem der politische Wille, den Anteil des Radverkehrs in Worms anzuheben. Passiert ist dahingehend wenig. Hier und da wird über Zufahrtsstrecken aus den Stadtteilen gesprochen oder über Fördertöpfe diskutiert. Dem eigentlichen Problem, dem zeitweise dichten Verkehr in der Innenstadt, hat man sich bisher nicht angenähert. Die Fahrradstraße in der Speyerer Straße wirkt dabei eher wie ein zwangsläufiges Zugeständnis der Stadtverwaltung an die politischen Forderungen. Das ist ärgerlich! Die Umweltverbände haben sich kurz vor Ende des Jahres bei der Presse gemeldet und dementsprechend erklärt: „Die notwendigen Maßnahmen sind im Prinzip bekannt und müssen so schnell wie möglich umgesetzt werden. Sie werden verstärkt den Verkehrssektor betreffen (…). Hier wird die Politik aus unserer Sicht um zunächst unpopuläre Maßnahmen nicht herumkommen (…). Mut und Überzeugungskraft der Politiker sind also gefragt und nicht ängstliches Starren auf Wählerstimmen und halbherziges Herumlavieren. Wer überzeugen will, braucht klare Ziele und Visionen – und die fehlen momentan leider.“ Ende Januar/ Anfang Februar 2021 sollen die Ergebnisse der Mobilitätsumfrage vorgestellt werden. Vielleicht fällt es ja dann allen Verantwortlichen leichter, in Sachen Mobilität in Worms für frischen Wind zu sorgen.

Gibt es eine Vision für das Rheinufer?
Keine Frage, im Laufe der vergangenen Jahrzehnte hat die Rheinpromenade deutlich an Attraktivität dazugewonnen. Das merkt man insbesondere an sonnigen Tagen, wenn sich dicht an dicht Wormser und Touristen drängeln, um noch ein Plätzchen bei einem der Gastronomen zu ergattern. Dennoch gibt es auch am Rheinufer einige Problemzonen. Dazu gehört das wilde Parken unter der Rheinbrücke genauso wie die unschönen Bitumina Tanks, die im Besitz der Firma Bitumina sind und laut Geschäftsführer Michael Sinewe immer noch in Betrieb sind. Stinkend und rostend sind sie dennoch kein Aushängeschild, insbesondere nicht, wenn in unmittelbarer Nachbarschaft Familien mit ihrem Wohnmobil Urlaub in Worms machen möchten. Politisch scheint dieses Problem nicht zu lösen zu sein. Dafür allerdings die weitere Rheinuferplanung. Da in diesem Jahr der Rahmenplan überarbeitet wird, sieht das die Wormser GroKo als Gelegenheit, mehrere Themen gleichzeitig zu forcieren und stellte dementsprechend einen Antrag. Im Visier hat man eine stärkere touristische Nutzung einschließlich des Floßhafens. Außerdem möchte man 2021 auch die lange angedachten Außensportanlage für die Nibelungenschule auf Teilen der Kisselswiese voranbringen. Wieder mal auf der Agenda steht zudem das Thema „Wohnen am Rhein“. Kurzum, es gibt viel zu tun. Bleibt zu hoffen, dass auf konstruktive Gespräche auch konstruktives Handeln folgt.