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ANALOGE BILDER, DIGITALE KLANGWELTEN

Kritik zu „Nosferatu Live mit Klangfeder“

15. März 2026 | Lincoln Theater in Worms: Stummfilme live zu vertonen, ist in den vergangenen Jahren eine beliebte Disziplin unter Musikern geworden. Das Duo Klangfeder nahm sich des Klassikers „Nosferatu“ an, den es mit einer stattlichen Soundkulisse im Lincoln Theater zu Gehör brachte.

Bevor der erste Ton gespielt wurde, ließ sich bereits am umfangreichen Equipment erkennen, dass den Zuschauer wohl eher eine Klangerfahrung erwarten würde als ein immersives Kinoerlebnis. Die Leinwand – quadratisch, praktisch, gut – wurde flankiert von zwei Musiksets, die wiederum dominiert wurden durch Keyboards, Sequenzer und andere technische Spielereien. Dazwischen gabs diverses Perkussives, wie einen selbstgeschmiedeten Gong oder auch einen Regenmacher. Bedient und gespielt wurden diese von Markus Spiethaler und Udo Langer. Letzterer steuerte im Laufe des Abends auch noch seine tiefe basslastige Stimme zu den Klangwelten bei. Langer ist auch Ideengeber des Projekts. Dabei erklärt er auf der Homepage, dass der Gruselklassiker aus dem Jahre 1922 für ihn kein Horrorfilm sei und er ganz in diesem Sinne die musikalische Begleitung ausrichten würde. Konkret bedeutete dies: Sanfte Melodiebögen, manchmal romantisch fließend, manchmal niedergeschrieben in einzeln getupften Klaviertönen, in der Ferne erinnernd an große Meister von Ennio Morricone bis hin zu dem minimalistischen John Carpenter. Zwischendurch blitzten Tangerine Dream ähnliche Klangflächen hervor, als Synthesizer noch nach Synthesizer klingen durften. Auch wenn die elektronischen Klangflächen im klaren Kontrast zu den analogen Bildern standen, funktionierte das Klanggewand über weite Strecken. Seltsam fielen hingegen die Entscheidungen aus, „Auf der Reeperbahn nach um halb eins“ zu integrieren oder die Flucht Knocks, alias Renfield in „Dracula“, mit countryesken Klängen zu untermalen. Als gelungen konnte man hingegen die Entscheidung bezeichnen, auch Toneffekte, wie Pferdegeklapper und Fußschritte, zu integrieren.

Fazit: Auch wenn nicht jede musikalische Entscheidung zu gefallen wusste, überzeugte der ambitionierte Anspruch der beiden Musiker. Weniger überzeugend geriet jedoch die Inszenierung des Abends. Statt dem Publikum ein immersives Leinwanderlebnis zu gewähren, entschied man sich für eine eher helle Bühnenausleuchtung, sodass das Treiben des Duos immer wieder vom eigentlichen Leinwandgeschehen ablenkte. Dennoch ein mutiges Experiment, dem erstaunlich viele Zuschauer ins Lincoln folgten.
Text: Dennis Dirigo, Foto: Andreas Stumpf