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ANWOHNERFRUST UND BASKETBALLLUST

  Basketballplatz Hegelstraße sorgt seit Jahren für Unmut

Wo Menschen zusammenleben, sind Konflikte leider unvermeidlich. Doch was, wenn dieser Konflikt scheinbar kein Ende finden will, obwohl Lösungen greifbar erscheinen.

Im Zentrum des Konflikts steht der Basketballplatz in der Hegelstraße bzw. vielmehr die zumeist jungen männlichen Besucher des selbigen. Demgegenüber steht die Sehnsucht der Anwohner (Hegelstraße/Ecke Dirolfstraße), insbesondere an den Wochenenden ihre wohlverdiente Ruhe genießen zu dürfen. Man könne im ersten Moment sagen, es ist der klassische Konflikt alt gegen jung. Darin involviert ist die Stadt Worms, der die Fläche gehört. Doch worum geht es genau? Pressesprecher Carsten Schneider-Wiederkehr fasst auf Anfrage unseres Magazins die Situation wie folgt zusammen: „Einerseits sind die berechtigten Ruheinteressen der Anwohner zu berücksichtigen, andererseits gehört es zu den Aufgaben der Stadt, jungen Menschen in Worms geeignete Räume für Freizeit, Bewegung und soziale Begegnung im öffentlichen Raum zur Verfügung zu stellen.“

EIN KONFLIKT MIT GESCHICHTE

Angelegt wurde der Platz bereits vor vielen Jahrzehnten, als das Areal noch den USAmerikanern gehörte und auf den Namen Thomas Jefferson Village hörte. Mitte 1999 schloss die USArmy den Stützpunkt in Worms und die Grundstücke gingen in das Eigentum der Stadt über. Es entstand das Wohnquartier Liebenauerfeld. Neue Wohngebäude wurden gebaut und neue Mieter/Eigentümer fanden ein Zuhause. Was aus der Zeit der „Amis“ übrigblieb, war wiederum der Basketballplatz. Bereits 2009 folgten erste Lärmbeschwerden. 2015 übernahm das Jugendparlament die Patenschaft. Parallel häuften sich die Beschwerden und es folgen seitdem regelmäßig Gespräche zwischen Stadt und den Anwohnern. Im Gespräch mit WO! erklären die Anwohner, die namentlich nicht genannt werden wollen, dass es ihnen nicht darum geht, dass der Platz gänzlich geschlossen wird, sondern dass Lösungen gefunden werden. Lärmprotokolle, die seit 2021 geführt werden, veranschaulichen das Problem. Insbesondere während der warmen Monate zeigt sich auch spät abends eine hohe Betriebsamkeit auf dem Platz, der bisher über kein Schloss zum Absperren verfügt. Mal ist es 22.25 Uhr, mal 23 Uhr oder auch mal 1:25 Uhr (!), wenn der Ball unaufhörlich auf den Boden knallt, eher er dem Korb mit dem Holzbrett im Hintergrund entgegenfliegt. Musik läuft, die Stimmung ist gut und das Lachen laut. Was für die einen Zeitvertreib ist, ist für die Anwohner ein Alptraum.

Die Stadt betont, das Problem sehr ernst zu nehmen und verweist auf diverse Maßnahmen, die man getroffen habe. So wurden die Öffnungszeiten auf einem neu angebrachten Hinweisschild eingegrenzt und Nutzungsregeln erlassen. Auch gebe es eine regelmäßige Präsenz durch die mobile Jugendarbeit. Doch was nützen Regeln, wenn sich der Nutzer ausschließlich für seine Belange interessiert? Eine weitere Vereinbarung ist, bei Verstößen die Ordnungsbehörde anzurufen. Doch auch das ist in der Praxis eine schwierige Lösung. So scheitere insbesondere an den Wochenenden diese Idee an den Arbeitszeiten der Behörde. Die Polizei, die ersatzweise alarmiert werden soll, sieht in dem Konflikt wiederum keine Dringlichkeit und erscheint oftmals gar nicht oder erst, wenn die Jugendlichen wieder weg sind. Und so versuchen die Mieter und Eigentümer oftmals die Ruhestörung selbst durch Ansprachen zu beenden. Die Folge: Wenig Verständnis, Beschimpfungen und Drohungen, sodass zwischenzeitlich der eine oder andere Anwohner den belastenden Lärm lieber aushält.

WAS WOLLEN DIE ANWOHNER?

Wie sie erklären, haben sie der Stadt schon mehrfach Vorschläge unterbreitet, die bisher immer wieder auf Ablehnung stießen. Dazu gehörten lärmschutzdämmende Maßnahmen im Kontext mit dem Bodenbelag und dem sogenannten Backboard. Der Hauptwunsch sei jedoch, wenigstens an den Wochenenden durch Schließung des Platzes endlich wieder Ruhe zu finden. Dabei verweisen sie darauf, dass es im näheren Umfeld zwei weitere Plätze gebe (BiZ und AlbertSchultePark). Ein Schließdienst könnte aus ihrer Sicht über die benachbarte WestendGrundschule organisiert werden. Der könnte am Montagmorgen den Platz dann auch wieder öffnen. Zwar erklärt die Stadt zu diesem Vorschlag, dass man diesen prüfe, man schiebt aber noch hinterher, dass dies aufwendig und teuer sei. Gleichzeitig bittet der Pressesprecher um Verständnis, da man jungen Menschen grundsätzlich Freizeitangebote ermöglichen möchte. Das wollen auch die Anwohner, aber ebenso wünschen sie sich mehr Verständnis und vor allem Ruhe. Denn auch eines muss klar sein: Lärm kann krank machen.
Text: Dennis Dirigo, Foto: Andreas Stumpf