KEIN JOB WIE JEDER ANDERE
Vier Bewerber wollen Oberbürgermeister in Worms werden
Am 27. Juli endete die Bewerbungsfrist für die ab 1. Januar 2027 vakante Stelle des hauptamtlichen Oberbürgermeisters der Stadt Worms. Damit ist klar: Vier Bewerber werden ihren Hut in den Wahlkampfring werfen und sich um das höchste Amt der Stadt bewerben. Stephanie Lohr (CDU), Timo Horst (SPD), Frank Senger (AfD) und Ali Kessler (FDP) heißen die Bewerber. Gewählt wird am 13. September 2026.
Doch was bedeutet es, Oberbürgermeister einer kreisfreien Stadt mit rund 84.000 Einwohnern zu sein? Welche Qualifikationen sollten Sie mitbringen? Grundsätzlich reicht es aus, wenn Sie zwischen 18 und 65 Jahre alt und in Deutschland geboren sind. Natürlich sollten keine eklatanten Vorstrafen im Führungszeugnis zu finden sein. Wenn Sie diese grundlegenden Dinge erfüllen, müssen Sie sich bewusst machen, dass zwar ein gutes Gehalt auf Sie wartet, aber Sie als Dienstherr die Verantwortung für rund 1.750 Mitarbeiter übernehmen und darüber hinaus für die gesamte Stadt. Sie sind das Gesicht, die Person, auf die das Positive und etwas mehr das Negative projiziert wird. Im Grunde ist es wie beim Nationaltrainer. Verfügt dieser über rund 80 Millionen Assistenztrainer, müssen Sie sich bewusst machen, mit rund 80.000 Worm-sern umgehen zu müssen.
Da die Stadtkassen bekanntlich leer sind, ist es zudem Ihre Aufgabe, immer wieder als Bittsteller beim Land vorzusprechen, um einen genehmigten Haushalt zu erreichen. Das Gehalt ist zwar gut, aber die Arbeitszeiten eine Katastrophe. Wenn Sie Wert auf einen geregelten Feierabend legen, sollten Sie an dieser Stelle Ihre Bewerbung überdenken. Urlaub steht Ihnen zwar zu, zuvor sollten Sie aber Ihr Smartphone im Tresor einschließen. Ganz nebenbei ist es von Vorteil, über Verwaltungserfahrung zu verfügen. Stephanie Lohr (CDU) und Timo Horst (SPD) kennen als Mitglieder des Stadtvorstands seit vielen Jahren die Widrigkeiten des Jobs und verfügen über entsprechende Kenntnisse. Etwas, was von Frank Senger (AfD) und Ali Kessler (FDP) nicht behauptet werden kann.
Grundsätzlich stellt sich die Frage nach der Ernsthaftigkeit der Kandidatur, weswegen wir uns in der Redaktion dazu entschieden haben, beide Kandidaturen vorerst nicht weiter zu verfolgen. Beide Kandidaten haben es bisher nicht geschafft, abseits eines einzigen Termins per Pressemitteilung über ihre Kandidatur und ihre Pläne zu informieren. Ein E-Mail-Kontakt wurde ebenfalls nicht übermittelt, eine Homepage sucht man bisher vergebens. Kesslers letzter Social Media Eintrag bei Instagram datiert auf den 11. Juni. Der in Mainz lebende gebürtige Trierer Frank Senger (AfD) hat hingegen keine eigene Social Media Präsenz. Die beiden Säulen, auf die der AfD-Wahlkampf bisher ruht, sind Sengers Blick von außen und der permanente Verweis auf die Bundespolitik. Das ist aus unserer Sicht zu wenig, um daraus einen ernsthaften Anspruch für ein OB Amt in Worms abzuleiten. Im August sind aktuell zwei Kandidatenrunden geplant. Man darf gespannt sein, ob beide dann ein wenig mehr zu ihrer Bewerbung zu sagen haben.
Text: Dennis Dirigo





Dennis Dirigo WO!



