ZWEI AUSSENSEITER UND EINE WAHLEMPFEHLUNG
OB-Wahl in Worms am 13. September 2026

Der OB-Wahlkampf ist bereits mitten in seiner heißen Endphase. Die beiden Spitzenkandidaten der beiden größten Parteien im Wormser Stadtrat, Stephanie Lohr (CDU) und Timo Horst (SPD), sind täglich irgendwo in der Stadt im Einsatz, um sich die Sorgen der Bürger anzuhören und ihr eigenes Wahlprogramm vorzustellen. Derweil stiegen mit Ali Kesler (FDP) und Frank Senger (AfD) zwei weitere Kandidaten eher unauffällig ins Rennen um die OB-Krone ein und eine Partei hat eine Wahlempfehlung ausgesprochen.
Der Kandidat der Wormser AfD: Frank Senger
Trotz des starken Ergebnisses des Wormsers Thorsten Endress bei der rheinland-pfälzischen Landtagswahl (25,2 %) schickt die AfD einen externen Kandidaten ins Rennen. FRANK SENGER ist Mitglied des Landtags RheinlandPfalz, stellvertretender Vorsitzender der Afd-Landtagsfraktion sowie haushalts- und kommunalfinanzpolitischer Sprecher der AfD. Kommunalpolitisch ist er in Mainz aktiv und lebt auch in der Landeshauptstadt. Wenn man auf die Historie der Wormser OB-Wahlen zurückblickt, fanden externe Kandidaten selten Anklang bei der Wählerschaft. Trotzdem ist der Afd-Kandidat nicht zu unterschätzen. Nicht etwa, weil er einen herausragenden Wahlkampf absolviert, sondern weil die Wähler seiner Partei kaum auf Inhalte achten. Dass sich der in Trier geborene WahlMainzer selten in Worms hat blicken lassen und die Parteiarbeit weitestgehend der Basis vor Ort überließ, dürfte bei der Wahlentscheidung kaum eine Rolle spielen. Selbst beim Wz-Forum zur OB-Wahl, das per Livestream übertragen wurde, ließ sich Senger wegen eines wichtigen, anderweitigen Termins entschuldigen. Dass er bisher noch keinerlei Verbindung zu Worms hatte, sieht die AfD Worms sogar als Vorteil.
Senger beschreibt sich selbst als Kandidat, „der bewusst von außerhalb kommt – ohne lokale Verflechtungen, ohne Vereinsbindungen und ohne persönliche oder wirtschaftliche Interessenkonflikte.“ Weiter schreibt Senger: „Ich kann Verwaltungsprozesse, Haushaltsstrukturen und politische Abläufe mit einem unvoreingenommenen Blick analysieren und bewerten… ()…In meiner bisherigen Arbeit lag mein Fokus darauf, komplexe finanzielle Zusammenhänge verständlich zu machen und tragfähige Lösungen für kommunale Herausforderungen zu entwickeln.“ In seinen Videos weist Senger immer wieder auf die aktuellen politischen Probleme hin, die aber von einem Oberbürgermeister gar nicht gelöst werden können, sondern in den meisten Fällen eher die Bundesregierung als Adressaten beinhalten sollte. Konkrete Inhalte zu Worms waren ihm bis dato selten zu entlocken. Wenn Senger pauschal „neue Gewerbeflächen“ fordert, muss man sich fragen, ob er sich schon mit der Situation der möglichen Gewerbeflächen in Worms beschäftigt hat.
Weiterhin fordert Senger „solide Finanzen“ und kündigte beim TStWahlforum an, als OB jedes Budget der Verwaltung auf den Prüfstein zu stellen: „Wir können nicht an allen freiwilligen Leistungen festhalten.“ Sprich: Senger will nach Kürzungspotential suchen beim Betrieb von Museen, Theatern, Musikschulen, Volkshochschulen, Büchereien, Schwimmbädern, Sportplätzen, Parkanlagen oder Tierparks. Unter die freiwilligen Leistungen fallen aber auch Unterstützungen für Vereine, Kultur, Tourismus oder Sportevents. Quasi all das, was die Lebensqualität einer Kommune steigert. In einem seiner Wahlvideos ließ Senger nach einem Besuch des Wormser Rathauses durchblicken, dass er als eine seiner ersten Amtshandlungen als OB das Ersetzen der Regenbogenflagge durch eine DeutschlandFahne anordnen würde. Ob das aber wirklich das dringendste Problem in Worms ist? Im Übri
gen hat die Wormser AfD keinen „Gewinnertypen“ aufgegabelt, denn der bisherige politische Weg von Frank Senger war hauptsächlich von Niederlagen gesäumt. Im Mai
2025 erhielt Senger als Gegenkandidat der AfD bei der Wahl des Mainzer Finanzdezernenten in der Stadtratssitzung lediglich 4 von 52 Stimmen. Im März 2026 trat er bei der rheinlandpfälzischen Landtagswahl als Direktkandidat im Wahlkreis 27 (Mainz I) sowie auf Listenplatz 16 der Afd-Landesliste an und verfehlte das Direktmandat mit rund 5,5 % der Stimmen deutlich. Obwohl die AfD über 24 Sitze verfügt, verpasste er auch über seinen Listenplatz (16) den Einzug in den Landtag. Nun sucht Senger sein politisches Glück in Worms und könnte sich nach einem Sieg bei der OB-Wahl sogar einen Umzug in die Nibelungenstadt vorstellen.
WO! Wahlprognose: Externe Kandidaten hatten in der Vergangenheit selten Glück bei Wormser OB-Wahlen. Man sollte die Gegebenheiten der Stadt, in der man nicht nur kandidiert, sondern bestenfalls auch lebt, bereits kennen und wissen, auf was man sich einlässt. Aufgrund des vorhandenen Afd-Wählerpotentials in Worms sollte Senger aber für knapp 20 % gut sein. Für das Erreichen der Stichwahl wird das nicht reichen, da Timo Horst und Stephanie Lohr starke Gegenkandidaten sind.
Der Kandidat der Wormser FDP: Ali Kesler
Allenfalls Außenseiterchancen dürfte der Kandidat der Wormser FDP, ALI KESLER, besitzen. Kesler ist als Spieler (u.a. Wormatia Worms), später auch als Trainer (Wormatia, TUS Neuhausen, SV Horchheim) und nicht zuletzt durch die Gründung des Fußballvereins FC Azadi Worms e.V. kein Unbekannter in der regionalen Sportwelt. Kesler tritt an, damit Worms wieder „sicherer, sauberer, erreichbarer und bürgernäher wird“ und stellt seinen Wahlkampf unter das Motto: „Damit Worms wieder lächelt.“ Der Unternehmer im Bereich Bau und Projektmanagement will vor allem die Wirtschaft stärker in den Mittelpunkt rücken und mit seinen Erfahrungen die Abläufe der städtischen Verwaltung künftig besser organisieren. Gegenüber dem Nibelungenkurier erklärte er: „Arbeitsplätze, Ausbildung, Innenstadt, Gastronomie, Handel, Handwerk und kommunale Einnahmen hängen direkt damit zusammen. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass Worms ein Standort wird, an dem Leistung, Ideen und Investitionen nicht ausgebremst, sondern unterstützt werden.“ Dazu gehörten, laut Kesler, „schnellere Genehmigungen, ein engerer Austausch mit Mittelstand, Handwerk, Handel und Gastronomie, ein aktiver Umgang mit Leerstand, bessere Rahmenbedingungen für Gründer sowie eine Innenstadt, die sicher, sauber und erreichbar ist.“ Beim Wahlkampfforum der Firma TST am 14.08. konnte Kesler bei seinem allerersten öffentlichen Auftritt als OB-Kandidat argumentativ nicht ganz überzeugen, sodass vor allem in Erinnerung blieb, dass er sich in den ersten 100 Tagen im Amt erstmal einen Überblick über die bestehenden Probleme verschaffen möchte, um diese möglichst schnell zu lösen.
WO! Wahlprognose: Im Gegensatz zu Senger ist Kesler durch sein sportliches Engagement nicht gänzlich unbekannt in Worms, aber für den Großteil der Wähler ist er in den letzten Jahren öffentlich zu wenig in Erscheinung getreten. Rückenwind durch eine strauchelnde BundesFDP ist ebenfalls nicht zu erwarten. Von daher wären 5 % für Ali Kesler bereits als Erfolg zu werten.
Eine Wahlempfehlung der Grünen
Bei der letzten Stadtratswahl im Jahr 2024 erreichten die Wormser Grünen zwar 8 %, aber erklärten frühzeitig, dass man für die OB-Wahl auf eine eigene Kandidatur verzichtet und stattdessen einen der bestehenden Kandidaten unterstützen würde. Am 11.08. war es nun soweit und die Grünen veröffentlichten unter dem Motto „Worms zusammen voranbringen“ eine Pressemeldung, dass man die Kandidatur von Timo Horst unterstützen werde, da man mit dem SPdKandidaten inhaltlich die größten Schnittmengen besäße: „Politik funktioniert dann gut, wenn man über Parteigrenzen hinweg zusammenarbeitet und gemeinsam nach Lösungen sucht. Genau diese vertrauensvolle Zusammenarbeit hat in den vergangenen Jahren mit Timo Horst gut funktioniert…()…Gleichzeitig hat Timo Horst in den vergangenen Jahren gezeigt, dass aus politischen Zielen auch konkrete Verbesserungen werden können – etwa bei Kitas, Schulen, ÖPNV, Sportvereinen und Ehrenamt. Wir sind nicht in jeder Frage einer Meinung. Das müssen wir auch nicht sein. Entscheidend ist, dass wir bei den großen Weichenstellungen für Worms gemeinsam in die richtige Richtung gehen. Deshalb unterstützen wir Timo Horst als Oberbürgermeister.“ In den Sozialen Medien sammelten sich unter der Meldung innerhalb kürzester Zeit zahlreiche Kommentatoren – überwiegend aus dem rechten Lager – die daraus schlussfolgerten, dass nun auch Timo Horst nicht mehr wählbar sei. Was jedoch die meisten Kritiker verkannten: Man hat keine gemeinsame Koalition angekündigt, sondern die Grünen haben lediglich ihren eigenen Wählern „empfohlen“, Timo Horst zu wählen. Und wenn sich diese mehrheitlich an die Empfehlung halten, könnten die 8 % GrünenWähler bei einem engen Rennen durchaus den Ausschlag geben.
Wie entscheiden sich die Wähler von „Worms will weiter“?
Ebenfalls keine unbedeutende Partei ist „Worms will weiter“, die bei der letzten Stadtratswahl mit 14,6 % viertstärkste Kraft in Worms war. Auch WWW hat angekündigt, keinen eigenen Kandidaten in die OB-Wahl zu schicken. Der „logischste“ Kandidat in den eigenen Reihen wäre Peter Englert gewesen, der seit knapp einem Jahr als Ehrenamtlicher Dezernent im Stadtvorstand sitzt. Englert hat aber aus familiären Gründen auf eine Kandidatur verzichtet. Und ehrlicherweise muss man sagen, dass der Überraschungskandidat der OB-Wahl 2018, als der seinerzeit noch parteilose Englert mit 20,5 % sogar Amtsinhaber Michael Kissel (21,9 %) nahe auf die Pelle gerückt war, diesmal mit Lohr und Horst zwei junge agile Gegenkandidaten hätte, die selbst schon viel länger als Dezernenten tätig sind. Wenn auch Englert genügend politische Erfahrung im Amt gesammelt hat, kann er schließlich in acht Jahren einen ernsthaften Versuch wagen. Da „Worms will weiter“ seit der letzten Stadtratswahl mit der SPD und der CDU zusammenarbeitet, hat die Partei – im Gegensatz zu den Grünen – auf eine Wahlempfehlung für die OB-Wahl verzichtet. Spannend wird deshalb, für welchen Kandidaten sich die knapp 15 % WWW-Wähler entscheiden werden.
Kommentar: Frank Fischer










