Ach, wenn doch Worte seine Sprache wären!

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Jazz und Joy Sonderkonzert mit Tim Bendzko & Band

15. August 2014
Markplatz:

Trotz eines unfreundlich herabblickenden Himmels schaffte es Deutschlands Pop Überflieger Tim Bendzko, 2000 Zuschauer auf dem Markplatz zu versammeln, um mit ihm gemeinsam dem Wetter zu trotzen.

Es war nicht gerade eine Welle der Begeisterung, die Wormser Musikfans erfasste, als der Star des diesjährigen Sonderkonzerts von Jazz und Joy bekanntgegeben wurde. Mit TIM BENDZKO hatte man zwar einen veritablen Star vorzuweisen, aber keinen mit der Strahlkraft eines Xavier Naidoo. Es war dann auch nicht überraschend, dass der Vorverkauf nicht die Dynamik des Naidoo Konzertes erreichte. Nichtsdestotrotz und konkurrierend mit einem mehr als miesen Wetter fanden sich rund 2000 Zuschauer auf dem Marktplatz ein, um einem der derzeit erfolgreichsten deutschen Sänger zu lauschen. Noch kurz bevor das Konzert begann, war ein Ausharren ohne Schirm oder Regenjacke auf dem Marktplatz undenkbar. Als hätte Petrus mit den Wormsern Mitleid, verschloss der Himmel pünktlich zu Konzertbeginn seine Pforten. Mit den Worten: „Unfassbar, dass ihr trotz des Regens gekommen seid. Wir wollen den Regen jetzt gemeinsam wegsingen“, kommentierte ein sichtlich gut gelaunter Bendzko die Wetterkapriolen dieses Sommerabends. In den folgenden zwei Stunden gab sich der Berliner auch allerhand Mühe, sein Publikum bestens zu unterhalten, animierte zum Mitschunkeln oder Mitsingen, sprang über die Bühne und verbreitete grenzenlosen Optimismus. Bendzko ist schon ein Phänomen. Gerademal drei Jahre ist es her, dass der kurzzeitige Theologie Student seine erste Platte („Wenn Worte meine Sprache wären“) veröffentlichte, die sich zu einem ordentlichen Erfolg entwickelte. Auch sein letztes Album „Am seidenen Faden“ enttäuschte kommerziell nicht und festigte seinen Ruf als derzeit erfolgreichster deutscher Mainstream Popper. Wie kein anderer verkörpert er zurzeit den Inbegriff des netten deutschen Durchschnittsbürgers. Mit simpler Tagebuchprosa, die so gerne nach Xavier Naidoo klingen würde, singt er zudem aus der deutschen empfindsamen Seele. Beispiel gefälligst? „Es ist die Zeit, die Zeit, wohin die Zeit uns treibt, dass von unsrer Zeit nicht viel übrig bleibt, denn von Ewigkeit zu Ewigkeit, führt zu wenig Zeit zu Einsamkeit“, sang er auch an diesem Abend in das Wormser Auditorium hinein. Wahrscheinlich dürfte das zahlreiche jugendliche Publikum auf dem Marktplatz eher Zugang zu den Erkenntnissen eines Tim Bendzko gefunden haben. Wie ein roter Faden sang er immer wieder von einem Unverstandensein, ohne dabei jemals auf den Punkt zu kommen. Dass seine Musik letztlich nicht zum modernen Schlagerpop verkam, verdankte er seiner Band, die der kitschigen Lyrik immer wieder ein üppiges Soundgewand verpasste. Natürlich nicht zu üppig, denn schließlich soll es ja ein Konzert für die ganze Familie sein. Am Ende dieses Abends obsiegte die Erkenntnis, dass Bendzko mit seiner Musik die Welt ein bisschen plüschiger machen kann, aber retten lässt sie sich damit nicht.

FAZIT: Unterhaltsames Konzert ohne jeglichen Tiefgang, das lediglich die Mission hatte, generationsübergreifende Unterhaltung zu bieten. Frei nach dem Motto „aus den Ohren, aus dem Sinn“, hatte Bendzkos Konzert keine besonders lange Verweildauer im Gehörgang.