Die Katastrophe an der Ahr und die Starkregensituation in Worms

Es waren Bilder, die man eigentlich aus anderen Teilen der Welt oder als bildgewaltige Action Tableaus aus großen Hollywoodfilmen kennt. Straßen wurden weggespült, während Autos wie Spielzeug einfach umhertrieben, Häuser wurden weggerissen oder verschwanden in Erdlöchern, die alleine durch die gewaltige Kraft der Natur entstanden. Geschehen ist das alles nicht einmal 200 Kilometer westlich von Worms, im Ahrtal, und in den etwas weiter entfernten Regionen in Nordrhein-Westfalen am 14. und 15. Juli 2021.

Chronologie einer Katastrophe
Nach tagelangem Dauerregen, unterbrochen von Starkregenereignissen, begann der Pegel der Ahr unaufhaltsam zu steigen. Zeitweise registrierte man Regenmassen von 200 Liter pro Stunde. Wie bedrohlich der idyllische Fluss anschwellen sollte, zeigte sich allerdings erst im Laufe des Mittwochabends. Als kurz nach 18.00 Uhr die Flutwelle die historische Marke von 3,21 Meter am Pegel in Altenahr überschritt, ahnte vor Ort offenbar kaum jemand, dass der Pegel in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli alle Rekorde brechen würde. Schon eine Stunde später stand der Pegel bei über 5 Metern. Alle Verantwortlichen gingen bis zu diesem Zeitpunkt davon aus, dass der Pegel maximal 4,20 Meter steigen würde. Dann überspülten die Sturzfluten das Messgerät. Erst nach 23 Uhr wurde im Landkreis der Katastrophenalarm ausgerufen. Die Hochwasserzentrale schätzt, dass die beschauliche Ahr auf über 7 Meter angeschwollen war. Mehr als das Doppelte des historischen Höchststandes vor fünf Jahren. 56.000 Menschen leben in der überfluteten Region. 132 Menschen starben. Die meisten von ihnen, weil sie versuchten, im Keller die Stromversorgung zu kappen oder Dinge zu retten. Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) geht davon aus, dass 42.000 Menschen direkt von der Flut betroffenen sind. Davon haben mindestens 17.000 unmittelbar Hab und Gut verloren oder stehen vor erheblichen Schäden, so die Schätzung auf Basis der Satellitenauswertung. Im Anschluss wurde schnell Kritik geäußert, dass die Institutionen – wie Katastrophenschutz als auch die Politik – zu spät den Ernst der Situation erkannt hätten. So hatte unter anderem bereits am Montag zuvor der Deutsche Wetterdienst für diese Region vor einer Wetterlage mit hohem Unwetterpotential gewarnt. Der rheinland-pfälzische Innenminister erklärte unlängst in Gesprächen mit verschiedenen Nachrichtenseiten, dass der Katastrophenschutz grundlegend überprüft werden müsse. Dies reiche von Warn- und Alarmierungssystemen bis hin zur technischen Ausstattung mit sicheren Funksystemen etwa für den Fall, dass – wie an der Ahr geschehen – Erdkabel von Fluten weggerissen wurden. Außerdem soll es möglichst ein länderübergreifendes Katastrophenschutzzentrum unter permanenter Beteiligung der Länder geben. Für die betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner stehen wiederum die sofortigen Hilfen im Vordergrund und davon gab und gibt es reichlich. Auch aus Worms.

Worms hilft
Zunächst organisierten sich vor allem über die Sozialen Medien zahlreiche Wormserinnen und Wormser, um Materialspenden zu sammeln. In kurzer Zeit kam so viel zusammen, dass die Verteillager schnell mit der Umverteilung überfordert waren oder schlicht und ergreifend kein neues Material mehr benötigt wurde. Stattdessen wurde zu Geldspenden aufgerufen, aber auch hier ließen sich die Bürgerinnen und Bürger der Nibelungenstadt nicht lumpen. Eine der erfolgreichsten Aktionen initiierte der bekannte Unternehmer Michael Dieterich, Geschäftsführer des Getränkehandels Gegros. Alles begann mit der Gegros Treuewoche und der Verlosung eines Kühlschranks. Daraus wurde schließlich eine Versteigerung zu Gunsten der Hochwasser Hilfe. Unabhängig von der Versteigerung begannen schließlich zahlreiche Bürger über Michael Dieterich zu spenden. Mancher Betrag wurde ihm in bar in die Hand gedrückt, während der überwiegende Teil direkt überwiesen wurde. Zwecks Transparenz veröffentlichte der Geschäftsmann alle Einzahlungen und Überweisungen unter strikter Einhaltung des Datenschutzes. Insgesamt konnten durch diese Aktion rund 20.000 Euro eingesammelt werden. Zudem unterstützte der Getränkehändler das aus Worms ins Katastrophengebiet gereiste THW sowie die Wormser Feuerwehr mit kostenlosen Getränken. Auch die Stadt Worms rief zum Spenden auf. Am 26. Juli teilte die Stadt mit, dass bisher 123.000 Euro eingingen. Neben diesen Aktionen gab es noch viele weitere, wie z.B. einen Pastrami Burger Verkauf der Metzgerei David, die ebenfalls alle Einnahmen an die Hochwasser Hilfe überwies. Hilfe kam aus der Nibelungenstadt jedoch nicht nur monetär, sondern auch in Form des THW der Feuerwehr und der städtischen Entsorgungsbetriebe (Ebwo). Mit 113 Kräften von den Freiwilligen Feuerwehren und 12 Kräften der Berufsfeuerwehr Worms engagiert sich diese in Heimersheim/Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler und im Ahrtal. Hilfe leistete natürlich auch das Technische Hilfswerk Rheinland-Pfalz, deren Präsident derzeit der Bundestagsabgeordnete Jan Metzler ist. Insgesamt unterstützte man mit 1.000 Helfern, 18 kamen davon aus Worms. Um die unvorstellbaren Mengen an Abfall, Treibgut und sonstigem Müll zu beseitigen, machten sich auch Mitarbeiter der städtischen Ebwo AöR auf den Weg in das Katastrophengebiet. Dort half man mit einem Sperrmüllpressfahrzeug. Zusätzlich schickte man auch Ende Juli ein Kanalspülfahrzeug nebst Personal dorthin.

Starkregen in Worms Ende Juni
Welche Wassermassen Mitte Juli in der westlich gelegenen Region von Rheinland-Pfalz auf die Menschen herunterprasselten, davon konnte man sich in Worms einen kleinen, aber wirklich nur einen kleinen Eindruck am 29. Juni verschaffen. An diesem Tag öffnete der Himmel mittags für rund eine Stunde seine Schleusen. Während in Ahrweiler rund 200 Liter in der Stunde fielen, wurde in Worms in Herrnsheim der Spitzenwert gemessen. Der lag bei 44 Liter in einer halben Stunde. Die Folgen waren dennoch gravierend und gaben einen kleinen Eindruck davon, mit welch einer nachdrücklichen Gewalt die Natur uns zu wehrlosen Opfern machen kann. Neben zahlreichen Kellern die vollliefen, waren es vor allem die Bingerstraße in Hochheim und das Neuhauser Tunnel, die binnen weniger Minuten überflutet wurden, da die Kanalisation die Wassermassen nicht mehr aufnehmen konnte. Verschärft wurde die Situation für die Anwohnerinnen und Anwohner durch rücksichtslose Autofahrer. Statt die Straße zu umfahren, frästen sie mit ihren PKW durch die überflutete Bingerstraße und drückten so zusätzlich das Wasser in die Gebäude. 198 Mal musste die Feuerwehr ausrücken. In den meisten Fällen, um Keller auszupumpen. Zu Schaden kam glücklicherweise niemand. Dass das Wasser zudem schnell wieder abfließen konnte, war den Maßnahmen der vergangenen Jahre geschuldet. Da die Bingerstraße immer wieder überflutet wurde, legte man sogenannte Stauraumkanäle an. Diese findet man zwischenzeitlich auch in der Bebel- und der Güterhallenstraße. Aber auch das hilft nur nachträglich, angesichts solcher Wassermassen, wie sie am 29. Juli auf Worms fielen.

Hochwasser- und Starkregenvorsorge der Stadt Worms
Da die Stadt Worms sich der Gefährdungslage schon lange bewusst ist, hat man demensprechend gemeinsam mit betroffenen Bürgerinnen und Bürger das Starkregenkonzept „Wassersensibles Worms“ erarbeitet. Bereits seit einigen Jahren registriert die Stadt eine Zunahme von Starkregenereignissen, insbesondere in den Sommermonaten. Grafiken auf der Homepage der Stadt belegen diese ungünstige Entwicklung seit 1981. Die Nähe zum Rhein, eine Zunahme von versiegelten Flächen, sowie ausgedörrte Böden, die kein Wasser mehr aufnehmen, machen unsere Region, in Verbindung mit der ungünstigen Klimaentwicklung, zunehmend anfällig für Hochwasserkatastrophen. Doch nicht nur der Starkregen unmittelbar in Worms, sondern auch Regenfälle in südlicheren Regionen lassen den Rhein anschwellen. Um einem Rheinhochwasser entgegenzutreten und eine Überflutung von besiedelten Gebieten zu vermeiden, hat man in den letzten Jahren insbesondere im Süden des Stadtgebiets mehrere Auffangbecken, geschützt durch die Erhöhung von Deichen, geschaffen. Selbiges gilt auch für die beiden Bäche Pfrimm und Eisbach. Sich des Klimawandels bewusst, wurden zudem Klimaanpassungsstrategien entwickelt. Um sich gegen Überflutung von Wohnhäusern zu wappnen, empfiehlt die Stadt Hauseigentümern das Einbauen von Rückschlagventilen. Letztlich ist Worms mit einem blauen Auge davon gekommen, das gilt auch für das Rheinhochwasser Mitte Juli. Dieser näherte sich dem Übertritt bis auf wenige Zentimeter, ehe der Pegel wieder sank. Dennoch, in Zukunft kann man davon ausgehen, dass es weitere intensive Zwischenfälle geben wird. Laut der Klimaprognose des Deutschen Wetterdienstes gehört Rheinhessen zu den gefährdetsten Regionen Deutschlands. Dort rechnet man mit einer deutlichen Zunahme der Klimaextreme. Das heißt, es ist noch viel zu tun, um eine größere Katastrophe zu vermeiden.


Das Sonderkonto „Katastrophenhilfe Hochwasser“ hat die Verwaltung bei der Sparkasse Worms-Alzey-Ried eingerichtet, auf das Spenden eingezahlt werden können:

Empfänger: Stadt Worms
IBAN: DE58 5535 0010 0022 2420 60
BIC: MALADE51WOR