Detroit

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Filmkritik von Dennis Dirigo:

Detroit

USA 2017

Regie: Kathryn Bigelow

Darsteller: John Boyega, Will Poulter, Algee Smith, Jacob Latimore

Laufzeit: 138 min

FSK ab 12 Jahren

Bewertung: sehenswert (*****)

Im Juli 1967 wurde die Industriemetropole Detroit für fünf Tage zum Besatzungsgebiet durch die US Armee. Am Ende der knappen Woche zählte die Stadt 43 Tode, 1189 Verletzte, zahllose zerstörte Häuser und 7000 verhaftete Bürger. Ein hierzulande undenkbares Szenario, während im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, sich die Möglichkeiten für Minderheiten oftmals in fest abgesteckten Grenzen bewegen. Den Unruhen voraus ging eine Feier in einer Bar zu Ehren von Vietnam-Heimkehrern. Dummerweise hatte diese Bar keine Ausschankgenehmigung und die Besitzer eine schwarze Hautfarbe, sodass es zu einer Razzia kam, die mit einer unverhältnismäßigen Härte durchgeführt wurde. Bald darauf rollten Panzer durch die Stadt.

Kathryn Bigelow ist als Regisseurin bekannt dafür, mit dem Brennglas auf ihr Heimatland zu schauen. Im Unterschied zur nüchternen Erzählweise der beiden Vorgängerfilme „The Hurt Locker“ und „Zero Dark Thirty“ rückt sie allerdings dieses Mal deutlich stärker in das emotionale Zentrum der Geschichte vor. Indem sie im letzten Drittel des Films die Geschichte von der Straße in die Enge eines Hauses verlegt, wo die Schutz suchenden mit einem rassistischen jungen Polizisten konfrontiert werden. Bigelow gibt damit den historischen Ereignissen eine Gesicht. Das Terrorszenario ist unbequem und nähert sich oft dem sogenannten Home-Invasion-Kino. Aufgrund der Prämisse, dass sich die Dinge so zugetragen haben, schnürt einem das immer wieder die Kehle zu und sorgt für eine unbequeme Intensität. Getragen von einer innerlichen Anspannung, einer kinetischen Mittendrin-Inszenierung und  einer berstenden Atmosphäre, möchte man zwar das Auge immer wieder vom Geschehen abwenden, doch Bigelow gelingt es, in diesem mehr als zwei Stunden dauernden Film, dass man fassungslos, aber gebannt dem Geschehen folgt. Das erschütterndste ist allerding die Erkenntnis, dass die realen Ereignisse bereits 52 Jahre zurückliegen, aber die Welt sich gar nicht so sehr verändert hat.

Fazit: „Detroit“ tut weh und ist unbequem. Es ist nicht nur ein Film über ein geschichtliches Ereignis, sondern vielmehr über die Grausamkeit von Menschen. Präzise inszeniert und toll gespielt.

Der Film läuft am 20. März 2019 um 18 Uhr in der Kinowelt Worms