Ein Abstieg mit Ansage

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Acht Fragen und Antworten zum Abstieg der Wormatia

Wormatia Worms steigt nach elf Jahren Regionalliga in die Oberliga ab. Es war ein Abstieg, der sich lange angekündigt hatte, der aber die Vereinsführung dann doch überraschend traf. Die Verantwortlichen der Wormatia müssen sich deshalb die Frage stellen lassen, ob man wirklich alles unternommen hat, um den Klassenerhalt zu schaffen.

Als Steven Jones in seiner Doppelfunktion als sportlicher Leiter und Trainer von Wormatia Worms vor der Saison den nahezu komplett erneuerten Kader Stück für Stück zusammenstellte, da waren die meisten im Umfeld sicher, dass man mit diesen Spielern nicht um den Klassenerhalt spielen müsse. Tatsächlich erwischte das neue Team einen Traumstart in die Saison mit zwei überraschenden Siegen gegen den FC Homburg und in Elversberg. Nach elf Spieltagen stand Wormatia Worms mit 16 Punkten auf Platz acht, das war der zweitbeste Saisonstart in elf Jahren Regionalliga. An diesem 11. Spieltag verletzte sich Kapitän Cedric Mimbala beim höchsten Saisonsieg gegen Eintracht Stadtallendorf (4:0) und sollte nie wieder auf den Rasen der EWR-Arena zurückkehren. Zunächst wegen seiner Verletzung, in der Winterpause kam es dann nach einer internen Verfehlung zur Trennung zwischen Verein und Mimbala. Fakt ist: Nach dem besagten 11. Spieltag ging es für Wormatia Worms steil bergab, in den folgenden 23 Saisonspielen sollten nur noch jämmerliche drei Siege (jeweils 2:1-Heimsiege) folgen. In den restlichen neun Spielen bis zur Winterpause kassierte der VfR alleine sieben Niederlagen. Das reichte, um als Dreizehnter auf einem sicheren Nichtabstiegsplatz in die Spielpause zu schlittern, allerdings mit der Konkurrenz dicht im Nacken sitzen. Die Hoffnungen ruhten auf der Winterpause, in der Trainer Jones drei neue Spieler verpflichtete und das Team auf den Abstiegskampf einschwören sollte. Tatsächlich wurde es nach der Winterpause kontinuierlich immer schlechter und die Wormatia holte nur noch 11 Punkte aus 14 Spielen. Die katastrophale Auswärtsbilanz (5 Punkte aus 17 Spielen) spricht hierbei ebenso Bände wie das schwache Torverhältnis (34:58). Die 34 erzielten Tore sind die geringste Ausbeute seit 25 Jahren. Die 19 Saisonniederlagen und die desolate Auswärtsbilanz werden nur von der letzten Zweitligasaison 1981/82 übertroffen. So reichte es am Ende nur für Platz 16 mit 30 Punkten für Wormatia Worms. Da der VfR Aalen zwar aus der Dritten Liga abstieg, aber die SG Sonnenhof-Großaspach auf den letzten Drücker noch den Klassenerhalt schaffte, blieb es bei vier Absteigern in der Regionalliga Südwest. Somit hätte diesmal sogar Platz 14 gereicht, den der FSV Mainz 05 II (33 Pkt.) belegte. Auch Wormatia Worms ist also nicht unabsteigbar und wird in der nächsten Saison definitiv in der Oberliga Rheinland-Pfalz-Saar spielen. Statt Kickers Offenbach, 1. FC Saarbrücken oder FSV Frankfurt, heißen die Gegner zukünftig SC Hertha Wiesbach, FC Karbach oder FV 07 Diefflen. Mit letztendlich sportlich erzielten 31 Punkten (1 Punkt wurde w/Ausschreitungen gegen Pirmasens abgezogen) aus 34 Spielen hat man es nicht verdient, in der Regionalliga zu bleiben. Dazu hatte die Wormatia das Glück in den elf Jahren zuvor ein wenig zu oft strapaziert. Ohne Zweifel, der Abstieg ist verdient. Eine von vielen offenen Fragen zum Abstieg der Wormatia lautet eher:

War der Abstieg vermeidbar?
JA, noch nie zuvor war ein Abstieg so unnötig. Selbst am vorletzten Spieltag hätte die Wormatia das Ruder noch rumreißen können. Vermeidbar war der Abstieg insofern, weil alle Warnschüsse im Laufe der Saison ungehört verhallten. Als die Mannschaft in den letzten neun Spielen vor der Winterpause nahezu komplett einbrach, wertete man das intern noch als „Betriebsunfall“. Zu sehr war man bis dahin von der Qualität des Kaders und den Motivationskünsten des Trainers überzeugt. Dass der VfR nicht bereits zur Winterpause auf einen Abstiegsplatz gerutscht war, war einzig und allein dem Umstand geschuldet, dass fünf Teams noch schwächer waren. Das sollte sich auch nach der Winterpause zunächst nicht ändern. Da auch die anderen Teams in der Abstiegszone nicht so recht aus den Federn kamen, bekam der VfR Woche für Woche auf dem silbernen Tablett neue Gelegenheiten serviert, sich aus der Abstiegszone zu entfernen, aber alle richtungsweisenden Spiele hat die Mannschaft aufs Neue vergeigt. Wo man die vier Punkte, die im Endeffekt fehlten, verschenkt hat, kann man sich aussuchen. Der Punktabzug, weil ein Zuschauer FKP-Trainer Peter Tretter tätlich attackiert hatte, der späte Ausgleich in der Nachspielzeit bei Hessen-Dreieich, die Last-Minute-Niederlage in Stadtallendorf oder der verschossene Elfmeter von Sascha Korb in Pirmasens.

Hätte der Vorstand in der Trainerfrage handeln müssen?
JA – Rückblickend gesehen hat sich die Nibelungentreue gegenüber Steven Jones nicht ausgezahlt. Selbst nachdem der Start nach der Winterpause missglückte, betonte der scheidende Vorstandschef Tim Brauer immer wieder: „Steven Jones kann sich nur selbst entlassen.“ Wie der Vorstand auch heute noch versichert, habe man zu keiner Phase der Saison Gespräche mit anderen Trainern geführt, weil man fest davon überzeugt war, dass Jones das Ruder noch rumreißen würde. Der Erfolg gab dem Vorstand diesmal aber nicht recht. Nach dem 11. Spieltag ging es steil bergab (Rest: 3 Siege, 6 Remis, 14 Niederlagen) und Steven Jones konnte diese Talfahrt nicht mehr aufhalten.

Wann hätte der Vorstand in der Trainerfrage handeln können?
Mit dem Wissen von heute kann man vier Zeitpunkte ausmachen, zu denen ein Trainerwechsel noch den nötigen Umschwung hätte bewirken können. Nachdem die Wormatia mit sieben Niederlagen in den letzten neun Spielen vor der Winterpause bedenklich nahe Richtung Abstiegsplätze gerutscht war, hätte der Vorstand Mitte Dezember erstmals handeln können. Ein neuer Trainer hätte in der Spielpause zwei Monate Zeit gehabt, den Kader kennenzulernen und neue Verpflichtungen zu tätigen. Dass der Verein weiterhin seinem langjährigen Trainer Jones vertraute, ehrt die Verantwortlichen in einer schnelllebigen Zeit, in der ein Trainer allzu häufig als schwächstes Glied in der Kette ausgemacht wird. Aber bereits nach dem fünft en Spiel nach der Winterpause hätte der Verein zum zweiten Mal die Möglichkeit gehabt, in der Trainerfrage zu handeln, als Wormatia Worms gegen den FSV Frankfurt zuhause mit 1:2 unterlag. Zum dritten Mal innerhalb einer Woche hatte der VfR gegen allesamt „schlagbare“ Gegner eine frühe Führung noch vergeigt. Bei gerade einmal fünf erzielten Punkten aus den ersten fünf Spielen war bereits hier erkennbar, dass der Wormatia die Siegermentalität abhanden gekommen war. Statt sich in den vermeintlich leichteren Spielen etwas Luft im Abstiegskampf zu verschaffen, trat man buchstäblich auf der Stelle. Dabei sollte der Tiefpunkt der Saison drei Spieltage später erst noch folgen. Nach zwei überraschenden Punktgewinnen beim SC Freiburg II und gegen den 1. FC Saarbrücken folgte am 28. Spieltag eine ernüchternde 1:2-Auswärtsniederlage beim Tabellenletzten Eintracht Stadtallendorf. Tatsächlich kam erst jetzt zum ersten Mal intern Bewegung in die Sache, da Steven Jones nach der Niederlage seinen Rücktritt anbot. Der Vorstand lehnte ab, auch weil man den dramatischen Spielverlauf (Wormatia hatte bis zur 89. Min. mit 1:0 geführt) nicht dem Trainer in die Schuhe schieben wollte. Kurz später gab Jones bekannt, dass er von seinen beiden Ämtern als Trainer und als sportlicher Leiter zurücktreten werde – allerdings erst zum Ende der Saison. Während Jones‘ Rücktritt auf Raten bei den Fans einen bitteren Nachgeschmack hinterließ, schien es die Mannschaft kurzzeitig zu beflügeln, die beim 2:1-Heimsieg gegen den TSV Steinbach-Haiger die beste Leistung nach der Winterpause zeigte. Es sollte nur ein kurzes Strohfeuer bleiben, denn nach der erwarteten Niederlage bei Meister Waldhof Mannheim (0:1), verpasste man im Heimspiel gegen die TSG Balingen (2:2) nach einer schwachen Leistung erneut den nächsten „absoluten Pflichtsieg“. Da zudem die Konkurrenz im Abstiegskampf allesamt gepunktet hatte, spitzte sich die Tabellensituation drei Spieltage vor Schluss dramatisch zu. In der Dritten Liga hat die auf den drittletzten Platz abgerutschte SG Sonnenhof-Großaspach zwei Spieltage vor Schluss den Trainer gewechselt und anschließend mit zwei beindruckenden Siegen noch den Klassenerhalt geschafft. Ein neuer Trainer, ein Motivator, der es schafft, die Mannschaft auf die letzten drei großen Endspiele in der Liga und das Pokalfinale gegen den FCK einzuschwören, hätte selbst in dieser finalen Phase der Saison auch bei der Wormatia noch etwas bewirken können. Wormatia hätte in den letzten drei Spielen nur vier Punkte holen müssen, um an der Mainzer U23 vorbei zu ziehen. Aber erneut bewies der Verein Nibelungentreue gegenüber dem eigenen Trainer und musste mit ansehen, wie dessen Mannschaft in den letzten drei Saisonspielen völlig auseinanderbrach und noch drei Niederlagen (2:8 Tore) kassierte.

War Trainer Steven Jones schuld am Abstieg?
Steven Jones stand knapp dreieinhalb Jahre bei der Wormatia an der Seitenlinie und es war wie so oft in einer langjährigen Beziehung. Nach der anfänglichen Euphorie zogen schon bald erste Gewitterwolken auf, die noch erfolgreich vertrieben werden konnten, aber das letzte Jahr hätte man sich komplett schenken können. Womöglich haben Verein und Trainer schlichtweg den richtigen Zeitpunkt für eine Trennung verpasst. Auch das kennt man von langjährigen Beziehungen zur Genüge. Dabei war saisonübergreifend seit eineinhalb Jahren der Wurm drin – zwar mit komplett unterschiedlichen Spielern, aber eben dem gleichen Trainer, der die Schwächen des VfR partout nicht in den Griff bekam. Zum Beispiel die anhaltende Auswärtsschwäche, denn in den letzten 18 Monaten glückten der Wormatia gerade mal zwei Auswärtssiege. Obwohl es in den Heimspielen zumeist ganz ordentlich lief, war die anhaltende Auswärtsschwäche letztendlich zu markant, um die Liga halten zu können. Als weiteres Manko kam, speziell nach der Winterpause, eine schwächelnde Offensive hinzu. Steven Jones war nicht nur maßgeblich für die Kaderzusammenstellung verantwortlich, sondern konnte im Laufe der Saison noch sechs Neuverpflichtungen tätigen, fünf davon waren für die Defensive bestimmt. Zwar kassierte die Wormser Defensive mit 58 Toren zehn weniger als in der Vorsaison. Dafür klemmte es gewaltig in der Offensive, wo man 15 Treffer weniger als im Vorjahr erzielte. Um die Offensivschwäche in den Griff zu bekommen, experimentierte Jones sehr viel nach der Winterpause, allerdings mit überschaubarem Erfolg. Eher hatte man das Gefühl, dass ständig wechselnde Formationen das Einspielen der Mannschaft erschweren. Deswegen war Jones nicht plötzlich ein schlechter Trainer, aber seine Entscheidungen fruchteten einfach nicht mehr. Hinzu kam, dass ausgerechnet Jones, bei dem es als Spieler selten an der Motivation scheiterte, sein Team zuletzt nicht mehr für den Abstiegskampf begeistern konnte. Zahlreiche blutleere Auftritte, vom ratlosen Trainer teilnahmslos an der Linie verfolgt, zeugten davon. Jones wirkte ausgebrannt und zunehmend ratloser. Letztendlich hielten Verein und Trainer zu lange an der Wunschvorstellung fest, dass man es wieder einmal „irgendwie“ schaffen würde, dem Abstieg zu entgehen. Diesmal hatten sie die Rechnung aber ohne ihre Spieler gemacht, die Trainer und Verein in der Endphase der Saison bitter im Stich ließen. Im Übrigen hätte jeder verstanden, wenn Jones sein Traineramt, egal zu welcher Phase der Saison, zur Verfügung gestellt, aber weiterhin als sportlicher Leiter fungiert hätte. Eine Mischung aus Ehrgeiz und Stolz ließen ihn aber weitermachen. Bis zum bitteren Ende.

War der Kader von Wormatia Worms zu schwach für die Regionalliga?
NEIN. „Mit diesem Kader darf man eigentlich nicht absteigen!“ – so lautete das einhellige Urteil vieler im Umfeld. Mit regionalligaerfahrenen Spielern wie Torhüter Chris Keilmann, Cedric Mimbala, Andreas Glockner, Sascha Korb oder den beiden Ex-Mainzern Tevin Ihrig und Malte Moos sollte der Blick eher etwas nach oben gerichtet werden. Steven Jones hatte in seiner Doppelfunktion als Trainer und sportlicher Leiter gute Einzelspieler verpflichtet, die aber nie zu einer funktionierenden Mannschaft zusammen gefunden haben. Zudem war der Kader in der Breite deutlich besser besetzt als im Vorjahr, bei den nachträglich getätigten Neuverpflichtungen hat man den Fokus vielleicht zu sehr auf die Defensive gelegt. Im Sturm schenkte Jones lange Zeit seinem glücklosen Mittelstürmer Dimitrios Ferfelis das Vertrauen, der vor der Winterpause vier Treffer erzielt hatte und bei dem man auf den Durchbruch wartete. Der groß gewachsene Grieche (1,94m) entwickelte sich aber immer mehr zum Rohrkrepierer und steuerte nur noch einen weiteren Treffer bis zum Saisonende bei. Das war deutlich zu wenig im Vergleich zu Thomas Gösweiner (11 Tore in 28 Spielen) im Vorjahr oder dem langjährigen Torjäger Florian Treske (49 Tore in 3 Jahren). Zu allem Überdruss verletzte sich in der entscheidenden Phase der Saison der beste Neuzugang, Leon Volz (3 Tore), dessen Dynamik in der Offensive fortan völlig fehlte. Bester Torschütze bei der Wormatia wurde letztendlich Giuseppe Burgio mit acht Treffern, gefolgt von Jan-Lucas Dorow, der nach der Winterpause überwiegend als Sechser ran musste, aber immerhin sechs Tore erzielte. War es im Vorjahr eine Achse aus den Führungsspielern Auracher – Maas – Pinheiro – Gösweiner, die den Klassenerhalt sicherte, fehlten diesmal die Typen, die im Abstiegskampf die Ärmel hochkrempeln. Während Kapitän und Abwehrchef Mimbala bis zu seiner Verletzung der erhoffte Führungsspieler war und in Jure Colak nach der Winterpause einen würdigen Nachfolger fand, konnte Vize-Kapitän Andreas Glockner die in ihn gesetzten Erwartungen zu keiner Zeit erfüllen. Und Ferfelis war eben der Torjäger, der das Tor nicht traf. Der Mannschaft fehlte es aber nicht nur an Führungsspielern, sondern ebenso an Gewinnertypen. Bezeichnenderweise sind mit Mimbala, Korb (beide zuvor bei Hessen Kassel), Bajric, Glockner und Keilmann (alle zuvor bei TuS Koblenz) gleich fünf Spieler zum zweiten Mal in Folge abgestiegen.

Was bleibt von elf Jahren Regionalliga?
In elf Jahren Regionalliga (erst West, dann Süd, zuletzt Südwest) musste der Verein insgesamt vier sportliche Abstiege verkraften (2009, 2010, 2014, 2019). Während man drei Mal von Lizenzverstößen anderer Vereine profitierte und in der Liga bleiben durfte, muss Wormatia Worms diesmal definitiv runter in die Oberliga Rheinland-Pfalz-Saar. Überhaupt verbrachte man sieben von elf Jahren im Abstiegskampf. Bereits im ersten Jahr unter Aufstiegstrainer Bernhard Trares, der später durch Jürgen Klotz ersetzt wurde, sprang nur ein Abstiegsplatz (16.) heraus. Schicksal spielte der FSV Oggersheim, gegen den man im Verbandspokalfinale in Ludwigshafen mit 5:1 gewann und der anschließend seine Insolvenz bekannt gab. Kurz danach wechselte der Trainer des FSV Oggersheim, Sascha Koch, zusammen mit einem Dutzend Spielern nach Worms. Das Experiment scheiterte, wieder übernahm Klotz, konnte aber einen erneuten Abstiegsplatz (17.) nicht verhindern. Diesmal profitierte die Wormatia von Lizenzverstößen von gleich drei Vereinen (Bonner SC, Rot-Weiß Essen und Waldhof Mannheim). Auch im dritten Jahr steuerte man, jetzt unter Cheftrainer Jürgen Klotz, geradewegs auf den nächsten Abstieg zu. Als der VfR nach neun Spieltagen mit drei Punkten abgeschlagen auf dem letzten Platz lag, übernahm im Oktober 2011 der ehemalige Nationalstürmer Ronny Borchers und läutete die erfolgreichste Zeit des Vereins ein. Borchers hauchte der tot geglaubten Mannschaft neues Leben ein und führte die Wormatia noch auf einen sicheren zwölften Platz. Die folgende Saison 2011/2012 wurde die erfolgreichste in elf Jahren Regionalliga. Neben einem starken vierten Platz in der Liga, glückte der erneute Verbandspokalsieg mit einem 4:1 in Idar-Oberstein gegen den FK Pirmasens. Die darauf folgenden DFB-Pokalschlachten gegen Hertha BSC Berlin (2:1) und den 1. FC Köln (3:4 nach Elfmeterschießen) haben sich den Wormatia-Fans tief ins Herz gebrannt. Genauso wie die Entlassung des bei den Fans unantastbaren Ronny Borchers im Dezember 2012, nachdem die Wormatia zur Winterpause auf den zwölften Platz zurückgefallen war. Der drittligaerfahrene Stefan Emmerling übernahm, aber mehr als Platz 12 sprang auch am Ende der Saison nicht heraus. In der kommenden Saison erfolgte mit einem hochkarätig verstärkten Team der Absturz unter Emmerling, ehe Offenbachs Meistermacher Hans-Jürgen Boysen übernahm, der nach zehn sieglosen Partien wieder gehen musste. Erst durch den jungen Trainer der zweiten Mannschaft, Sascha Eller, kam im letzten Saisondrittel wieder Hoffnung auf. Zu mehr als Platz 16 reichte es aber auch 2014 nicht. Auch der dritte Abstieg konnte vermieden werden, weil der SSV Ulm Insolvenz anmeldete und Eintracht Frankfurt seine Zweitvertretung abmeldete. Mehr als ein Dutzend Spieler verließen anschließend den VfR, Sascha Eller wurde mit dem Neuaufbau betraut und lockte u.a. Torjäger Florian Treske nach Worms. Am Ende der Saison 2014/2015 stand ein sensationeller fünfter Platz – die zweitbeste Platzierung in elf Jahren Regionalliga. Wegen der Verlegung eines neuen Rasens musste der VfR in der Folgesaison die ersten Heimspiele in Ludwigshafen und Pfeddersheim austragen, weshalb man, ohne echtes Heimspiel, nach zehn Spieltagen bis auf Platz 13 abrutschte. In der Folge trat Sascha Eller zurück und übergab an Steven Jones, der das Team bis zum Ende der Saison noch auf den neunten Platz und in der folgenden Spielzeit auf Platz 6 führte. Danach endete die erfolgreiche „Ära Treske“ mit einer bitteren 1:2-Niederlage im Verbandspokalfinale (2017) gegen Oberligist SV Morlautern. Zusammen mit Treske verließen noch weitere Leistungsträger den Verein und Trainer Jones musste einen Umbruch verkraften, der im letzten Jahr beinahe mit dem Abstieg endete (Platz 13). Dafür glückte diesmal der Verbandspokalsieg gegen Alemannia Waldalgesheim (3:1 n.V.), als Belohnung gab es ein DFB-Pokalspiel gegen Werder Bremen (1:6) vor 8.000 Zuschauern. Der zur neuen Saison eingeleitete Komplettumbruch scheiterte dagegen kläglich, Platz 16 am Saisonende hat den ersten „richtigen“ Abstieg der Wormatia zur Folge. Was bleibt also von elf Jahren Regionalliga? In erster Linie Erinnerungen an schöne, aber auch erfolglose Zeiten. Wer weiß schon, wie lange es dauern wird, bis man wieder Regionalligafußball in Worms sehen kann.

Wie ist das Verhältnis zu den Fans?
Das Verhältnis zwischen Verein und der aktiven Fanszene ist seit einiger Zeit angespannt. Während sich die Fans zu wenig beachtet fühlen, weil die Vereinsführung in den letzten Jahren eher an finanzstarken Geldgebern als an einer gepflegten Fankultur interessiert war, hat der Vorfall im Heimspiel gegen Pirmasens das Standing der Fans nicht unbedingt verbessert. Überhaupt kein Verhältnis bestand dagegen zwischen Fans und den Spielern. Nach einem gemeinsamen Grillfest vor Saisonbeginn ist das Verhältnis merklich abgekühlt. Der Begriff von der „Söldnertruppe“, der es egal ist, den Drachen auf der Brust zu tragen, machte schnell die Runde. Es fehlten Identifikationsfiguren wie früher ein Christian Bolm, Sandro Rösner, Kevin Knoedler, Lucas Oppermann oder Patrick Auracher, die sich nach dem Spiel nicht nur im VIP-Raum, sondern auch mal in der Vereinsgaststätte blicken ließen. Die Folge: So wenig Unterstützung im Abstiegskampf wie diesmal gab es bisher für keine Wormatia Mannschaft. Bei Auswärtsspielen hat man zuletzt nicht einmal mehr einen Fanbus voll bekommen. Wenn man in 14 von 17 Auswärtsspielen auf die Mütze bekommt, resigniert irgendwann auch der leidensfähigste Fan. Enttäuschend war aber auch der Zuschauerzuspruch bei Heimspielen. Die wenigen Treuen, die in den letzten Spielen noch kamen, erlebten das sportliche Fiasko fassungslos, konsterniert. Oftmals zu enttäuscht, um überhaupt noch wütend zu sein. Gegen die TSG Balingen kamen, mitten im Abstiegskampf, gerade einmal 800 Besucher. Zum Vergleich: Als Wormatia Worms im ersten Jahr Regionalliga gegen den Abstieg kämpfte, verfolgten 2.500 Besucher das letzte Heimspiel gegen die Sportfreunde Lotte. So etwas wie Euphorie erlebte man zuletzt 2011/2012, als es ausschließlich vierstellige Zuschauerzahlen im Wormatia Stadion gab. Der Verein war damals in aller Munde. Zuletzt herrschte nur noch Gleichgültigkeit. In der abgelaufenen Saison waren dreistellige Besucherzahlen Standard. Heimspiele waren schon seit längerem kein Event mehr, dem man am Samstagnachmittag unbedingt beiwohnen musste. Auch Teile des Vorstandes haben dies des Öfteren so gesehen, genauso wie zahlreiche Stammbesucher, die sich kontinuierlich abwandten. In der Oberliga hat man nun die Möglichkeit zum Aufbau einer neuen Fanbasis, die zuletzt immer mehr weggebrochen war. Dort tummeln sich mit TuS Koblenz, Eintracht Trier, Schott Mainz oder dem 1. FC Kaiserslautern II noch weitere ehemalige Regionalligisten. Die Spiele gegen die TSG Pfeddersheim, Hassia Bingen oder Arminia Ludwigshafen versprechen zudem Derbycharakter. Die Wormser Fans gelten als launisch, kritisch, aber eben auch ziemlich treu. Wenn man es schafft, in der Oberliga eine Wormser Mannschaft zu formen, die mit Herzblut an die Sache rangeht, werden auch die Zuschauer wieder kommen. Womöglich sogar zahlreicher als zuletzt in der Regionalliga.

Wie geht’s weiter bei der Wormatia?
Mit seinem kompletten Rückzug zum Saisonende hinterlässt Jones einen Scherbenhaufen, den der neue sportliche Leiter, Norbert Hess, zusammenkehren muss. Auch der neue Trainer übernimmt keinen einfachen Job, muss er doch in kürzester Zeit ein komplett neues Team aufbauen. Da vom aktuellen Kader kaum jemand für die Oberliga übrig bleiben wird und die besten Spieler aus der Umgebung längst einen neuen Verein haben, steht Wormatia Worms mehr denn je vor einem kompletten Neuanfang mit ungewissem Ausgang. Zwar ist der Vorstand optimistisch, für die Oberliga einen Etat zusammen zu bekommen, der einem potentiellen Spitzenteam gerecht wird. Gleichwohl wird der direkte Wiederaufstieg alles andere als ein Selbstläufer. Für die elf Jahre Regionalliga kann man sich in der Oberliga schließlich nichts kaufen. Im Herbst wird zudem noch Vorstandschef Tim Brauer auf eigenen Wunsch aus dem Amt ausscheiden. Brauer hatte den Verein in den letzten Jahren nicht nur aus seiner eigenen Tasche gefüttert, sondern ebenso für potente Geldgeber gesorgt. Wie lange Sponsoren wie ROWE oder TST noch an Bord bleiben, ist nach dessen Abgang ungewisser denn je. „Regionalligafußball in Worms ist keine Selbstverständlichkeit!“ hatte man von Vereinsseite immer wieder betont. Für die Zukunft gilt das wohl mehr denn je.