Abstiegskampf

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Trainer Sascha Eller erklärt vor dem 11. Spieltag seinen Rücktritt

Wer vor der Saison geglaubt hat, die Vereinsführung würde tiefstapeln, sieht sich nun getäuscht. Nach gut einem Drittel aller absolvierten Spiele ist die Tendenz erkennbar, dass die Wormatia in dieser Saison allenfalls um den Klassenerhalt spielen wird, weil die Mannschaft, die im letzten Jahr noch so positiv überrascht hatte, nur noch ein Schatten ihrer selbst ist. Da zudem die Neuzugänge durch die Bank weg im bisherigen Rundenverlauf nicht überzeugen konnten, blieb der VFR bis dato hinter den Erwartungen zurück. Als Folge aus der sportlichen Negativentwicklung ist am 29. September auch noch Trainer Sascha Eller zurückgetreten.

Dass es in dieser Saison nicht einfach wird, das war abzusehen. Da der Rasen im heimischen Stadion erneuert wird, musste der VFR die ersten acht Heimspiele quasi auf fremdem Platz austragen – in Pfeddersheim und Ludwigshafen. Das alleine kann aber nicht als Entschuldigung dafür herhalten, dass die Mannschaft bisher enttäuscht hat. Nach der Überraschungssaison mit Platz 5 im Vorjahr, ist der Bonus des Neuen und Unerwarteten wohl verbraucht, die Gegner scheinen sich auf das Spiel der Wormatia eingestellt zu haben. Erschwerend kommt hinzu, dass die Leistungsträger aus der Vorsaison, wie Himmel, Loechelt, Saiti oder Stulin, bisher nicht einmal ansatzweise an das alte Niveau anknüpfen konnten. Der an einem Kreuzbandriss laborierende Eugen Gopko wird auf der rechten Abwehrseite schmerzlich vermisst, weder Antonaci noch einer der Innenverteidiger konnten diese Position bisher adäquat ausfüllen. Weil außerdem die Neuzugänge bisher noch nicht so recht gezündet haben, stand man bei Redaktionsschluss auf einem enttäuschenden 13. Platz. Da hatte man zweifelsohne mit dem einen oder anderen Punkt mehr gerechnet. Trotzdem kam der Rücktritt von Sascha Eller als Trainer der Regionalligamannschaft von Wormatia Worms sehr überraschend, war doch gerade der junge Übungsleiter nahezu untrennbar mit dem Erfolg im letzten Jahr verbunden. Aber nach eingehender Analyse der derzeitigen sportlichen Situation hat Trainer Sascha Eller am 29.09. mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt als Trainer der Regionalligamannschaft erklärt.

Sascha Eller:
„Nach reiflicher Überlegung bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass ich nicht mehr in der Lage bin, der Mannschaft mit meinem Stil die notwendigen sportlichen Impulse geben zu können. Damit ist es für mich der logische Schritt, von mir aus die Konsequenzen zu ziehen und meinen Rücktritt zu erklären. Dieser Schritt ist aus meiner Sicht für beide Seiten die beste Lösung.“

Sportvorstand Oliver Schüttler:
„Die Entscheidung von Sascha Eller verdient großen Respekt und Anerkennung. Wir bedanken uns bei ihm für 1 1/2 Jahre gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit und wünschen ihm sportlich wie auch privat alles Gute für die Zukunft. Für die Mannschaft wünschen und erwarten wir, dass sie sich ihrer Verantwortung bewusst ist und eine entsprechende Reaktion zeigen wird, um aus der derzeit prekären sportlichen Situation herauszukommen. Der Trainer der U23, Steven Jones wird zusammen mit seinem Co.-Trainer Maximilian Mehring vorerst Interimsweise die Regionalligamannschaft übernehmen.“

Wer hat die Mannschaft zusammengestellt?
Es ehrt den sympathischen Eller, dass er von selbst die Brocken hinwirft, um der Mannschaft neue Impulse zu geben. Gleichwohl stellt sich die Frage, ob Eller tatsächlich der Schuldige an der sportlichen Talfahrt ist. Sofern die Neuzugänge Wunschspieler von Eller waren, trifft ihn sicherlich eine Teilschuld. Falls er aber mit dem zurechtkommen musste, was ihm die sportliche Leitung vorgesetzt hat, kann man nach aktuellem Stand konsternieren, dass man in Sachen Neuverpflichtungen diesmal kein gutes Händchen hatte. Lediglich Patrick Auracher hat sich in der Innenverteidigung einen Stammplatz erkämpfen können, Mohammed Tahiri konnte mit zwei Last-Minute-Toren für Furore sorgen, ist dann aber wieder abgetaucht. Auch Kevin Lahn gehört des Öfteren zur Stammelf, während Pinheiro nach schwachen Leistungen seinen Stammplatz eingebüßt hat, weil er noch keine einzige überzeugende Partie abgeliefert hat. Die auf den letzten Drücker verpflichteten Neuzugänge, wie der zurückgekehrte Marco Metzger oder Faith Köksal, blieben den Nachweis ihrer Klasse bisher schuldig. Zuviel Masse statt Klasse tummelt sich aktuell bei der Wormatia, lediglich Führungsspieler wie Torhüter Paterok, Abwehrchef Benjamin Maas oder Torjäger Florian Treske heben sich ab. Letzterer ist zudem Segen und Fluch zugleich. Zwar hat Treske auch in dieser Saison immerhin schon vier Mal getroffen. Da jedoch zuletzt das komplette Spiel der Wormatia auf den großgewachsenen Treske zugeschnitten war, waren die Offensivbemühungen der Wormser leicht auszurechnen. Und wenn Treske nicht trifft, sieht es sowieso düster aus in der Offensive, denn mit Alper Akçam hat man lediglich einen weiteren Stürmer im Aufgebot.

Schwere Zeiten für den Neuen
Wie groß der Abstand zur Spitze mittlerweile ist, wurde in jüngster Vergangenheit an dem Heimspiel in Ludwigshafen gegen den FC Homburg deutlich, das mit 0:5 verloren ging. Im letzten Jahr hatte man nach einer grandiosen Leistung noch mit 5:1 gewonnen. Erst zwei Siege (gegen Bahlingen und den FK Pirmasens) gelangen dem VFR bisher, bereits sechs Mal zog man, mitunter deutlich, den Kürzeren. In den ersten zehn Spielen haben sich schon Mannschaften herauskristallisiert, die ein Wörtchen bei der Vergabe der Aufstiegsplätze mitsprechen werden (Offenbach, 1. FC Saarbrücken, SV Elversberg, Waldhof Mannheim, Hessen Kassel). Es gibt jede Menge Verfolger, die sich im Mittelfeld tummeln (1.FC Kaiserslautern II., Eintracht Trier, Astoria Walldorf, FC Homburg). Und dahinter beginnt auch schon die Abstiegszone, Wormatia Worms steht aktuell noch vor einem Abstiegsplatz. Das könnte sich aber in den nächsten vier Wochen ändern, denn mit Tabellenführer Elversberg, den wiedererstarkten Mannheimern und der TSG Hoffenheim II. warten harte Brocken auf die Wormatia. Von daher kann das Motto fortan nur lauten, nach Eichhörnchen-Manier möglichst viele Punkte zu sammeln, damit man zur Winterpause nicht im dicksten Abstiegsstrudel steckt.

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