Ein Duell alter Rivalen

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Verbandspokalfinale am 25. Mai: 1. FC Kaiserslautern gegen Wormatia Worms

Im Bitburger-Verbandspokalfinale treffen der 1. FC Kaiserslautern und Wormatia Worms am 25. Mai im Stadion Husterhöhe in Pirmasens im ersten Pflichtspiel seit 56 Jahren aufeinander. Die Favoritenrolle liegt beim Drittligisten 1. FC Kaiserslautern. Gleichwohl ist es für beide Mannschaften die letzte Chance, eine verkorkste Saison noch zu retten.

Als der SWR vor Jahren eine Reportage über die große Zeit des FCK drehte, da berichtete der legendäre Fritz Walter u.a. von dem „Angstgegner“ Wormatia, zu dem man bereits mit Bauchweh gefahren wäre. Das Zitat bezieht sich auf eine Zeit, als Wormatia Worms den größten Klubs Deutschlands, zu denen der FCK zweifelsohne zählte, nahezu auf Augenhöhe begegnen konnte. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte der 1. FC Kaiserslautern zu den Topteams des Landes. Aus dieser Zeit resultieren zwei Meistertitel (1951 und 1953) sowie drei deutsche Vizemeisterschaften (1946, 1954, 1955). Und die Wormatia war in dieser Zeit so etwas wie der „Angstgegner“ des FCK in der Oberliga Südwest. So traf die Wormatia am 07.03.1954 vor 15.000 Besuchern im heimischen Stadion an der Alzeyer Straße auf den amtierenden Deutschen Meister 1. FC Kaiserslautern. Schroer, Blankenberger und Baas schossen die Wormaten bereits vor der Pause deutlich in Führung. Der FCK konnte in der zweiten Halbzeit nur noch auf 2:3 verkürzen und verlor wieder einmal in Worms. Nur vier Monate später holte die deutsche Nationalmannschaft mit der Lauterer Achse um Werner Kohlmeyer, Horst Eckel, Werner Liebrich sowie Fritz und Ottmar Walter sensationell den WM-Titel und sorgte für das „Wunder von Bern“. Das letzte Duell beider Teams in einem Pflichtspiel datiert aus dem Jahr 1963. Am 10.03. verlor die Wormatia mit 0:3 beim FCK, nachdem der VfR im Hinspiel in Worms noch mit 3:1 siegreich war. Dementsprechend liest sich die Bilanz der Wormatia in 45 Pflichtspielen gegen den großen FCK gar nicht so schlecht: 16 Siege, 9 Remis und 20 Niederlagen. Nach 1963 kam es nur noch zu 19 Freundschaftsspielen, in denen der klassenhöhere FCK seine Bilanz mit 14 Siegen kräftig aufpolierte. Denn mit der Einführung der Bundesliga im Jahr 1964 trennten sich die Wege beider Vereine. Während der FCK zu den Gründungsmitgliedern der Bundesliga gehörte, kämpfte die Wormatia in der Oberliga Südwest um den Anschluss ans Oberhaus und scheiterte 1965 in den Aufstiegsspielen zur Bundesliga an Borussia Mönchengladbach, SSV Reutlingen und Holstein Kiel. 1974/75 zählte die Wormatia zu den Gründungsmitgliedern der neu eingeführten Zweiten Bundesliga Süd, der man allerdings nur ein Jahr lang angehörte. Nach dem Aufstieg 1977 konnte sich der VfR diesmal fünf Jahre lang in der Zweiten Bundesliga Süd halten. In der Saison 1978/79 klopfte die Wormatia sogar ans Tor zur Bundesliga, aber scheiterte als Dritter nur knapp. Nach dem Abstieg in die Oberliga Südwest 1982 scheiterten weitere Versuche, in den bezahlten Fußball zurückzukehren. Über den Umweg Verbandsliga (1993-1998) qualifizierte sich Wormatia Worms 2008 für die Regionalliga Südwest, der man seit elf Jahren angehört. Der 1. FC Kaiserslautern dagegen gehörte der Bundesliga seit der Gründung 1963 ununterbrochen 33 Jahre an und zählte über Jahrzehnte hinweg zu den potentiellen UEFA-Cup-Kandidaten. Im Europapokal lieferten sich die roten Teufel denkwürdige Schlachten mit Real Madrid (5:0) oder dem FC Barcelona (3:1). Nach dem Pokalsieg 1990 holte der FCK unter Trainer Kalli Feldkamp 1991 den dritten Meistertitel, auf den die Fans fast vier Jahrzehnte warten mussten. 1994 wurden die Lauterer nochmal Vize-Meister, aber bereits 1996 wurde die Pfalz in Mark und Bein erschüttert. Der große FCK stieg erstmals in der Vereinsgeschichte ab. Freud und Leid lagen eng beieinander, denn nur eine Woche später gewann der Verein zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte den DFB-Pokal. Trainer Otto Rehhagel übernahm in der zweiten Liga und sorgte in den beiden Folgejahren für das letzte große Märchen in der Pfalz. Nach der souveränen Meisterschaft in der Zweiten Liga übernahm der FCK auch in der Bundesliga nach dem 4. Spieltag die Tabellenführung und gab diese bis zum Schluss nicht mehr ab. Das führte 1998 zum sensationellen Gewinn der vierten deutschen Meisterschaft. Der Titelgewinn als Aufsteiger stellt ein Novum in der Geschichte des deutschen Fußballs dar und sollte gleichzeitig der letzte große Triumph des FCK bleiben. Es folgten Jahre des Missmanagements mit fragwürdigen Spielerverträgen und einem Stadionumbau zur WM 2006, der den Verein wirtschaftlich fast ruinierte. Während der Abstieg zehn Jahre zuvor noch als „Betriebsunfall“ durchgehen konnte, erfolgte der erneute Absturz in die zweite Liga im Jahr 2006 aufgrund hausgemachter Probleme. Nun brauchte man schon vier Jahre, um wieder in die Bundesliga zurückzukehren. Aber schon 2012 folgte der dritte Abstieg in die zweite Liga und diesmal sollte der FCK die Rückkehr ins Oberhaus nicht mehr schaffen. Aber es kam sogar noch schlimmer. Im Jahr 2018 stieg man als Tabellenletzter in die Dritte Liga ab, wo man in der ersten Saison das Ziel „Wiederaufstieg“ deutlich verfehlt hat. Inzwischen muss man sich auch in Kaiserslautern eingestehen, dass es in der strukturschwachen Pfalz immer schwerer wird, mit der Wirtschaftskraft der meisten Bundesligisten oder Zweitligisten mitzuhalten. Zwar bleiben viele Geldgeber und Sponsoren – hauptsächlich aus Nostalgie, verbunden mit der Hoffnung auf bessere Zeiten – bei der Stange, um den chronisch überschuldeten Verein über Wasser zu halten. Aktuellen Gerüchten nach soll es nun ein luxemburgischer Milliardär richten, der den Verein mit einer kräftigen Finanzspritze wieder in den bezahlten Fußball zurückführen soll. Als der FCK-Vorstand in diesem Zusammenhang den Wert des Vereins auf 120 Millionen Euro taxierte, da kann er unmöglich den aktuellen Spielerkader gemeint haben, der allenfalls Drittligadurchschnitt entspricht. Das größte Kapital des Vereins sind nach wie vor seine leidgeprüften Fans, die auch in der Dritten Liga in erstaunlicher Anzahl zu den Heimspielen pilgerten. Gleichwohl ist auch deren Geduld begrenzt und alles andere als einen Sieg im Verbandspokalfinale gegen Wormatia Worms würden die Fans des FCK gar nicht akzeptieren, hieße eine Niederlage doch, dass die Lauterer zum ersten Mal seit 55 Jahren nicht im DFB-Pokal vertreten wären.