Jetzt hilft nur noch ein Wunder

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Klassenerhalt der Wormatia hängt nur noch an einem seidenen Faden

Die erhoffte Wende nach der Winterpause ist ausgeblieben. Elf Punkte aus elf Spielen sind viel zu wenig im Abstiegskampf, so dass Wormatia Worms drei Spieltage vor Schluss auf einen direkten Abstiegsplatz (15.) abgerutscht ist – mit vier Punkten Rückstand zum rettenden Ufer. Jetzt helfen nur noch Siege, sonst wird der Gang in die Oberliga unvermeidlich. Dabei gab es Ende März zuhause gegen den Zweiten 1. FC Saarbrücken noch einen überraschenden Punktgewinn, den sich die Wormatia dank einer engagierten Leistung redlich verdiente. Das Heimspiel gegen die Saarländer war ein 0:0 der besseren Sorte mit einem letztendlich verdienten Ausgang, auch wenn der VfR in der Schlussphase die besseren Chancen besaß, um noch einen Lucky Punch zu landen. Nach nunmehr sechs sieglosen Spielen in Folge sollte mit einem Sieg beim Tabellenletzten Eintracht Stadtallendorf am 7.4. endlich der nächste Dreier gelingen und damit der seit dem 2. Spieltag andauernde Auswärtsfluch, als der bis dato letzte Auswärtssieg gelang, durchbrochen werden. Stattdessen erlebten die Wormaten in Stadtallendorf die bitterste Niederlage der gesamten Saison. Nach einer trostlosen ersten Hälfte wurde die Wormatia in der zweiten Hälfte stärker und mit der Führung durch den 20 Minuten zuvor eingewechselten DIMITRIOS FERFELIS (78.) belohnt. Wie schon drei Wochen zuvor in Hessen-Dreieich, als man in der Nachspielzeit noch den Ausgleich kassierte, bestimmte die Wormatia weiterhin das Spiel, erarbeitete sich zahlreiche Chancen, vergaß aber erneut, das entscheidende zweite Tor nachzulegen. So kam es, wie es kommen musste. In der 89. Minute fiel der überraschende Ausgleich für die Gastgeber. Fast im Gegenzug vergab Wormatias Abwehrchef JURE COLAK die Riesenchance zur erneuten Führung, aber es sollte sogar noch schlimmer kommen. In der 94. Minute senkte sich eine Flanke des Stadtallendorfers Fliess von Rechtsaußen ins lange Toreck und die Wormatia musste die Heimreise mit leeren Händen antreten. Innerhalb von fünf Minuten war aus dem „absoluten Pflichtsieg“ eine bittere 1:2 Niederlage geworden. In den Sozialen Medien waren sich mitgereiste Fans anschließend einig, dass man an diesem 7. April in Stadtallendorf den Klassenerhalt verspielt hat. Drei Tage nach dem Spiel zog auch der seit Wochen in der Kritik stehende Wormatia-Trainer STEVEN JONES „teilweise“ Konsequenzen und kündigte seinen Rücktritt zum Saisonende an. Gleichwohl zeigte sich Jones sicher, dass er das Ruder in dieser Saison noch rumreißen könne. Und seine Mannschaft zeigte im folgenden Heimspiel gegen den TSV Steinbach-Haiger endlich eine positive Reaktion. Obwohl der schwache Schiedsrichter Jonas Brombacher den Gästen bereits nach sieben Minuten einen Foulelfmeter schenkte, fighteten sich die Wormser ins Spiel zurück und erzielten kurz danach den Ausgleich durch BURGIO (16.). Der 2:1-Siegtreffer blieb wiederum ANDREAS GLOCKNER vorbehalten, der völlig überraschend in der Startelf stand. Trainer Jones hatte den seit Wochen ausgebooteten Glockner als zentralen, offensiven Mittelfeldspieler eingesetzt und der machte nicht nur ein starkes Spiel, sondern avancierte gleich noch zum Matchwinner. Warum Glockner dann allerdings im folgenden Auswärtsspiel bei Waldhof Mannheim wieder auf der Bank saß, bleibt Jones‘ Geheimnis. Die Waldhöfer benötigten am 20.4. nur noch einen Punkt, um fünf Spieltage vor Schluss die vorzeitige Meisterschaft feiern zu können. Vor der Rekordkulisse von 14.400 Zuschauern waren die von Ex-Wormatia-Coach Bernhard Trares trainierten Waldhöfer augenscheinlich nicht angetreten, um den Nachbarn aus Worms abzuschießen. Vielmehr plätscherte das Spiel lange Zeit vor sich hin, weil beide Mannschaften mit einem Unentschieden zufrieden schienen. Als dann die Mannheimer kurz vor der Pause eine der wenigen Torchancen zur Führung nutzten, hatte der VfR immer noch eine Halbzeit Zeit, den Ausgleich zu erzielen. Aber letztendlich blieben die Offensivbemühungen zu harmlos, um den SVW ernsthaft in Gefahr zu bringen. So blieb unterm Strich eine 0:1-Niederlage beim Meister der Regionalliga Südwest. Im Normalfall ein Achtungserfolg, aber im Abstiegskampf ist das nun mal zu wenig. So war im folgenden Heimspiel gegen die TSG Balingen am 27.4. ein Sieg wieder einmal Pflicht. Bot die Partie zwei Wochen zuvor noch Abstiegskampf pur im positiven Sinne, herrschte nun erneut Abstiegskampf pur, allerdings im negativen Sinne. Zu der Tristesse auf den Rängen, wo sich bei Regenwetter gerade mal 800 Zuschauer eingefunden hatten, gesellte sich in einer zerfahrenen Partie auch spielerische Trostlosigkeit. Die etwas aktiveren Balinger gingen zwei Mal in Führung, die Wormatia konnte jeweils ausgleichen, bezeichnenderweise durch die beiden Innenverteidiger COLAK und IHRIG. Trotzdem ist das 2:2 erneut zu wenig im Abstiegskampf. Da am 31. Spieltag gleich fünf direkte Konkurrenten der Wormatia im Abstiegskampf einen Dreier einfahren konnten, fühlte sich das Unentschieden gegen Balingen nach Schlusspfiff wie der vorzeitige Abstieg an.

Bestandsaufnahme
Auch nach der Winterpause tritt die Wormatia weiterhin auf der Stelle. Die eklatante Auswärtsschwäche wurde – mit gerade einmal fünf Punkten aus 15 Spielen – bis dato immer noch nicht behoben. Zwar wurden die drei in der Winterpause getätigten Neuzugänge (Abwehrchef Jure Colak, Außenverteidiger Stephane Tritz und Innenverteidiger Tom Scheffel) gut integriert und haben die Defensive stabilisiert. Dagegen fehlte in der Offensive weiterhin die Durchschlagskraft (32 Tore in 31 Spielen). Im Sturm hat die sportliche Leitung darauf gesetzt, dass bei dem vor der Winterpause etwas glücklosen Mittelstürmer DIMITRIOS FERFELIS endlich der Knoten geplatzt. Der kantige Grieche bekam zwar fortan mehr Einsatzzeiten, zahlte das Vertrauen aber nicht zurück. Ferfelis erzielte bis dato nur ein Tor nach der Winterpause (insgesamt fünf Tore in 26 Spielen) und das ausgerechnet als Joker. Vielleicht wäre es sinnvoller, Ferfelis bei einem Rückstand als Brecher für die Schlussphase einzuwechseln, anstatt ihn von Anfang zu bringen. Dagegen gehört GUISEPPE BURGIO (8 Saisontore), der zumeist als Flügelstürmer ran musste, in die vorderste Front. Der dribbelstarke Italiener ist ein typischer Strafraumstürmer, der mit einer Einzelaktion ein Spiel entscheiden kann. Auch JAN-LUCAS DOROW ist, als einer der wenigen, die wissen, wo das gegnerische Tor steht, auf der Position des „Sechsers“ verschenkt, zumal Jones mit Moos, Korb und Bajric genügend Alternativen hat. Trainer Steven Jones hat auch nach der Winterpause personell viel ausprobiert, aber vieles war eben nicht von Erfolg gekrönt. Für die letzten drei Partien muss Jones aber nicht nur die richtige Mischung finden, sondern hautsächlich auf Charaktere setzen, die bereit sind, sich für den Klassenerhalt zu zerreißen.

Tabellensituation
Im Abstiegskampf der Regionalliga Südwest hat sich Aufsteiger FK Pirmasens (10. / 40 Pkt.) mit einer eindrucksvollen Serie von zuletzt vier Siegen in Folge vorzeitig den Klassenerhalt gesichert. Auch Aufsteiger TSG Balingen (11. /39 Pkt.) ist durch den Punktgewinn in Worms bereits gerettet. Auf den weiteren „sicheren“ Plätzen stehen Astoria Walldorf (12. / 35 Pkt.) und FSV Frankfurt (13. / 34 Pkt.). Gegen beide Teams konnte Wormatia Worms in den vier Aufeinandertreffen keinen einzigen Punkt holen. Walldorf muss noch nach Steinbach und am letzten Spieltag zur TSG Balingen reisen, dazwischen geht es zuhause gegen den bereits feststehenden Meister Waldhof Mannheim. Allesamt Teams, für die es um nichts mehr geht. Ein Sieg und auch Walldorf dürfte gerettet sein. FSV Frankfurt steht nun vor zwei lösbaren Heimaufgaben (Absteiger Hessen Dreieich und VfB Stuttgart II.), nach denen sich auch die zuletzt wieder stabileren Hessen vorzeitig aller Abstiegsängste entledigt haben dürften. Dagegen ist Hessen Dreieich (18. /19 Punkte) bereits abgestiegen, für Eintracht Stadtallendorf (17. /22 Punkte) dürfte ebenfalls jegliche Rettung zu spät kommen. Ausgerechnet in den beiden Spielen gegen die Absteiger Hessen-Dreieich und Eintracht Stadtallendorf hat Wormatia Worms in den letzten fünf Minuten fünf sicher geglaubte Punkte noch verschenkt. Wenn man dann noch den einen Punkt dazu rechnet, der wegen Ausschreitungen im Heimspiel gegen FK Pirmasens abgezogen wurde, dann sind das schon sechs Punkte, denen die Wormser bei einem Abstieg hinterher trauern werden. Mit sechs Punkten mehr würde man aktuell auf dem sicheren 12. Platz stehen. Stattdessen steht die Wormatia aktuell mit 30 Punkten auf Platz 15, der ein sicherer Abstiegsplatz wäre. Da der VfR Ahlen aus der Dritten Liga in die Regionalliga Südwest absteigt, wird es auf jeden Fall vier, eventuell sogar fünf Absteiger geben, sofern auch die SG Sonnenhof Großaspach runter muss, die derzeit mit einem Punkt Rückstand einen Abstiegsplatz belegt.

Mindestziel: Platz 14
Aufgrund der aktuellen Tabellenkonstellation sollte das Hauptaugenmerk der Wormatia darauf liegen, wenigstens noch den „Hoffnungsplatz 14“ zu erreichen, den aktuell der FSV Mainz 05 II belegt (14. /30 Punkte). Auch die Mainzer haben noch drei Spiele gegen Mannschaften, für die es um nichts mehr geht. Nach dem Auswärtsspiel bei Fast-Absteiger Eintracht Stadtallendorf kommt zunächst der TSV Steinbach-Haiger an den Bruchweg, ehe die Mainzer am letzten Spieltag bei Meister Waldhof Mannheim antreten müssen. Wormatia Worms muss aber nicht nur die punkgleichen Mainzer, die mit einem wesentlich besseren Torverhältnis ausgestattet sind, überholen, sondern nebenbei auch noch Hintermann, VfB Stuttgart II. (16. /28 Punkte), auf Distanz halten. Die Stuttgarter haben nun allerdings zwei schwere Auswärtsspiele bei Kickers Offenbach und FSV Frankfurt vor der Brust, ehe es am letzten Spieltag zum Showdown gegen Wormatia Worms kommt. Bei allem Schielen auf die Ergebnisse der Mainzer und der Stuttgarter U23 muss aber vor allem der VfR selbst in die Pötte kommen, damit es noch für Platz 14 reicht. Zunächst geht es am 4. Mai zum bereits geretteten FK Pirmasens, der aber das Spiel nach vier Siegen in Folge und vor dem Hintergrund der Ereignisse aus dem Hinspiel bestimmt nicht verschenken wird. Eine Woche später kommt mit Kickers Offenbach ein Gegner nach Worms, gegen den man in der Vergangenheit nicht unbedingt die beste Ausbeute erzielt hat, bevor Wormatia Worms am letzten Spieltag zum VfB Stuttgart II reisen muss. Sollte es am Ende doch noch für Platz 14 reichen, muss man immer noch auf den Ligaverbleib der SG Sonnenhof Großaspach hoffen. Der Klassenverbleib der Wormatia hängt also nur noch an einem seidenen Faden.