„Entscheidend ist der Ort der Aufführung!“

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WO! im Gespräch mit Max Urlacher

Rückblickend dürfte der Auftritt von Max Urlacher bei den Nibelungen-Festspielen 2015 das Markanteste an dem Stück „Gemetzel“ gewesen sein. Damals spielte er den mächtigen Familienwächter Hagen, enterte die Bühne motorisiert mit einem Quad und irritierte mit einem Outfit, welches Batman sicherlich erfreut hätte. Max Urlacher ist allerdings nicht nur als Schauspieler unterwegs. Der künstlerische Tausendsassa lieh unzähligen Hörspielen seine Stimme, arbeitete als Redakteur, schrieb 2005 ein Buch mit Franka Potente („Berlin-New York“) und veröffentlichte 2010 seinen Debütroman „Rückenwind“. Mit einfühlsamen Worten erzählt er darin auf berührende Weise von einer einzigartigen Freundschaft. 2019 inszeniert er zusammen mit dem renommierten Regisseur Thomas Blubacher diesen Roman exklusiv für die Nibelungen-Festspiele. Das Stück wird am 18. und 19. Juli auf der Hinterbühne des Wormser Theaters aufgeführt. WO! sprach mit dem sympathischen Künstler über seine Erfahrungen in Worms und warum das Stück ausgerechnet hier uraufgeführt wird.

Warum ein Roman?

Einige Jahre lange hatte ich eine Kolumne bei der Schweizer Zeitschrift, „Annabelle“, in der mir immer wieder die Figuren, die später in dem Buch spielen, begegneten. Genauso schlichen sich auch mehr und mehr Personen aus meinem persönlichen Umfeld in die Geschichten. Und irgendwann war einfach klar, das ‚Personal’ schreit nach einem Roman.

Mir fiel beim Lesen ein gewisser autobiografischer Charakter auf. Wie viel Max Urlacher steckt in der Geschichte?

Das ist tatsächlich so, aber natürlich habe ich die Geschichte so geformt, dass man möglichst nicht erkennen soll, was Fiktion und was nicht. Als ich mich jetzt im Zusammenhang mit der Theaterfassung wieder mehr mit dem Roman beschäftigte, habe ich mich jedoch selbst erschrocken, wie viel von mir in diesem Buch steckt.

Eine Geschichte wie diese ist ja sehr intim, sprich, man muss sich dem Leser auch öffnen!

Das ist richtig. Wir als Schauspieler sind es ja gewohnt, zumindest so zu tun, als ob man sich öffnet. Ähnlich verhält es sich bei mir in der Art und Weise, wie ich Geschichten erzähle. Wie auf der Bühne gehe ich in der Regel von mir aus und ‚verfremde’ dann. Früher habe ich als Journalist gearbeitet. Da habe ich schnell festgestellt, das passt nicht, da ich die Neigung zum Ausschmücken von Fakten habe, tja … Also dann doch lieber: Geschichtenerzähler.

Was ist für Sie das zentrale Thema der Geschichte?

Im Mittelpunkt steht für mich die Frage, wo endet Freundschaft und wo beginnt Liebe oder ist beides untrennbar miteinander verbunden? Zwei verschiedene Ecken des gleichen Gefühls womöglich?

Wie kam es dazu, aus dem Buch ein Theaterstück zu machen?

Das war ähnlich wie bei dem Roman, plötzlich war dieser Gedanke da und ich wusste, dass ich das machen muss. Zunächst hatte ich es ausgeschlossen, mich sogar darüber lustig gemacht, da es doch nur eine weitere Romanadaption für das Theater wäre, was derzeit sehr verbreitet ist. Es kam von einem anderen Theater vor ein paar Jahren schon mal die Idee, aus dem Stoff ein Theaterstück zu machen, allerdings hatte mir die Konzeption nicht gefallen, sodass ich die Rechte nicht hergab.

Aber wie macht man aus einem 332 Seiten langen Roman mit vielen Ortswechseln ein Theaterstück?

(lacht) Das war mir am Anfang auch unklar. Ehrlich gesagt, ist es mir immer noch ziemlich unklar. Es ist ein sehr langer Prozess, bei dem mich mein Regisseur Thomas Blubacher sehr unterstützt. Selbst jetzt ist die Theaterfassung sich noch ständig am Verändern. Es wird, so viel kann ich verraten, eine ungewöhnliche Form eines Theaterabends, für die ich noch keinen Namen habe. Entscheidend ist der Ort der Aufführung, die Hinterbühne des Wormser Theaters, und was unsere Bühnenbildnerin Polina Liefers damit veranstaltet.

Warum Worms als Ort der Uraufführung dieses Stückes?

Es gab auch andere Festivals, die anfragten, allerdings fühle ich mich im Umfeld der Nibelungen-Festspiele sehr wohl, da ich viele der tollen Mitarbeiter durch mein Engagement bei „Gemetzel“ gut kenne. Das vermittelt mir eine große Sicherheit, was mir wiederum für diese außergewöhnliche Form eines Theaterabends sehr wichtig ist. Außerdem sind die Nibelungenfestspiele seit Nico Hofmann ja eines der Top-Festivals Europas, also ist das hier auch für uns eine super Plattform, unsere Uraufführung zu präsentieren.

Ist anschließend eine Tournee mit dem Stück geplant?

Erst mal nicht, denn diese Art der Umsetzung, die wir vorbereiten, ist tatsächlich so nur auf der Hinterbühne des Wormser Theaters möglich.

Wie war es eigentlich für Sie 2015, vor dem Wormser Dom zu spielen?

Das war eine tolle Erfahrung, ein wahnsinnig intensiver Sommer. Ich habe mich zwar am Anfang mit der Stadt Worms ein wenig schwergetan, aber das hat sich schnell gelegt. Ich bin seitdem regelmäßig in Worms, unterstütze die Alisa-Stiftung und habe die Stadt und seine Menschen sehr schätzen gelernt –  und vor allem habe ich mich in die Region verknallt.

Das Gespräch führte: Dennis Dirigo