Ich schäme mich, ein Mensch zu sein!

, , Kommentar schreiben

Ist das die rechte Zeit für negative Gedanken? Der Chef des Hauses will bestimmt wieder was typisch Weihnachtliches lesen. Jedoch denke ich: Bei so viel Christfestrummel, möchte mancher Leser (m/w) gern mal Ruhe oder etwas Abwechslung erleben. Nicht zu vergessen: Warum soll die Realität (auch) Pause machen? Nein, sie stört sich nicht an Festen. Und außerdem: Gerade jetzt hat jedermann Zeit zum Nachdenken. Versuchen wir es doch einmal!

Das Christfest ist die Zeit für angenehme Dinge und für viel Gefühl. Da haben Ernst und Sorgen außen vor zu bleiben. Dennoch geht das Leben seinen gewohnten Gang und die Probleme machen keine Ferien. Dieses Jahr haben wir sogar extra große Herausforderungen und dramatische Aufgaben, wie nie zuvor. Und sie bleiben uns gewiss für lange Zeit. Gemeint ist hier natürlich der riesige Flüchtlingsstrom, der über uns hereingebrochen ist. Es bewegt mich und viele andere sehr. Völlig unnötig meldet sich, gerade jetzt eine unfasslich große Fremdenfeindlichkeit und plumper Rassismus, wofür ich mich besonders schäme. Obwohl ich mit Wort und Tat einiges tue, um Not und Elend so vieler Unglücklicher zu lindern. Zwar brauche ich mich selbst eigentlich nicht zu schämen, da ich nicht Schuld habe an dieser Misere. Jedoch gibt es schon dafür den Begriff „fremdschämen“.

Nicht minder schlimm sind anhaltende Dauerprobleme bezüglich der globalen Ausbeutung und Vermüllung unseres Heimatplaneten. Bevor ich da ins Detail gehe, zitiere ich hier einen Kronzeugen. Es ist der Nobelpreisträger Herrmann Hesse und der sagt: „Hinter der Zivilisation her ist die Erde voll von Schlackenbergen und Abfallhaufen. Und dass die Menschheit Dampfmaschinen und Turbinen hat, dafür zahlt sie mit unendlichen Zerstörungen im Bild der Erde und im Bilde des Menschen…“ (Gekürzt) Der Mensch wird gewöhnlich als „homo sapiens“ bezeichnet, wobei „sapiens“ so viel wie „wissend“ oder „weise“ bedeutet. Der TV-Journalist Franz Alt spricht (zutreffender) vom „Homo Dummkopf“, wozu sich ein Kommentar erübrigt!

Wenn wir die Geschichte der Menschheit einmal kritisch betrachten, so kann man auch von einer „Geschichte der Kriege“ sprechen. Wie ein Historiker feststellte, hat es in Europa in den letzten 2.000 Jahren im Durchschnitt drei größere Kriege pro Jahrhundert gegeben. Das nannte ich in einer früheren Kolumne den „Inbegriff menschlicher Dummheit“. Denn, wer könnte sich was Dümmeres vorstellen, als sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen?

Unsere „Mutter Erde“ wird an allen Ecken und Enden von immer mehr Menschen beschädigt und zerstört. Verrückterweise wollen das viele nicht wahrhaben und vergrößern die Umweltschäden noch dazu, indirekt. Dabei sprechen die Tatsachen eine allzu deutliche Sprache. Zu Lande, zu Wasser und in der Luft wird kaputt gemacht und vergiftet, was das Zeug hält. Die Ressourcen werden hemmungslos geplündert und (auch) unsere Nahrung wird vergiftet. Radioaktiver Müll für Millionen (!) von Jahren lagert an 1000 Stellen der Erde.

Hinzuzufügen ist noch ein anderes Übel, nämlich die grenzenlos wachsende Weltbevölkerung, mit jetzt schon über sieben Milliarden! Und dabei gibt es immer mehr Menschen, die mit knappem oder verseuchtem Trinkwasser leben müssen. – Ich muss an dieser Stelle dieses Horrorszenario aus verschiedenen Gründen abbrechen. Zusammenfassend will ich sagen, wer sich dieser Zustände nicht schämt, der sollte sich was schämen! Doch seien Sie gewarnt: Falsche Optimisten und gewisse Schönfärber finden eben immer ihre naiven Schäfchen, und die bleiben träumend im warmen Stall. Drum bleiben Sie wachsam und laufen keinem (schlechten) Schäfer hinterher!

Noch eine Empfehlung, kurz vor Schluss: Lieber einmal vor Weihnachten sich schämen, als das ganze Jahr unverschämt zu bleiben! Trotz allem wünsche ich Ihnen: Frohe Festtage und ein glückliches neues Jahr! Auch Wilhelm Busch hat Ihnen was zu sagen:

„Wenn andre klüger sind als wir,
das macht selten nur Pläsier.
Doch die Gewissheit, dass sie dümmer,
erfreut fast immer.

Ihr Heinz Dierdorf