Diagnose: geldgeil

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Sie finden es in keinem Gesundheitslexikon und der Arzt ist auch nicht zuständig. Zwar ist’s keine übliche Krankheit, doch zeigen sich krankhafte Symptome en masse. Ob sie ansteckend ist, weiß man nicht genau, jedoch spricht vieles dafür. Wenn auch die Pathologie keine Auskunft gibt, so kann man dennoch von einer weit verbreiteten „Seuche“ sprechen, die zudem gut zu unserem kapitalistischen System passt.

Was das Geld selbst anbetrifft, ist festzustellen, dass zu wenig von Übel ist, aber auch ein Zuviel kann schlimme Folgen haben. Nützlich ist die Worterklärung von „geil“: Ursprünglich wurde noch vielerlei Positives darunter verstanden. Später stand es für „brünstig, lüstern“ im negativen Sinne. Heute schließlich wird „geil“ fast nur noch wie „großartig, toll“ aufgefasst. Hier aber ist es nur als „süchtig“ oder „krankhaft“ zu verstehen. Über die Geldgier hinaus, ist zu bemerken, dass der Mensch wohl als gierigstes unter allen Tieren zu bezeichnen ist (von Ausnahmen abgesehen). Alles, was nur möglich ist, übertreibt er – z.T. maßlos, sogar die Tugend. Das steckt auch in unserem Wort „Tugendbold“. Und eine Spruchweisheit unterstützt meine These: „Es trinkt der Mensch, es säuft das Pferd, doch manchmal geht es umgekehrt.“

Dieser Tage meldeten die Medien den Tod des 90-jährigen Milliardärs Kipp (Massa), wozu jemand in meinem Umfeld meinte, dass Kipp eine „tolle Karriere“ geschafft habe. Doch da bin ich etwas anderer Meinung:

  • Muss dieser „arme Reiche“ wie ein Berserker bei Tag und Nacht für dieses eine Ziel geschuftet haben.
  • Hatte er für lange Dauer absolut keine Zeit für Freizeit, Spiel und Spaß.
  • Muss er über kurz oder lang seine schönen (!) Milliarden im Diesseits zurücklassen
  • Hat alles Geld endlich keinen Selbstzweck und wenn er nichts davon ausgibt, war es total zwecklos.

Hinzu kommt noch ein weiterer Punkt. Das ist die Unbeständigkeit des Geldes. Einmal ist es die langsame Entwertung, genannt „Inflation“ und zweitens die plötzliche, nämlich die Währungsreform. Eine solche erlebte Deutschland im vorigen Jahrhundert gleich zweimal. Einer, der wegen seines Reichtums weltberühmt wurde, war König Krösus von Lydien. Doch kann man auch an ihm erkennen, dass Geldgier nicht das Richtige ist. Er verlor sein Reich und seinen Reichtum, nicht zuletzt, weil der persische Nachbar Kyros durch seinen Neid und seine Gier, Krösus bekriegte und beraubte.

Eine andere Erscheinung, an der Geldentwertung zu erkennen ist, zeigt sich im Material der Münzen bzw. des Geldes. Und zwar waren die Münzen ursprünglich aus dem wertvollsten Metall, dem Gold. Relativ bald wurde es vom weniger teuren Silber, dann Kupfer und Legierungen abgelöst und schließlich ist das meiste Geld heute beim fast wertlosen Papier angelangt.

Geld und Geldgier haben noch mindestens einen weiteren Nachteil. Nämlich führt das Geld bei größeren Mengen fast automatisch zur Macht. Diese wiederum verführt fast automatisch zum Machtmissbrauch. Endlich entsteht daraus Krieg im Kleinen, wie im Großen. Übrigens lehrt uns unsere Sprache: „Geld regiert die Welt“. Hingegen besagt ein weiteres Sprichwort: „Geld macht nicht glücklich, aber es schafft Sicherheit“. Das Letztere stimmt jedoch keineswegs. Denn viel Geld schafft viel Begehrlichkeiten. Erben, Minderbemittelte und Diebe möchten allzu gerne zu Geld und Reichtum kommen. Deshalb muss der Wohlhabende alle möglichen Maßnahmen schaffen, um sich und seine Schätze zu schützen.

Zum guten Ende abermals ein passender Gag:
Liegt ein Steinreicher im Sterben und der Priester ist auch schon da. Jammert der Reiche: „Ach, Herr Pfarrer, können Sie denn nicht dafür sorgen, dass ich wenigstens ein Klümpchen Gold mit hinübernehmen kann? Darauf der Geistliche knapp: „Nützt nix, das Gold schmilzt da sofort!“

Nunmehr wünsche ich Ihnen alles Gute und viel Geld, aber keinesfalls zu viel davon.

Ihr Heinz Dierdorf