Sagen Sie mal Herr Bims?

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Ich will nicht nach Berlin!

Während der schreibende Kollege zu meiner Linken in Berlin abhängt, unsere Bundestagsabgeordneten Metzler und Held nerven darf und sich auf irgendwelchen Berlinale-Partys hemmungslos besäuft, muss ich hier meinen Dienst in Worms an der Society-Front ausüben. Ich höre Sie deshalb schon wieder zu Tausenden fragen: „Sagen Sie mal, Herr Bims, wäre eine Society-Tätigkeit in Berlin nicht auch was für Sie?“

Ganz ehrlich: Was soll ich denn in Berlin? Wer so viel rumgekommen ist wie ich in seinem Leben, den kann man doch nicht mit einem Provinzkaff locken, das nicht mal seinen Flughafen fertig kriegt. Da lob ich mir doch unseren kleinen, aber feinen und vor allem fertigen Flugplatz Worms. Erst kürzlich musste ich mal wieder auf die Cayman-Inseln jetten, um den Briefkasten meiner dortigen Briefkastenfirma zu leeren. Also bin ich einfach auf gut Glück zum Flugplatz Worms gefahren und siehe da: Auf Gate 7b stand eine aufgetankte Maschine, die nur darauf gewartet hat, mich in die Karibik zu fliegen. In Berlin hätte ich vermutlich wochenlang warten müssen und derweil wäre mein Briefkasten auf den Cayman-Inseln schier übergequollen. Nee nee, Berlin ist nix für mich, da treffe ich mich doch lieber mit den „oberen Zehntausend von Worms“ (Nebenbei bemerkt ist das einer meiner Lieblingswitze, weil ich mir dabei vorstelle, wie sich jetzt wieder ganz viele Leser fragen, ob Worms tatsächlich 10.000 Leute hat, die „oben“ sind). Außerdem kennt mich doch in Berlin, der Heimat des legendären Harald Juhnke, keine Sau. Wenn ich bei den Nibelungen Festspielen nur den Heylshof betrete, ruft der Barkeeper schon von weitem: „Wie viele Whiskey sauer hätten Sie denn gerne, Herr Bims?“ Wenn ich dann noch das Glück habe, dass ich einmal im Jahr bei der Premiere der Nibelungen Festspiele auf meine ehemalige Schauspielkollegin Michaela Schaffrath treffe, dann ist die Welt eines kleinen Provinzreporters vollkommen in Ordnung. Da spielt es auch keine Rolle, dass man sich hierbei permanent in Gefahr begibt. Zum Beispiel, wenn ich in den letzten Jahren ein Wormatia-Spiel besucht habe, wurde doch im Zuge der Rasenerneuerung vor ein paar Monaten festgestellt, dass ich jahrelang auf Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg gestanden habe. Schon beim geringsten Torjubel hätte es mich in alle Stücke reißen können. Oder Stichwort Ludwigsplatz. Der ist aufgrund der maroden Decke des darunter liegenden Parkhauses derart einsturzgefährdet, dass dort keine Veranstaltungen mehr stattfinden dürfen. Als die CDU kürzlich wegen einer Wahlkampfveranstaltung auf dem Ludwigsplatz angefragt hat, soll die Stadtverwaltung geantwortet haben: „Naja, die Julia Klöckner geht grad noch, aber spätestens bei der Matrone Merkel wäre der Platz so massiv einsturzgefährdet, dass wir keine Genehmigung erteilen können.“ Apropos Politik. Bevor ich’s vergesse, habe ich noch einen dringenden Hinweis im Hinblick auf die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am 13. März 2016: „Falls Sie beabsichtigen, bei der Landtagswahl die AfD zu wählen, beachten Sie bitte, dass die Wahl kurzfristig auf den 14. März verlegt wurde. Wir sehen Sie dann am Montag im Wahllokal.“

Sehr gekränkt hat mich der Leserbrief einer Dame, die mich gefragt hat, ob ich überhaupt wisse, was ehrliche Arbeit sei. Wer mich kennt, weiß, dass es mich nach meiner Lehre zum städtisch geprüften Schiffschaukelbremser auf dem Wormser Backfischfest auf nahezu alle Kontinente dieser Erde verschlagen hat. Ob als Baumwollpflücker mit meinen schwarzen Freunden drüben in Kentucky, als Breakdancer in den Slums von Brooklyn oder als Korinthenkacker beim Finanzamt Worms – glauben Sie mir, ich weiß, was ehrliche Arbeit bedeutet. Als ich mir Mitte der Neunziger als Koksernter von Pablo Escobar in Kolumbien ein paar Dollar dazuverdient habe, war ich zu dieser Zeit derart abgebrannt, dass ich meiner damaligen Frau Esmeralda und meinem unehelichen Sohn Pepe abends nicht einmal etwas zu Essen ermöglichen konnte. Um genug Geld beizuschaffen, habe ich mich mit dem von mir eigenhändig geernteten Koks über Tage hinweg wach gehalten und ohne Schlaf auf den Feldern Kolumbiens durchgearbeitet. Erst als ich von einem Erntehelfer völlig entkräftet mit einem 8 cm breiten, so genannten „Frankfurter Kranz“ unter der Nase aufgefunden wurde, hat mein Chef mich entlassen. Vielleicht wäre ich damals noch tiefer im Drogensumpf gelandet, wenn ich nicht bei einem Besuch in Deutschland auf Christel Mett, die damalige Drogenbeauftragte der Stadt Worms, getroffen wäre. Das hat mein Leben gerettet. So landete ich in Worms und wurde Society-Reporter bei einem renommierten Stadtmagazin. Dort bekommt man mich so schnell nicht wieder weg, denn hier in der Stadt herrscht so ein herrliches Geklüngel, dass mein Masterplan vorsieht, dass ich mich eventuell sogar noch bis zum Bürgermeister hochbumse. Falls das nicht klappt, ziehe ich noch ein letztes Mal hinaus in die weite Welt, denn laut Oxfam Studie beläuft sich das Vermögen der 62 Reichsten dieser Welt auf 1,76 Billionen US-Dollar. Die wesentlich wichtigere Info lautet jedoch, dass unter diesen Superreichen auch neun Frauen sind. Eine dieser neun Tanten aufzutreiben und zu ehelichen, das wäre noch ein letzter Traum, den sich ein Bert Bims gerne verwirklichen würde. Dann würde ich als stinkreicher Schnösel wieder in meine Heimat zurückkehren und als allererstes die Wormser Zeitung aufkaufen. Und danach mach ich den Laden direkt zu.

Herzlichst, Ihr Bert Bims