„Sagen Sie mal, Herr Bims…“

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Erlebnisse eines Vorstadtschreiberlings Teil 11: Kontrollzwang

Autor: Bert Bims

Ganz Worms scheint aus den Fugen geraten. Während sich die Berichte von Anwohnern über Ruhestörungen häufen, schickt der Herr über „Recht und Ordnung“ und neue Bürgermeister Kosubek ein paar Sturmtruppen in die von Drogenhandel, Prostitution, Glücksspiel, Schmutz und nächtlicher Ruhestörung geplagten Gebiete, weil die örtliche Polizei gerade damit beschäftigt ist, am Stadion Radfahrer mit kaputtem Rücklicht raus zu winken. Vier Wochen später melden die Ordnungsamt-Truppen pflichtbewusst: „Keine verdächtigen Vorkommnisse in der Friedrichstraße.“ Ja wollen die denn nicht sehen, wie unser Worms immer mehr verkommt? Aber wen wundert das überhaupt noch, wenn man einen OB hat, der sowieso parkt, wo er will, weil er als „regionale Gottheit“ keinen Ärger mit dem Ordnungsamt zu befürchten hat. Ich höre Sie deshalb schon zu Tausenden fragen: „Sagen Sie mal Herr Bims, hat so eine aufmüpfige Person wie Sie denn überhaupt keine Probleme mit dem Ordnungsamt?“

Doch. Permanent. Gerade erst kürzlich wieder. Glücklicherweise nicht mit den für ihren subtilen Humor bekannten Wormser Ordnungsbeamten, die auch mal fünfe gerade sein lassen, sondern mit zwei total humorlosen Gegenstücken aus Mainz, die doch glatt nachts um halb zwei eine Dachterrassenparty – mitten in der Landeshauptstadt – abrupt beendet haben, weil sich Nachbarn beschwert hatten. Empört und zugebenerweise auch etwas angetrunken (nach einer halben Schüssel Bowle) wie ich zu diesem Zeitpunkt bereits war, habe ich mich natürlich sofort lauthals empört: „Ruhestörung? So etwas würde es bei uns in Worms nicht geben, dass eine Party um 1.30 Uhr vom Ordnungsamt gesprengt wird…“ Der Beamte des Mainzer Ordnungsamtes wurde nun etwas strenger im Ton: „Wollen Sie mir etwa erzählen, dass es in Worms keine Ruhestörung gibt?“ „Doch jede Menge sogar!“ entgegnete ich ihm, „aber bei uns macht das Ordnungsamt schon um 24 Uhr Feierabend!“ Leider wurde mein gut gemeinter Vorschlag, die Bowle war schließlich noch halb voll, mit Sack und Pack von Mainz nach Worms umzuziehen, weil man dort in den Nachmitternachtsstunden quasi „vogelfrei“ ist, abgelehnt. Diese Mainzer Spießer aber auch…

Was soll einem denn in Worms schon passieren? Hier rufen die Leute nahezu täglich bei der Polizei an und schildern eindringlich, wie sich schon wieder einer von diesen südländisch aussehenden Typen vor allen Leuten Haschisch in seine Venen gespritzt hat. Und nix ist anschließend passiert. Vielleicht hat sich der Typ da unten im Dunkeln auch einfach nur mit einem Kuli eine Telefonnummer auf seinen Unterarm geschrieben. Und zwar die von der Blondine mit dem Minirock, die mutmaßlich eine drogenabhängige Prostituierte, genauso gut aber auch irgendeine frühreife Schnitte sein könnte, die er kurz vorher in einem der adretten Lokale aufgerissen hat. Man weiß es halt nie so genau und dann mutmaßt man ein bisschen. Wobei: Was da wirklich abgeht in so einem vermeintlichen Problemviertel, wird man halt auch nicht rausbekommen, wenn man nur mal kurz mit’m Ordnungsamt-Bus durch die Gasse fährt und dabei ganz finster dreinschaut. Die Kontrollen um die Mittagszeit kann man sich sogar ganz sparen, denn was will man da auch Verdächtiges finden? „10:37 Uhr: Eben einen Muslimen entdeckt, der heimlich einen Landjägerschinken beim Metzger gekauft hat….“ Oder „12:11 Uhr – Verdächtig: Chinese geht mit Türken beim Griechen Essen.“

Das ist Chefsache!!
Sie erkennen hoffentlich selbst, es muss dringend gehandelt werden. Ich sage schon die ganze Zeit, dass dieses Pulverfass „Untere Kämmererstraße/Friedrichstraße“ schon längst Chefsache sein müsste. Oder anders gesagt: Unser neuer Bürgermeister Kosubek könnte ruhig mal ein bisschen was schaffen für sein Geld, als ständig seine längst mit Dutzenden Kaffeeflecken übersäten Presseerklärungen aus der Schublade zu holen und immer das gleiche vorzulesen. Einmal mit der Dienstlimousine nebst Chauffeur durch das Problemgebiet kutschiert und schon werden die Koksdealer am Straßenrand mit ihren Tütchen nur so wedeln. Dann sollte der Kosubek, wie einst in der Rheinstraße beim Besichtigen der Woogbrücke, einfach mal einen Absacker, z.B. im Cafe Bomba (Vorsicht, einzige Landessprache: polnisch), mit den Gästen petzen, damit sein Chauffeur wieder in aller Ruhe von einer Nutte angequatscht werden kann. Jungs, ihr wisst doch, wie es geht. Warum muss euch der Herr Bims eigentlich jeden Monat erzählen, wie ihr euren Job zu verrichten habt?