Sagen Sie mal, Herr Bims?

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Teil 79: Backfischfestnachwehen

Kaum ist das Wormser Fest der Feste vorbei, schon beginnt die öde Zeit des Wartens aufs nächste Jahr. Ich höre Sie deshalb schon wieder zu Tausenden fragen: „Sagen Sie mal, Herr Bims, wie geht es Ihnen denn ohne Backfischfest?“

Das Backfischfest ist rum. Wie soll es mir als staatlich geprüften Schiffschaukelbremser, der einen wichtigen Teil seines Lebens auf den Rummelplätzen dieser Welt zugebracht hat, schon gehen? Spätestens wenn beim traditionellen Abschlussfeuerwerk die letzte Rakete verglüht, brennt mein Herz schon wieder vor Sehnsucht nach dem nächsten Backfischfest. Jedes Jahr aufs Neue bekomme ich Gänsepelle am ganzen Körper, spätestens beim Erblicken des Lichtermeers beim Gang über die Terence Hill Brücke, dem wohl bedeutendsten Bauwerk der 16-jährigen Amtszeit von Michael Kissel. Eine Brücke, so rustikal und doch so geschmeidig wie einst unser ehemaliger OB. Ach, irgendwie vermisse ich den Kissel schon. Das juckt den wahrscheinlich überhaupt nicht, während er gerade Golf auf Mallorca spielt. Aber ich wollte das einfach mal gesagt haben. Wenn es schon sonst niemand tut. Dann geht’s runter auf die ehemalige Kisselswiese, die nach der Abwahl Kissels konsequenterweise in Kesselswiese umbenannt wurde. Der Geruch von Zuckerwatte, Erbrochenem und ranzigem Pommesfett zieht mich geradezu magisch an. Während sich ein Michael Jackson früher zur Regeneration in ein Sauerstoffzelt gelegt hat, genügt mir die gute Luft im Wonnegauer Weinkeller, um mich von den Strapazen des Alltags zu erholen. Sobald das Backfischfest aber vorbei ist, japse ich 365 Tage lang wie ein Fisch an Land nach Luft.

Worms ist kein Dreckloch

Der Kultursommer ist vorbei, jetzt wird‘s wieder Zeit, der Wormser GroKo ein bisschen auf die Finger zu schauen. Ich bin schon lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass man dieser schwarz-roten Klüngelbande im Wormser Stadtrat nicht trauen kann. Aber als ich diese Bildunterschrift auf der Titelseite vom Nibelungenkurier gelesen habe, hat es mich echt aus den Latschen gehauen:

„Auch der Sauberkeit und Ordnung im Öffentlichen Raum haben die Koalitionäre den Kampf angesagt.“

Da fragt man sich schon, was diese Kinkerlitzchen sollen? Warum will die GroKo nun auch noch die wenigen sauberen Plätze, die wir in Worms haben, schmutzig machen? Wer mich kennt, weiß, dass ich zuverlässig jeden Sonntagmorgen pünktlich um 8 Uhr meine Gasse kehre, bevor ich in den Gottesdienst gehe. Das lass ich mir doch nicht von der Wormser GroKo verbieten!! Sauberkeit und Ordnung sind wichtig oder wollen wir etwa in unserem gepflegten Worms einen ähnlich schlechten Ruf wie unsere Landeshauptstadt bekommen? Wer kennt nicht den alten Witz:

Treffen sich zwei Mainzer Mädscher.
Sagt die eine: „Mainz is e Dreckloch!“
Sagt die andere: „Meins auch!“

Deshalb sage ich klipp und klar: Unser Worms muss sauber bleiben! Beziehungsweise erst mal werden…

Wir brauchen mehr Eis

Immerhin hat sich unser Stadtrat darauf geeinigt, die massive Unterversorgung der Wormser Bevölkerung, was Speiseeis angeht, endlich zu beheben. Hierzu ein paar Zahlen: Die Deutschen essen im Jahr im Schnitt 5,3 Liter Speiseeis pro Kopf. Der Durchschnittswormser verschlingt diese Menge bereits in den ersten vier Wochen nach der Eröffnung der hiesigen Eisgeschäfte. Die Folge: Meterlange Schlangen (wie einst in der DDR bei der Bananenausgabe) vorm Eis Vannini, die teilweise bis in die Fußgängerzone hineinreichen und an heißen Tagen den kompletten Wormser Innenstadtverkehr lahmlegen. Von daher hatte die Stadt gar keine andere Wahl, als Vannini endlich eine Baugenehmigung zu erteilen. Zwar nicht für den Riesen-Eispalast, wie ursprünglich vorgesehen, aber dafür erhält Worms eine der längsten Eistheken Europas. Der Vorteil: Zukünftig muss man nicht mehr in Zehnerreihen anstehen, sondern nur noch in Fünferreihen. Zudem soll beim Umbau auch gleich ein unterirdisches Rohr verlegt werden, mit dem der Herr Vannini sein eingenommenes Kleingeld direkt über die Straße zur Volksbank schicken kann (bei jedem Münzeinwurf ertönt übrigens von ABBA „Money, money, money, always sunny – in the rich man‘s world). Jede volle Stunde mit mehreren prall gefüllten Eimern zur Bank laufen, geht mit der Zeit einfach zu sehr auf den Rücken. Verständlich, denn wer kennt nicht die typische Volkskrankheit Nr. 1? Einen kaputten Rücken vom vielen Geldschleppen…

Bis zum nächsten Mal,
Ihr Bert Bims