Versöhnung des Jahres:

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Jetzt steht das Haus! - Ein Leser schildert seine heutige Sichtweise auf das „Haus am Dom“

Anfang Februar war es so weit. Die Café Bar Borgnolo feierte offiziell Eröffnung, womit das umstrittene Haus am Dom zugleich vollendet wurde. Auch im Gemeindehaus finden seit der Eröffnung immer wieder öffentliche Veranstaltungen statt, dennoch stehen nicht wenige Wormser dem Gebäude unversöhnlich gegenüber. Besonders in den sozialen Netzwerken kann bereits ein einziges Bild dazu führen, dass erneut leidenschaftlich über das Gebäude gestritten wird.

Aber egal, wie man die Angelegenheit dreht und wendet: das Haus steht! Mit Filippo Borgnolo ist ein erfahrener Gastronom in das Haus eingezogen, der selbst hofft, dass so mancher Wormser, der zuvor das Gebäude ablehnte, vielleicht seine Perspektive bei Kaffee oder Wein ändert. Einer, der seine Sicht der Dinge geändert hat, ist Prof. Andreas Merzdovnik. Im Februar 2015 veröffentlichten wir einen Leserbrief, in dem er sich gegen die Errichtung des Hauses positionierte. Heute, vier Jahre später, hat er uns erneut geschrieben und seinen Frieden mit dem Haus am Dom geschlossen:

„Zurückschauend ist aus heutiger Sicht nicht ganz verständlich, dass das Haus am Dom das umstrittenste Bauprojekt der Neuzeit in Worms überhaupt geworden ist. In zahlreichen Wormser Medien ist hierüber immer wieder berichtet worden; es gab viele Befürworter, aber auch zahlreiche Gegner (u.a. Bürgerverein Dom-Umfeld, unzählige Mahnwachen). Das Haus am Dom steht jetzt da, wo früher das Kapitalhaus stand. Ohne den Gegnern des Hauses zu nahe treten zu wollen, muss in juristischer Hinsicht folgendes festgehalten werden: Die Stadtverwaltung Worms hatte schon im Oktober 2014 die Baugenehmigung erteilt. Das später angerufene Verwaltungsgericht Mainz hat sich ebenfalls nicht gegen den Bau entschieden. Eine Bürgerbefragung/Bürgerentscheid lehnte die Domgemeinde ab. Das Ergebnis eines solchen Bürgerentscheids, den der Stadtrat im Juli 2014 rechtlich für nichtig erklärte, hätte ohnehin für die Domgemeinde keinen verbindlichen Rechtscharakter gehabt. Das Projekt sollte nach den Vorstellungen der Domgemeinde am Dom sein und nicht an einem Platz in weiter Entfernung. Wenn die Kirche ihrem Auftrag gerecht werden will, wenn sie mit den zahlreichen Besuchern des Domes in Kontakt und ins Gespräch kommen will, braucht sie dieses Haus, das dort steht, wo die Menschen sind: am Eingang des Domes. Die Domgemeinde hat sich wohl nicht aus Willkür für das Bauwerk und den heutigen Standort entschieden. Nicht ohne Grund hat der ehemalige Oberbürgermeister Michael Kissel bei der Einweihung des Hauses am Dom der Domgemeinde zum gelungenen Bau, der den Tourismus voranbringt, gratuliert. Schließlich ist auch aus künstlerischer Sicht mit dem Haus ein Stück Architektur entstanden, das sich farblich durchaus in das historische Umfeld einfügt. Beim Bau des Hauses ist man an zentraler Stelle auf ein frühchristliches Taufbecken gestoßen. Weihbischof Dr. Udo Markus Bentz bezeichnete dieses bei der Einweihung sogar als ein prophetisches Signal: nämlich diese Taufpiscina erinnert alle an die grundlegende Taufberufung eines Christen. Schön wäre es, wenn die Taufchristen, die aus Protest gegen den Bau häufig grundlos und unüberlegt ausgetreten sind, jetzt wieder in die Kirche eintreten würden. Für den wahren Christen muss doch gelten, dass der freie Domblick für den Glauben selbst nicht ausschlaggebend ist. Von den Baugegnern wurde früher angeführt, dass die Sicht auf den Dom erheblich beeinträchtigt bzw. sogar zerstört sei. Jetzt nach Bauende zeigt sich für den objektiven Betrachter, dass nur die linke Südseite zum geringen Teil die freie Sicht beeinträchtigt ist. Es bleibt zu hoffen, dass das Haus, das jetzt und künftig die Südseite des Domes ziert, überzeugt und die Herzen vieler Wormser und Touristen erobert. Obige Ausführungen erfolgten aus meiner Sicht als gläubiger Katholik, Jurist und Künstler.“

Dr. Andreas Merzdovnik, Mainz