Ebwo und Generalplaner stellen Pläne für das Salamandergelände vor

Dass der Wormser Entsorgungsbetrieb ebwo AöR zu einem Termin in „Die Kapelle“ lud, musste schon einen besonderen Grund haben. Der wurde auch gleich im Eingangsbereich anhand einer Visualisierung vorgestellt. Wo jetzt noch Container für Flüchtlinge und Obdachlose stehen, soll bis 2029 die neue Hauptfeuerwache nebst ebwo, Stadtverwaltung und Kita entstehen. „Ein Projekt, wie es in der Größe in Worms noch nicht gegeben hat“, betonte HANS GUGUMUS, Geschäftsführer ebwo AöR, zur Begrüßung. 

90.000 Quadratmeter umfasst das Areal, auf dem sich einst die Fabrikationsstätte der Cornelius Heyl AG befand. Nach und nach wurden die Ruinen bis Anfang der 10er Jahre abgetragen, zurück blieb eine große Brachfläche. Die erwarb 2014 die Stadt Worms von den Energiewerken Baden- Württemberg (EnBW). Nach dem „Aus“ am Hohen Stein war für die Stadt zunächst klar, dass dort eine Mischnutzung Gewerbe/Wohnen entstehen soll, da es sich um ein „Filetstück“ handele, wie es Kessels Amtsvorgänger damals formulierte. Allerdings sind nicht nur Gewerbeflächen rar, sondern auch die Flächen der stets wachsenden Hauptfeuerwehr und der Wormser Entsorgungsbetriebe. So entschied sich der Stadtrat, das Areal genau hierfür zu entwickeln. Bis das Projekt konkret an Fahrt aufnahm, wurde zunächst die städtische ebwo in eine Anstalt des öffentlichen Rechts um- gewandelt, damit diese das Großprojekt als Bauherr übernimmt. Das geschah am 12. September 2019. Nach Jahren der Planung wurde schließlich am 9. November des letzten Jahres der Vertrag mit dem Generalplaner unterschrieben, der nun gemeinsam mit den Entsorgungsbetrieben die umfangreichen Pläne in der Kapelle vorstellte. Die Baukosten liegen aktuell bei einem Volumen von rund 200 Millionen Euro.

EHRGEIZIGES PROJEKT

Mit dem Wiesbadener Unternehmen Julius Berger International GmbH entschied sich die ebwo für einen erfahrenen Partner, der seit Jahren von namhaften Firmen weltweit engagiert wird und nun in Worms baut. Die Pläne sind komplex. Letztlich wird auf dem Gelände neben der Feuer- wehr und der ebwo selbst noch ein Standort für die Wormser Stadtverwaltung entstehen, das sogenannte „technische Rathaus“, in dem unter anderem der Baubereich untergebracht ist. Der Vorteil für die Stadt liegt auf der Hand. Statt zahlreiche Liegenschaften anzumieten, werden die Standorte komprimiert auf drei Anlaufstellen (Rathaus, Bürgerrathaus und Technisches Rathaus). Zudem werden dort die Integrations- und Dienstleistungsbetriebe untergebracht, für die eine Großküche gebaut wird, in der bis zu 5.500 Essen täglich zubereitet wer- den können. Ebenso wird auf dem Gelände, das zwölfmal so groß ist wie der Fußballplatz der Wormatia, eine Kita, bestehend aus fünf Gruppen, gebaut. Eine Gruppe ist für Betriebsangehörige Kinder vorgesehen. Verwaltungsgebäude, Kita und IDB-Lagerhalle sollen für die Öffentlichkeit selbstverständlich barrierefrei zugänglich werden. Und auch ökologische Aspekte spielen eine zentrale Rolle. Innovative Energieerzeugungskonzepte sollen integriert sowie erneuerbare regionale Ressourcen genutzt werden. Das Ziel ist ein CO2-freier Gebäudekomplex. Wenn möglich, möchte man mit „Second Hand Material“ arbeiten, das gilt für Holz ebenso wie für den Beton. Eine Luft-Wärme-Pumpe mit Unterstützung von Erdwärme soll sowohl Wärme, als auch Kühlung ermöglichen. Für den Strom sind Photovoltaikdächer eingeplant. Zudem ist ein nachhaltiger Energieaustausch mit der benachbarten Renolit geplant. Die Gestaltung des Außenraums erhöht die Aufenthaltsqualität und schafft zusätzlich eine Pufferzone zum angrenzenden Wohngebiet. Ehrgeizig sind auch die Pläne bezüglich Nachhaltigkeit von der Bauphase bis zum fertigen Projekt. Ebenso sollen die Arbeitsplätze nach modernsten Erkenntnissen entworfen werfen. Hierbei wurden Begriffe wie Open Office, Think Boxes oder auch der Außenraum als mobiles Office genannt. Einzelbüros sind allerdings auch vorgesehen.

IDEEN GESUCHT

Bei aller leuchtturmtauglichen Strahlkraft gibt es jedoch ein potentielles Problem, nämlich der Verkehr bzw. die Parkmöglichkeiten. So erklärte HANS GUGUMUS bei der Präsentation, dass zwar nicht alle Mitarbeiter zur gleichen Zeit arbeiten, dennoch befürchtet man bei insgesamt 900 Personen, die dort ihren Arbeitsplatz haben werden, dass man nicht für jeden einen Parkplatz vorweisen kann. Hierfür sucht man dringend Lö- sungen, verbunden auch mit der Hoffnung, dass möglichst viele mit dem öffentlichen Nahverkehr anreisen werden. Um dem zusätzlichen Ver- kehrsaufkommen rund um den Kirschgartenwerg gerecht zu werden, soll auch selbiger verbreitertet werden und durch einen Kreisel an der Spey- erer Straße ergänzt werden. Wie man im Speyerer Schlag vorgehen wird, ist noch unklar. Doch bedarf nicht nur die Verkehrssituation noch weiterer Überlegungen, sondern auch die Zukunft der dort untergebrachten Flüchtlinge und Obdachlose. Doch die Zeit läuft, da es im ersten Quartal 2025 losgehen soll. Spätestens dann müssten alle Container weg sein „Das Bauvorhaben auf dem Salamandergelände ist so groß und komplex, dass eine Verzögerung erhebliche Auswirkungen hätte”, so GUGUMUS in einer Verwaltungsratssitzung Ende 2023. Auf Anfrage unseres Magazins erklärte die Pressestelle der Stadt Worms, dass derzeit 90 Flüchtlinge sowie 35 Obdachlose dort ihre Heimat haben. Eine Idee, wohin sie dann ziehen werden, gibt es derzeit noch nicht.

Text: Dennis Dirigo, Grafik: ebwo Aö