Auf einen Dreh mit den Nibelungen!

, , Leave a comment

Außendreharbeiten im Herrnsheimer Schlosspark für die Nibelungen-Festspiele

Von Anfang an gehörten sie fest zu Wedels Inszenierungen, die kleinen Filmeinspieler, die auf große Leinwände, rechts und links der Bühn projiziert werden und dazu dienen, Szenen zu zeigen, die so auf der Bühne nicht dargestellt werden können. Ganz nebenbei lockern sie auch die dreistündigen Aufführungen auf und sorgen dafür, dass der Zuschauer „am Ball bleibt“. Zu eben solch einem Dreh wurde an einem erstaunlich kühlen Junifreitag die Presse eingeladen. Drehort sollte der Herrnsheimer Schlosspark sein.

Bei der zu drehenden Szene handelte es sich um eine Rückblende. Die Szene spielt kurz vor Siegfrieds Tod. Ein Blick auf den Drehplan verriet, dass eine beachtliche Zahl an Darstellern/ Figuren involviert ist. Darunter auch Siegfried, von dem bisher noch nicht bekannt war, wer ihn spielen würde. Tanja Steiner, Team des Presseteams, verriet, dass der deutsch-rumänische Schauspieler SABIN TAMBREA die Rolle des tragischen Helden spielt, allerdings ausschließlich in den Einspielern, schließlich ist Siegfried zum Zeitpunkt der diesjährigen Geschichte längst tot. Auch ist die Rede von Tänzerinnen. Tatsächlich konnte man vor den Stufen des Schlosses sieben elegant gekleidete junge Damen entdecken. Waren das aber nicht die Kriegerinnen, die eigentlich in Etzels Gefolge sind? Angesprochen darauf, lachen die jungen Frauen erstmal und erklären, dass sie für die Filmaufnahmen ein Teil der Jagdgesellschaft sind. Auch WO! Mitarbeiter PETER ENGLERT tauchte plötzlich in seinem Kostüm, das man noch vom letzten Jahr kennt, aus der Maske auf. Auf den ersten Blick wollte man sich verwundert die Augen reiben, ob des Bauchumfanges, den der Döftels Sänger und Schauspielstudent plötzlich aufweisen konnte. Doch nein, es handelte sich nicht um eine intensive Form des Method Acting, sondern um eine Art Bauchimplantat, zumindest fühlte es sich sehr weich an.

Nach einigen netten Plaudereien wurde es schließlich ernst. Die anwesenden Redakteure wurden in den Park gelotst, wo auch prompt DIETER WEDEL mit seinen Schauspielern CHARLOTTE PUDER und SABIN TAMBREA um die Ecke kam. Genauer gesagt, aus den Büschen, denn dort wurde zuvor eine Liebesszene zwischen Siegfried und Kriemhild gedreht. „Arschkalt war`s“, verkündete der sichtlich amüsierte 72-jährige Regisseur gegenüber der Presse und ergänzte: „Man muss Siegfried auch mal mit runtergelassenen Hosen sehen“. Wedel in bester Erzähllaune, erklärte noch, dass er Tambrea, der im letzten Jahr in dem Historienfilm „Ludwig II“ die Hauptrolle spielte, schon länger verpflichten wollte, dieser jedoch stets in Engagements feststeckte. Auf die Frage, ob ihm mittlerweile die entsprechenden Bilder für das große Morden eingefallen seien, erläuterte der Regisseur, dass es natürlich fahrlässig sei, wenn er jetzt noch nicht wisse, wie er dies in Szene setze. Es seien sehr stilisierte Bilder, mit denen er den Krieg zwischen den Hunnen und den Burgundern inszenieren wolle. Aus diesem Grund würde es am Folgetag einen weiteren Dreh geben, bei dem man ein Haus in Brand stecke. Selbstverständlich in Anwesenheit der Feuerwehr, fügt er schmunzelnd hinzu.

Foto: Andreas Stumpf

Foto: Andreas Stumpf

Nach diesem kurzen, aber netten Gespräch ging es schließlich los. Crew und Schauspieler fanden schnell auf ihre Positionen. Sofort kehrte eine konzentrierte Stille ein, die von hart rockender Musik plötzlich unterbrochen wurde. Doch die ist Wedel eindeutig zu hart. Schließlich erklang Nancy Sinatras sixties Hit „These boots are made for walking“. Bevor gedreht wurde, wurde allerdings zuerst geprobt. Zu sehen war eine fröhlich anmutende Szenerie im Park, bei der sich die Königsfamilie ausgelassen mit den besagten jungen Tänzerinnen amüsiert. Lässig mittendrin Siegfried mit einem Weinglas in der Hand. Cool blickt er zu einem nachdenklich wirkenden Gunter (CHRISTIAN NICKEL), um sich anschließend Gudrun (UTE REIBER) zu widmen. Siegfried läuft zu einer Holzwand, lehnt sich an sie und prostet in die Kamera. Nachdem dieser an sich simple Ablauf ein paar Mal geprobt wurde, hieß es schließlich: „Kamera läuft!“ Dank eines professionell eingespielten Teams, zu dem natürlich auch der unverzichtbare Joern Hinkel gehört, war die Szene erstaunlich schnell abgedreht. Danach folgte noch ein weiterer Dreh, nämlich Siegfrieds Tod, doch der fand unter Ausschluss der Presse statt.