Damit es rund läuft – das Künstlerische Betriebsbüro der Nibelungen-Festspiele

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Wo! im Gespräch mit der Künstlerischen Betriebsdirektorin Petra Simon

Wenn am 18. Juli kurz vor 24 Uhr das Schauspielensemble der Nibelungen mit Dieter Wedel auf der Bühne steht und sich vor einem begeisterten Premierenpublikum verneigt, dann ist es nicht nur deren Verdienst, dass alles reibungslos geklappt hat. Es ist das Team hinter den Kulissen, welches dazu beiträgt, dass am Ende alles stimmt. Im Künstlerischen Betriebsbüro (KBB) laufen die Fäden der Festspiele zusammen.

Die Künstlerische Betriebsdirektorin Petra Simon leitet das KBB und beschreibt ihre Arbeit so: Hier kommen alle Informationen zusammen und wir organisieren das Zusammenspiel von den künstlerischen Abteilungen – fast so wie in einer Schaltzentrale.“ Dabei schmunzelt sie und verweist auf ein Bild in ihrem Büro, auf dem eine Schalttafel zu sehen ist, übersät mit vielen großen und kleinen Knöpfen. Ihr Team mit Assistentin Claudia Kraus, FSJ-lerin Melina Eichenlaub und Praktikantin Johanna Graen, ist frei nach dem Motto „nach den Festspielen ist vor den Festspielen“, nicht nur im Sommer, sondern ganzjährig mit dem Gestalten selbiger beschäftigt, und dies gemeinsam mit den Mitarbeitern der Kultur- und Veranstaltungs GmbH. Und da gibt es viel zu tun.

Zwar gibt Regisseur und Intendant Dieter Wedel vor, mit welchen Künstlern er arbeiten möchte. Die Kontakte, Anfragen und letztlich auch das Aushandeln der Verträge obliegt dem Künstlerischen Betriebsbüro. Außerdem ist Petra Simon, die u. a. Theater- und Musikmanagement studierte, damit beschäftigt, die umfangreichen Castings zu organisieren. „Dieter Wedel lässt alle Schauspieler vorsprechen, die er für eine Rolle besetzen möchte, außer er hat mit jemandem schon sehr oft gearbeitet, wie z.B. mit André Eisermann“. Natürlich ist das auch mit Reisen verbunden, da sie auch vor Ort ist, wenn die Castings (u. a. in Berlin) stattfinden.

Während der Festspielzeit ist das Team im KBB selbstverständlich ständig erreichbar, da es sich permanent mit tagesaktuellen Geschehnissen auseinandersetzen muss. Das beginnt damit, bei Krankheiten Arztbesuche zu organisieren, die Proben zu disponieren oder dem Bühnenmusiker kurzfristig zusätzliche Instrumente zu besorgen. Auch die Programmhefte müssen geschrieben werden und natürlich ist Petra Simon bei den Proben immer wieder vor Ort. „Das ist natürlich alles unglaublich zeitintensiv, macht mir aber auch riesigen Spaß. Jedes Jahr findet sich unser großes Team aufs Neue zusammen, Kollegen für Kostüm, Bühne, Maske, Requisite, Licht, Ton, unsere Schauspieler u.v.a. kommen nach Worms, um gemeinsam dieses wunderbare Projekt umzusetzen.“

Ein nicht unerheblicher Teil ihrer Arbeit ist auch die Gestaltung des begleitenden Kulturprogramms. Im Gespräch mit Dieter Wedel und Joern Hinkel wird die thematische Linie erarbeitet und anschließend stellt Petra Simon das Programm zusammen. In diesem Jahr wird ein Schwerpunkt die Ära Wedel sein, die mit der Inszenierung des aktuellen Stückes im August zu Ende geht. In den letzten Monaten hat sie daher zusätzlich noch das Buch-Projekt „Das Wunder von Worms“ in Bann gezogen. Lachend bemerkt Petra Simon, die seit 2004 bei den Festspielen dabei ist, dazu: „Es war eine tolle Zeitreise, die Texte und Fotos aus den vergangenen 13 Festspieljahren zusammen zu stellen und es ist unser großes Dankeschön an Dieter Wedel.“

In diesem Sommer ist die Situation eine ganz besondere, denn auch Vorbereitungen für die kommenden Festspiele 2015 sind zu treffen, wenn Nico Hofmann die Intendanz übernimmt. Auf die Frage, ob man nach so vielen Jahren irgendwann Nibelungen gesättigt ist, entgegnet Petra Simon spontan mit einem klaren Nein. „Im Gegenteil“, erläutert sie, „ich finde es immer wieder spannend, wie viele Facetten man der Geschichte abgewinnen kann“. Jetzt freut sie sich aber erst Mal auf die Premiere, denn dieses Jahr wird das Stück eine besonders spektakuläre Angelegenheit. Mehr möchte sie aber nicht verraten und wendet ihre Aufmerksamkeit wieder den Nibelungen zu.