Wer Monoment nicht kennt,

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hat die Wormser Rocknacht verpennt…

Auch bei der 3. Auflage der im Jahr 2013 reaktivierten Wormser Rocknacht war die Hütte voll, die Stimmung gut und auch wenn die „Band des Abends“ diesmal nicht offiziell vom Publikum gewählt wurde, war ziemlich eindeutig, wer für die spektakulärste Bühnenshow gesorgt hatte. Wer seit dem 5. Dezember „Monoment“ nicht kennt, hat wirklich die Wormser Rocknacht verpennt.

Ja, man kann Musik nur schwer miteinander vergleichen. Dazu sind die Geschmäcker einfach zu verschieden. Und trotzdem gab es bisher in jedem Jahr eine Band, auf die sich so ziemlich alle einigen konnten. Im ersten Jahr war es die famose Skaband „The Offbeat-Service“, die inmitten des Gitarrengeheuls eines doch sehr rockigen Line Ups für den entscheidenden Farbtupfer sorgten und den Saal so richtig zum Tanzen brachten. Eine Wildcard für das kommende Jahr war der Lohn für den besten Auftritt, darin waren sich die Veranstalter einig. Im zweiten Jahr war es der Auftritt von Stereoswitch mit dem eigens von der rechten Bühne herüber geeilten Rapper Mr. Nutty am Mikro, die mit einer brutal geilen Version von Bodycounts „Talk shit – get shot“ für den Auftritt sorgten, über den man noch Tage später gesprochen hat. Zu Recht wurden Stereoswitch zur Band des Abends gewählt und durften dieses Jahr wieder ran. Da man sich zwischenzeitlich in den etwas ungewöhnlichen Namen JOLEEN umgetauft hat, aber die Musik die gleiche geblieben ist, sorgte die Band um ihren Frontmann Florian Schwöbel erneut für einen energiegeladenen Gig. Klarer „Sieger der Herzen“ der diesjährigen Rocknacht waren dagegen MONOMENT, die bereits im Mai 2015 mit ihrem preisgekrönten Hit „Bratwurst is my religion“ den Thüringer Bratwurstcontest gewonnen hatten. Ihr etwas verrücktes musikalisches Gebräu bezeichnen sie selbst als Elektro Mock, der immer wieder von den schneidenden Riffs der tatsächlich brennenden Gitarre von Maurice Fischer (vorher u.a. Mr. Virgin and his Love Army) angetrieben wurde. Dazu gab es eine extra programmierte Multimediashow auf der eigens mitgebrachten Leinwand. Als dann auch noch zum Grande Finale beim letzten Song der legendäre Ex-Gitarrist der Döftels, Thalia-Buchhändler und Beinahe-Astronaut John Evangelium die Bühne enterte, da konnte man in Anbetracht von dessen wallendem Haar für einen Moment meinen, der Gitarrengott höchstpersönlich wäre im Wormser Mozartsaal erschienen. Als die Drei auf der Bühne dann auch noch zur legendären Scorpions-Pose (einer stehend auf den Oberschenkeln der beiden anderen) ansetzten, dürfte auch dem Letzten im Saal klar gewesen sein, dass man dieses Highlight nur schwer würde toppen können. Alle Bedenken der Musiker im Vorfeld, die Zuschauer könnten womöglich nichts anfangen mit diesem herrlichen Nonsens, waren umsonst, denn das war ganz großes Kino!

Still Not Planned
Still Not Planned

Den Auftakt des Abends bestritten SORGENFREI, eine Band aus dem Kreis Frankenthal, die in wechselnder Besetzung bereits seit einigen Jahren besteht, die aber für wenige Tage nach der Rocknacht ihr Abschiedskonzert angekündigt hatte. Während deren Deutschrock im Stile von Silbermond nur knapp dem Proberaum entsprungen schien, konnte man anschließend einen unüberhörbaren qualitativen Unterschied zur folgenden Band SOUL ON wahrnehmen, die mit gestandenen Profimusikern am Start waren und mit ihrem Soul-Funk-HipHop-Gemisch den sich langsam füllenden Mozartsaal in Bewegung brachten. Einer der ersten Höhepunkte des Abends war sicherlich der Gig von THE FABSTERS, die in klassischer Drei-Mann-Besetzung (Gitarre, Bass Schlagzeug) eine beindruckende Zeitreise durch die Rockmusik der letzten Jahrzehnte unternahmen und mit ihren eigenen Songs bei alten Bekannten wie den Beatles, Stones oder Oasis vorbeischauten. Mit STILL NOT PLANNED und CELLAR waren zwei sehr junge Bands am Start, die bereits im Juli 2015 (zusammen mit Soul on und The Fabsters) auf der WO!-Bühne – im Rahmen der Wormser Kulturnacht – für gute Stimmung auf dem Obermarkt gesorgt hatten und die den einen oder anderen schiefen Ton mit jeder Menge Enthusiasmus wett machten. Nicht ganz die aufgrund ihrer professionellen Videos hochgesteckten Erwartungen konnten die Kapuzenmänner von EGO GET YOUR GUN aus Mannheim erfüllen. Zwar merkte man auch hier vom ersten Ton an, dass da echte Könner am Werk waren, auch wenn die Musik auf Dauer etwas gleichförmig erschien. Fairerweise sollte man allerdings erwähnen, dass der durchweg bierernste, dunkle Rock von EGO GET YOUR GUN direkt im Anschluss an den Spaß-Auftritt von Monoment auf manche Besucher womöglich etwas verstörend gewirkt haben mag. Danach schien die Luft etwas draußen und so mancher trat kurz vor Mitternacht den Weg in seine Stammkneipe an. Dementsprechend hatten es die beiden letzten Bands ONE LAST LEGACY (Heavy Metal) und ASSASSINS OF THE WEST mit ihrem doch etwas schwer zugänglichen Potpourri aus Independent, Folk, Punk, Reggae, Rock, Disco und Country Musik nicht ganz einfach, die Aufmerksamkeit des nur noch spärlich vorhandenen Publikums zu erlangen.

Ego Get Your Gun

Ego Get Your Gun

Ein Wort noch an die Meckerer, die vorher bemängelten, dass jedes Jahr die gleichen Bands spielen würden. Das ist schlichtweg Bullshit! Die Mitglieder von JOLEEN (vorher Stereoswitch) waren die einzigen des diesjährigen Line Ups, die bereits bei allen drei Neuauflagen der Wormser Rocknacht im Mozartsaal dabei waren. Zum zweiten Mal (nach 2013) angetreten waren AMEGAPHON mit ihrem Punkrock mit deutschen Texten, der keinem weh tut, aber auch nicht so richtig gekickt hat. Ansonsten haben alle der angetretenen Bands zum ersten Mal bei der Wormser Rocknacht gespielt. Im Vorfeld hatten sich mehr als 50 Gruppen beworben, so dass einem nicht bange sein muss, das Programm für die vierte Auflage, die am 03. Dezember 2016 steigt, könnte nicht mindestens genauso abwechslungsreich wie 2015 werden.

Amegaphon

Amegaphon

Fazit: Elf Bands, darunter sieben aus Worms, haben bei der 3. Wormser Rocknacht erneut unter Beweis gestellt, dass man sich um den musikalischen Nachwuchs der Stadt keine Gedanken machen muss. Auftritt des Abends: ganz klar „Monoment“.