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„Die Vielfalt der kulturtreibenden Personen hat eine besondere Bedeutung für mich“

WO! zu Besuch bei der Kulturkoordinatorin der Stadt Worms, Lena Berkler

Seit 1. Januar 2026 ist Lena Berkler die Neue im Rathaus. Das heißt allerdings nicht, dass für die Mannheimerin dieser berufliche Neuanfang als Kulturkoordinatorin der Stadt Worms auch ein Neuanfang in der Nibelungenstadt ist, denn dort kannte man sie bereits als künstlerische Leiterin des Kunstvereins Worms e.V.

Für Lena Berkler schließt sich mit dem Einzug ins Wormser Rathaus irgendwie auch ein Lebenskreis. Aufgewachsen am Bodensee, war Worms bereits zu diesem Zeitpunkt für sie keine unbekannte Stadt. Da beide Großeltern in Worms lebten, verbrachte sie als Kind viel Zeit in der Stadt und lernte die Kulturdenkmäler ebenso kennen wie das Backfischfest. Nach dem Abitur war es dann auch keine Frage, wieder in die Region zurückzukehren, um in Heidelberg Kunstgeschichte und Geschichte zu studieren. Wie Berkler erzählt, sei die Region rund um den Bodensee grundsätzlich traumhaft schön, aber Kultur spiele eben im RheinNeckarDelta eine ganz andere Rolle. Ihre Rolle fand sie nach dem Studium zunächst als freiberufliche Kunstvermittlerin in der Mannheimer Kunsthalle, wo sie auch später als OnlineRedakteurin arbeitete. Nebenbei war sie Mitbegründerin des Vereins für Kunst und Kulturvermittlung RheinNeckar.

In den Jahren 2021 und 2022 kam sie schließlich beruflich nach Worms zurück und übernahm die künstlerische Leitung im Kunstverein. Bevor sie nun erneut nach Worms zurückkehrte, lernte sie schließlich den Umgang mit kommunaler Bürokratie bei der Stadtverwaltung Mannheim, wo sie bei der Jugendförderung arbeitete und viel beachtete Projekte wie „Girls Go Movie“ betreute. Nun tritt sie die Nachfolge von Kulturkoordinator Dr. David Maier an, wobei Nachfolge nicht ganz richtig ist. Zwar entschied sich Maier dafür, an der Mosel einen neuen Job zu übernehmen, nämlich die Entwicklung des Mosel Musikfestivals. Doch so ganz weg ist Maier dann doch nicht. So kümmert er sich auch weiterhin mit einem Stundenkontingent um „Jazz & Joy“ und das UNESCO Weltererbe SchUM. Die Ehre, die offizielle Kulturkoordinatorin zu sein, also auch die Ansprechpartnerin für Künstler, Kulturtreibende, Vereine etc., kommt Lena Berkler zu.

Speeddating für Kultur

Grundsätzlich ist ihr durch die Arbeit im Kunstverein die Wormser Kulturlandschaft in Teilen durchaus bekannt, doch die Welt als Koordinatorin geht natürlich weit über die Komfortzone eines Kunstvereins hinaus, der sich vor allem auf Malerei und Fotografie spezialisiert hat. Und so gab es Ende Februar, sozusagen als eine ihrer ersten Amtshandlungen eine Art „Speeddating“ mit der neuen Koordinatorin, wie sie lächelnd erzählt. An zwei Tagen bot sie mehrere Sprechstunden an, zu denen sich Menschen aus dem Wormser Kulturbetrieb melden konnten. „Die Nachfrage war sehr groß, sodass wir tatsächlich Gruppen gebildet haben. Eigentlich war angedacht, Einzelgespräche zu führen, doch das ging nicht“, berichtet sie und ergänzt: „Wir hatten schließlich pro halbe Stunde sechs, sieben Leute in der Runde.“ Die Gespräche entwickelten sich zu einer Art Vernetzungsforum, bei dem es natürlich auch um Bedürfnisse und Wünsche ging. Einer der Hauptwünsche war dann auch genau diese Vernetzung, sodass für Berkler am Ende feststand, zu weiteren Terminen einzuladen.

Geht es nach ihrem Wunsch, werden diese an unterschiedlichen Orten stattfinden, also bei Vereinen, in Ateliers oder Kulturlocations wie dem Lincoln Theater. Die Vielfalt der kulturtreibenden Personen hat dabei eine besondere Bedeutung für sie. „Die freie Kunstszene oder Kunst- und Kulturschaffende sind für mich sehr wichtig. Das ist für eine Stadt, die sowohl eine historische, als auch kulturelle Strahlkraft für den Tourismus hat, unsagbar wichtig.“ Um das zu unterstreichen, betont sie: „Ich finde es einzigartig für eine Stadt wie Worms, die keine Metropole ist, wie viel Kulturschätze und historische Zeugnisse diese hat. Das habe ich schon immer als was sehr Besonderes erlebt. Ich habe ja auch Geschichte studiert und auch da war Worms immer wieder ein Thema in meinem Studium.“ Um diese Bedeutung zu unterstreichen, arbeitet sie natürlich auch bei dem wichtigen Thema SchUM mit, wo sie das „Artist in Residence“Programm betreut.

Ein Thema, das sie von ihren Vorgängern zudem übernommen hat, ist auch der geplante Lern und Gedenkort für die Opfer der Nationalsozialisten. Natürlich geht es dabei auch um die Frage, wie sie über Fördermöglichkeiten weitere Einnahmen für das wichtige Projekt generieren kann. Ebenso muss ein Vermittlungskonzept erstellt werden. Auch hier ist der Dialog ein wichtiger Baustein ihrer Arbeit. Daher möchte sie „wichtige Akteure und Denker, Mitdenker“ zur Mitarbeit einladen. Entstehen soll der Ort in unmittelbarer Nähe zum St. Albans Platz. Bis es soweit ist, werden wohl noch viele Gespräche stattfinden, aber auch Spendengelder gesammelt werden. Neben diesem Projekt gilt es natürlich auch, weitere Themen wie Nibelungen, Luther, Kaiserstadt etc., weiter voranzutreiben. Es ist also viel zu tun.

Text: Dennis Dirigo, Foto: Andreas Stumpf