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SHAKESPEARE, PUPPENSPIEL UND GROSSE MUSIK

  Nibelungen-Festspiele 2026 informieren über „Die Hunnenkönigin

Einmal mehr nähern sich die Nibelungen-Festspiele in großen Schritten der aktuellen Uraufführung, die in diesem Jahr auf den Namen „Die Hunnenkönigin“ hört. Zugleich ist diese Inszenierung ein beherzter Schritt Richtung Internationalität. Mit den Autoren und Regisseuren Oliver Lansley und James Seager wird die Sage erstmals aus britischer Sicht erzählt.

Um der Presse und damit auch dem potentiellen Publikum das Stück näher zu bringen, luden die Verantwortlichen der Festspiele in den Mozartsaal. Bevor Macher und Ensemble zu Wort kamen, galt es zunächst, Abschied zu nehmen. Dieser galt einmal Oberbürgermeister Kessel, der wenige Tage zuvor seinen Eintritt in den Ruhestand bekanntgab, sowie den scheidenden Landespolitikern, wie Katharina Binz und Dr. Jürgen Hardeck. Mit den Worten „Mein Bauchgefühl sagt, es wird dieses Jahr was Besonderes“, lenkte schließlich
Intendant Nico Hofmann den Blick auf „Die Hunnenkönigin“. Besonders könnte in der Tat die Aufführung werden und das im positiven Sinne. Im Gegensatz zu Pinar Karabulut, die von Anfang an keinen Hehl daraus machte, die Erwartungen untergraben zu wollen, steht der Ansatz der beiden Engländer im klaren Kontrast. „Wenn man mit den beiden Engländern spricht, fühlen diese sich eher an „Herr der Ringe“ und „Game of Thrones“ als an das „Nibelungenlied“ oder „Hebbels Nibelungen“ erinnert“, erklärte Hofmann, der seit Jahren davon träumt, genau nach diesem Ansatz eine TVProduktion zu produzieren. Auf der Homepage der Theatercompagnie „Les Enfants Terrible“, die von Lansley und Seager gegründet wurde, erklären sie selbstbewusst: „Les Enfants Terribles widmet sich der Schaffung origineller und innovativer Theaterabende, um ein breites Publikum zu unterhalten und zu inspirieren.“ Damit das auch in Worms gewährleistet ist, haben die beiden auch gleich ihr Ensemble (Bühnenbildner, Tänzer, Musiker etc.) mit nach Worms gebracht.

UM WAS GEHT ES?

Im Zentrum stehen die titelgebende Hunnenkönigin und die Frage, wie aus Kriemhild dieser Racheengel an der Seite Etzels wurde? Wie Oliver Lansley erläuterte, deutet er die Geschehnisse als Liebesgeschichte im Konflikt zwischen Liebe und Macht und wie aus einer gebrochenen Frau eine starke Frau wird. Ein Weg von der Trauer zur Rache. „Es ist ein Stück, das mit vielen Einflüssen spielt, mit Shakespeare, der griechischen Tragödie und natürlich britischem Humor“, erklärt Lansley in einem Interview mit der „Rheinpfalz“. Wie die Macher bei der Pressekonferenz verraten, geht es zugleich um das Gefühl der Fremde. Hierbei nutzen die Engländer einfach ihre eigene Landessprache und erklären, dass die Hunnen englisch sprechen werden, um auch auf die Zuschauer das Gefühl Kriemhilds, zunächst in einem fremden Land anzukommen, zu übertragen. Lediglich Etzel darf als kosmopolitischer König von Beginn an in Deutsch sprechen. Geschrieben wurde das Stück von Lansley in englischer Sprache und anschließend übersetzt. Wobei die beiden Briten erklärten, dass sie in Englisch Regie führen, da sie nicht der deutschen Sprache mächtig sind. Ohnehin ist das entscheidende Element der bisherigen Theateraufführungen von „Les Enfants Terrible“ die Bildsprache. Auch hier lohnt ein Blick auf die Homepage. „Bekannt für unsere auffällige visuelle Ästhetik und innovative Verwendung von Requisiten, Puppenspiel und LiveMusik, sind wir davon getrieben, ständig neue Wege zu erkunden, Geschichten zu erzählen und mit unserem Publikum in seltsame und wunderbare Welten einzutauchen, die wir in unseren Shows schaffen.“ Und hier kommt auch Shakespeare ins Spiel. Denn um ein immersives Erlebnis zu schaffen, sind die Zuschauer teils nicht nur dabei, sondern auch mittendrin, wie einst im Globe Theatre des großen britischen Dramatikers. Erstmals wird es bei den Festspielen auch Plätze (je 30) rechts und links der Bühne geben. Zusammen mit den vorderen Sitzreihen ergibt sich dadurch eine Rundbühne (WO! 04/26). Abgesehen von diesem zentralen Element fällt auf, dass Bühnenbildner Sean Turner einen eher minimalistischen Ansatz verfolgt, wie eine Visualisierung an diesem Vormittag zeigte, aber dafür sehr stark auf die Einbindung des Doms setzt, der im vergangenen Jahr im Bühnenbild nahezu verschwand.

WER SPIELT WEN?

Dreh und Angelpunkt einer jeden Inszenierung ist letztlich aber das Ensemble, das sowohl Bühne als auch Texte mit Leben füllen muss. Angeführt wird das Ensemble von Maria Dra?gus?, die Kriemhild spielen wird. Dra?gus? wurde durch den Film „Das weiße Band“ (2010) von Michael Haneke bekannt. Damals noch Kin
derdarstellerin, wurde sie für ihre Rolle mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. Seitdem ist sie eine gern gesehene Darstellerin im TV („Wild Republic“ oder „Tatort“) und Kino („Tiger Girl“, „Maria Stuart“). Wie sie bei der Pressekonferenz bekannte, sind die Nibelungen-Festspiele wiederum ihre erste große Theatererfahrung. Zudem freut sich die Schauspielerin, dass sie in die Aufführung auch ihre Erfahrung als ausgebildete Tänzerin einbringen kann. Der Mann an ihrer Seite, König Etzel, wird gespielt von Aram Tafreshian. Der erfahrene Theaterschauspieler schwärmte im Gespräch mit Thomas Laue (Künstlerischer Leiter) über die poetische Qualität des Textes und freute sich zudem, das Stück bald in Deutsch lesen zu können. Für den Schauspieler Heiko Raulin ist „Die Hunnenkönigin“ eine Rückkehr nach Worms, spielte er doch bereits in „Hildensaga.ein königinnendrama“ als Ersatzschauspieler die Rolle des Hagen. Die spielt er auch in diesem Jahr wieder, diesmal aber durchgehend. Nicht anwesend in Worms war wiederum die bekannte Schauspielerin Jeanette Hain („Honig im Kopf“, „Lindenberg! Mach dein Ding“), die die Rolle der Königsmutter Ute übernimmt. Eigentlich spielt die Geschichte nach Siegfrieds Tod, dennoch überrascht die Besetzungsliste des Stücks tatsächlich mit der Anwesenheit Siegfrieds. Dieser wird gespielt von Vinzenz Wager, der eigentlich Tänzer ist, aber auch als Schauspieler ein gefragter Mann ist. Wagner spielte zuletzt in der erfolgreichen USSerie „Ted Lasso“ mit. Auf Laues Anmerkung, dass Siegfried ja schon tot sei und wie das nun gehe, erklärte der Schauspieler: „Keine Ahnung. Irgendwie bringen sie ihn wieder zurück.“ Wo Tanz auf der Bühne geschieht, kann natürlich die Musik nicht weit entfernt sein. Für die musikalische Untermalung ist der „Les Enfants Terrible“ Hauskomponist Alexander Wolfe zuständig. Unterstützung erhält er von der erfolgreichen Popsängerin Alice Merton. Von deren Live Qualitäten konnte sich Worms bereits 2023 bei „Jazz and Joy“ überzeugen. Zusammen mit Wolfe schrieb sie mehrere Stücke. Zwei davon brachte sie auch mit in den Mozartsaal. „Suffercation“ ist eine treibende Rocknummer. Im Duett gesungen, unterlegt das Stück Kriemhilds Ankunft bei den Hunnen. Mit seiner perkussiven Energie spürt man geradezu die archaische Atmosphäre an Etzels Hof. Deutlich ruhiger zeigt sich das Stück „Smoke Signals“. Wie Merton erzählte, handele der Song von Kriemhilds Liebe zu Siegfried, dem sie buchstäblich Rauchsignale schickt. Die Zeichen für eine spannende Uraufführung sind auf jeden Fall vielversprechend. Dass auch die Neugier der Zuschauer geweckt ist, zeigt ein bereits gut gestarteter Vorverkauf. So verwies Petra Simon, Geschäftsführerin Nibelungen-Festspiele, darauf, dass man bereits bei einer 80prozentigen Auslastung sei.

Text: Dennis Dirigo Fotos: Andreas Stumpf