Von der Prachtstraße zur „Kleinen Welt“
Neue Veranstaltung rückte Wilhelm-Leuschner-Straße in den Mittelpunkt

Seit Jahren ist die „KW“ das Sorgenkind der Wormser Innenstadt. Nun sorgte die Veranstaltung „Kleine Welt“ am 19. September dafür, dass die einstige Prachtstraße zumindest für einen Tag wieder ein wenig strahlte.
Es war die Zeit um 1900, als die heutige WilhelmLeuschnerStraße eine der bedeutendsten Wormser Straßen war. Prächtige Gebäude im Stil der Gründerzeit säumten die Straße. Beheimatet waren darin namhafte Geschäfte, wie das Warenhaus Goldschmitt oder das Hotel Reichskrone. Seit 1887 hörte die ehemalige Carmeliterstraße auf den Namen KaiserWilhelmStraße, der Ursprung der heutigen „KW“. Ihren eigentlichen heutigen Namen bekam sie indes 1947, benannt nach dem ehemaligen hessischen Innenminister, der zur Gruppe des Widerstands gegen Adolf Hitler gehörte und 1944 hingerichtet wurde. Für die meisten Wormser hielt sich dennoch hartnäckig das Kürzel „KW“, die 1976 zur ersten Fußgängerzone in Worms umgewandelt wurde. Auch in dieser Zeit stand die neue Fußgängerzone für die Einkaufsstadt Worms. Geschäfte wie Rheinelek-tra oder das Modehaus Steffan dürften älteren Wormsern auch heute noch ein Begriff sein. Spätestens mit der Eröffnung der Kaiser Passage im Jahre 2005 begann schließlich der schleichende Niedergang der Prachtstraße, da die Ankeradressen Drogeriemarkt Müller und C & A in die neue Passage zogen.
Im Laufe der Jahre veränderte sich das Gesicht der Einkaufsstraße stetig. Aufgrund der gesellschaftlichen Veränderung von Worms wurde die Straße zunehmend zum Symbol des multikulturellen Worms. Zeitweise tummelten sich rund zehn Döner Läden in der knapp 500 Meter langen Straße und ließen Adressen wie den Kinocenter, Optiker Abele oder Café Schmerker fast schon wie Exoten wirken. Viel wurde in den vergangenen Jahren über die zwischenzeitlich ungeliebte Fußgängerzone gesprochen, darunter waren auch Vorschläge, die „KW“ von der eigentlichen Fußgängerzone „abzutrennen“. Während „Worms wird wow“ wurde auch mal wieder eine Agentur beauftragt, die ein Konzept präsentierte, das aber letztlich nur ein Konzept blieb. Die Idee zum „Kleine Welt“-Fest kam schließlich nicht von einer teuren Agentur, sondern vom ehrenamtlichen Beigeordneten der Stadt Worms, Peter Englert. Der wollte bereits als Oberbürgermeisterkandidat 2018 mit einem „DönerFest“ darauf aufmerksam machen, dass die Straße mehr zu bieten hat als ihr Ruf suggeriert.
Ausgestattet mit Fördergeldern von rund 40.000 Euro stand nun endlich einem etwas anderen Straßenfest nichts mehr im Weg. In der Hoffnung, zudem von dem benachbarten Welt kindertagsfest und dem Interkulturellen Fest zu profitieren, stieg das Fest nun am 19. September. Statt allerdings einfach nur Bühnen entlang der Fußgängerzone zu platzieren, fanden die Veranstaltungen in der ungewöhnlichen Umgebung der teilnehmenden Geschäfte statt. Das hieß, dass die Party Band „District Lounge“ im kleinen Hot Döner für heiße Stimmung sorgte, während „Tom und Jen“ im Foyer der Arkaden Lichtspiele die Gäste musikalisch begrüßten. Der Wormser DeutschTürke Sahin Cokbilir sorgte wiederum mit seiner Baglama gegenüber des Miran-Dönercenters für orientalische Klänge. Das Gegenprogramm mit Pfälzer Mundart lieferten ein paar Meter weiter „Die Anonyme Giddarrischde“ als Duo vor der Metzgerei Kaltenborn. Mit einer treuen Fangemeinschaft am Start, durfte natürlich am Ende auch nicht das gemeinsame Singen des bekannten „Pfalz Songs“ fehlen. Für die kleinsten „Kleine Welt“ Besucher gab es eine Hüpfburg und den Zauberer Dr. Alexander Mabros bei Eis Simoni sowie einen Stand von #wormsliebe, die ebenfalls mit Aktionen überraschten. Lustige Fotos mit Wormel und einem Walking Act gab es obendrauf. Arkaden Lichtspiele war wiederum nicht nur Heimat von „Tom und Jen“, sondern lud zudem zu einem Kurzfilmprogramm, darunter auch das Imagevideo des Schlosses Herrnsheim.
Kurzum, es war viel geboten. Klar ist aber auch, dass dieser Tag natürlich nicht die Probleme vor Ort lösen wird. Dennoch zeigte er, wie man einer strauchelnden Adresse zuweilen doch etwas Leben einflößen kann. Ein Tag, der nach Wiederholung schreit.
Text: Dennis Dirigo, Foto: Andreas Stumpf




Dennis Dirigo




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