Auch der Schinken machte keinen Unterschied

, , Kommentar schreiben

Letzter Poetry Slam vor der Sommerpause

07. Mai 2015
Lincoln Theater:

Wo! Urteil: ??????

Poetry Slam und Lincoln Theater – das sind zwei, die sich längst gesucht und gefunden haben. Dass diese beiden so innig miteinander verbunden sind, hat sich in Worms längst herumgesprochen. Ein ausverkauftes Haus untermauerte einmal mehr das ungebrochene Interesse an zumeist kurzweiligen Geschichten junger aufstrebender Poeten.

Moderiert wurde das wie immer von „Mr. Poetry Slam“ Jens Wienand, der die Sprachakrobatik vor rund zwei Jahren auch hier salonfähig machte. Mit gewohnt lässigen Worten erklärte er in Windeseile die nötigsten Regeln, stellte einen weiblichen „Special Guest“ vor, die mit zwei launig lustigen Songs auf den Abend einstimmte, ehe es mit dem Wettstreit der Dichter losging. Elf Poeten waren aus diesem Grund aus ganz Deutschland angereist. Dem Sieger winkte ein Jutesack, der vom Publikum gefüllt werden musste, was es auch reichlich tat. Die Bandbreite der Beiträge war mal wieder enorm. Ergreifend Artem Zolotarov philosophisch feinfühlige Betrachtungen über die Jagd nach dem vermeintlichen Glück. Mit diesem Text traf er auch den Nerv des Publikums. Ebenso begeisterte der Berliner Linguist Volker Schuhmann, der, mit viel Gespür für Sprache, einen Werbeslogan einer Elektrokette auseinandernahm („Mehr Klingel, klingel für weniger Pinke, Pinke.“) und dafür deutliche Worte fand: „Geistlose Sprachersatzmasse!“ Da sich das Publikum am Ende per Applaus für keinen der Beiden entscheiden konnte, griff Moderator Wienand zu ungewöhnlichen Mitteln. Per „Schinken!“ Ausruf musste das Publikum erneut lautstark abstimmen, aber leider machte der Schinken hierbei auch keinen Unterschied. Am Ende gab es zwei Sieger, die sich somit das Jutesäckchen teilen durften. Heimliche Siegerin des Abends war jedoch jemand ganz anderes. Zum ersten Mal stand sie als Slammerin auf der Bühne, die Wormserin Sophia Rishyna. In ihrem ironisch geprägten Text beklagte sie die Abwesenheit richtiger Männer in unserer Zeit. Ein bisschen Mumm und ein paar Haare im Gesicht, verriet die junge WZ Redakteurin, wären auch nicht verkehrt.

Fazit: Erneut zeigte sich, dass das gesprochene Wort schärfer als die Klinge sein kann. Klarer Punktsieg für einen kurzweiligen Abend, bei dem sich alle Gewinner schimpfen durften.