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Der Vergleich der OB-Kandidaten

Michael Kissel (SPD)

Geburtsdatum: 15.01.1955
Geburtsort: Worms
Wohnort: Monsheim
Partei: SPD
Motto: „Klar für Worms“
Homepage: www.michael-kissel.com
Facebook-Präsenz: www.facebook.com/michael.kissel.35
Reichweite: 2.847 Personen haben seine Facebookseite abonniert

Werbeauftritt:
Kissels Werbeagentur Complott Mainz, die bereits Ministerpräsidentin Malu Dreyer im Wahlkampf betreut hatte, setzt einzig und allein auf die „Marke Kissel“. Nicht nur, dass die hellblauen Farben wenig mit dem prägnanten Rot seiner Partei zu tun haben, wird die SPD in Kissels Wahlbroschüre auf 20 Seiten kein einziges Mal erwähnt – außer im Impressum. Damit ihm die Wähler eine dritte Amtszeit gewähren, nimmt Kissel die übliche Ochsentour durch alle Stadtteile auf sich und spricht dort über die Entwicklung der Stadt. Der OB bietet zudem Führungen im Herrnsheimer Schloss, Radtouren zum Tierpark oder Bustouren im Doppeldeckerbus an; auch dann, wenn sich nur eine Handvoll Interessierte einfinden. Selbstredend lässt sich Kissel im Wahlkampf bei fast allen öffentlichen Terminen blicken. Mangelnden Fleiß konnte man ihm wahrlich noch nie vorwerfen. Mangelndes Selbstbewusstsein ebenfalls nicht, denn naturgemäß hat der Amtsinhaber auch die größten Straßenplakate aller OB-Kandidaten.

Strategie:
Der seit 15 Jahren amtierende OB setzt im Wahlkampf auf seine Verwaltungskompetenz und seine langjährige Erfahrung. Seine These: Nur jemand, der die nötige Verwaltungskenntnis mitbringt, kann Worms in die Zukunft führen. Viele Großprojekte würden noch auf ihre Umsetzung warten und nur er, der mitten in der Materie steckt, könne diese fortführen. Im Wahlkampf antwortete Kissel auf die Frage, warum die Leute ihn erneut zum OB wählen sollen, mit einem klaren: „Weil ich es kann!“ Das ist auch seine Botschaft. In der WZ-Homestory erklärte Kissel, dass er den Wahlhelfern gerne eine Stichwahl ersparen würde. Offensichtlich will der OB seinen Sieg bereits im ersten Wahlgang eintüten.

Zielgruppe:
SPD-Stammwähler, Kissel-Fans, Zugezogene Neu-Wormser, die von der Stadt begeistert sind.

Ergebnis letzte OB-Wahl 2011:
46,02%

Einschätzung:
Dass Kissel bei Facebook regelmäßig der Kritik aufgebrachter Bürger ausgesetzt ist, die sich mit seiner Politik nicht einverstanden erklären, muss nicht repräsentativ für Worms sein, zeigt aber eine gewisse Tendenz, dass nicht wenige Bürger nach 15 Jahren etwas „Kissel-müde“ sind. An den 46,02%, die Kissel im Jahr 2011 erreicht hat, muss er sich messen lassen. Damals wählten ihn knapp 15.600 Wormser/innen im ersten Wahlgang. Je nach Zufriedenheit der Wähler mit seiner Politik werden es am 4.11. etwas mehr oder deutlich weniger Wähler sein, die ihm das Vertrauen für eine dritte Amtszeit schenken. Um eine Stichwahl wird Kissel aber wohl nicht herumkommen….

WO! Prognose:
Zwischen 38 und 48%


Adolf Kessel (CDU)

Geburtsdatum: 30.11.1957
Geburtsort: Rheindürkheim
Wohnort: Rheindürkheim
Partei: CDU
Motto: „Unser Worms kann mehr“
Homepage: www.adolf-kessel.de
Facebook-Präsenz: www.facebook.com/adolf.kessel
Reichweite: 345 Personen haben seine Facebookseite abonniert

Werbeauftritt:
Kessels Werbeauftritt spielt mit der Namensähnlichkeit zwischen dem aktuellen Amtsinhaber und dem CDU-Kandidaten. „Das „e“ macht den Unterschied“ lautet die Botschaft, was auch mit einem überdimensionalen „e“ auf den Plakaten zum Ausdruck gebracht wird. Auf großflächigen Plakatwänden und an Laternenmasten ist sein Slogan „Unser Worms kann mehr“ zu lesen und auch beim Straßenwahlkampf in der Innenstadt war Kessel mit dem obligatorischen Infostand vertreten. Wie bei großen Parteien üblich, ließ sich Ende Oktober mit der Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Julia Klöckner, ein CDU-Promi in Worms blicken, der mit Kessel einen öffentlichen Marktrundgang unternahm. Bereits im Spätsommer war der OB-Kandidat der CDU unter dem Motto „Kessel hört zu“ durch Wormser Ortsteile getingelt und hatte sich die Sorgen der Bürger angehört. auch für Kessel gilt: Mangelnden Fleiß kann man ihm nicht vorwerfen. Allenfalls mangelnde Kreativität, denn auf der etwas altbacken wirkenden Homepage findet man zwar jede Menge Pressemeldungen, aber keine Argumente, warum unser Worms (unter Kessel) mehr kann. Auch in den Sozialen Netzwerken findet kaum eine Interaktion mit potentiellen Wählern statt, die meisten Nachrichten verpuffen nahezu ungelesen. Das Internet scheint für die CDU immer noch Neuland zu sein.

Strategie:
Ähnlich wie Kissel kann Kessel auf seine Verwaltungskompetenz und seine langjährige politische Erfahrung verweisen. Was die Inhalte angeht, sind die Unterschiede zwischen Kessel und Kissel nur marginal. Der Rheindürkheimer macht dementsprechend auch keinen Hehl daraus, dass die Politik der letzten Jahre weitestgehend von SPD und CDU zusammen gestaltet wurde. Vielmehr wirbt er damit, dass er für einen anderen Politikstil als der aktuelle OB stehe. Sein Plädoyer lautet daher sinngemäß: „Kessel ist der bessere Kissel.“

Zielgruppe:
CDU-Stammwähler

Ergebnis letzte OB-Wahl 2011:
27,67 % (Kandidat der CDU war Klaus Karlin)

Einschätzung:
Auch hier gelten die 27,67% von Klaus Karlin im Jahr 2011 als Messlatte für Kessel. Bei der letzten OB-Wahl hatte allerdings der Unternehmer Rudolf Strupp auch im Lager der CDU Stimmen abgegrast. Diese Gefahr dürfte diesmal bei keinem der anderen OB-Kandidaten bestehen. Eine gewisse Basis an Stimmen aus dem eigenen Lager sollten ihm also sicher sein, aber neue Wähler wird Kessel vermutlich nicht dazu gewinnen. Ein „etwas besserer Kissel“ könnte vielen Wählern als Argument nicht genügen.

WO! Prognose:
Zwischen 20 und 30%


Richard Grünewald (Bündnis 90/Die Grünen)

Geburtsdatum: 01.12.1967
Geburtsort: Worms
Wohnort: Worms
Partei: Bündnis 90/Die Grünen
Motto: „Heute für Morgen“
Homepage: www.gruene-worms.de
Facebook-Präsenz: www.facebook.com/ GRUENEwaldWorms/
Reichweite: 485 Personen haben seine Facebookseite abonniert

Werbeauftritt:
Neben der üblichen Plakatwerbung, hat der erfahrene Kommunalpolitiker auch großflächige Plakatwände platziert. After-Work-Party mit Neuem Wein, Frühschoppen am Elo, Bürgergespräche, u.a. in Pfiffligheim zum Thema „Fahrradstraße Landgrafenstraße“, sowie der klassische Straßenwahlkampf gehören ebenfalls zu seinem Wahlkampf Portfolio. Grünewald nutzt auch sehr aktiv die Kommunikation per Pressemitteilungen, beteiligte sich als Mitorganisator an einer Demo bezüglich des „Hambacher Forsts“. Er hat eine Facebook-Präsenz, aber keine eigene Homepage. Grünewald ist lediglich auf der Wormser Seite von Bündnis 90/Die Grünen vertreten, die fällt allerdings bezüglich seiner Person etwas oberflächlich aus.

Strategie:
Während sich der grüne OB-Kandidat im Stadtrat mitunter als erbitterter Kissel-Kritiker zeigte, standen beim ersten Diskussionsforum eher die Politikneulinge Artelt, Gräff und Englert im Zentrum seiner Kritik. Grünewalds Wahlkampfziel scheint klar: Mindestens als Dritter ins Ziel gehen, womöglich sogar Kessel übertrumpfen und in die Stichwahl einziehen. Im Zentrum seiner Botschaften stehen natürlich grüne Themen, sind doch die Bürger aktuell sehr sensibilisiert für Themen wie Naturschutz und Ökologie. Ein wichtiges Anliegen ist ihm die Verkehrsgestaltung eines Worms von Übermorgen. Grünewald übt aber auch immer wieder Kritik am Führungsstil des Amtsinhabers. Einen kleinen politischen Erfolg während des Wahlkampfs konnte er mit der Rettung eines Baumes in Pfeddersheim vorweisen.

Zielgruppe:
Grüne-Stammwähler und Kissel-Frustrierte

Ergebnis letzte OB-Wahl 2011:
7, 93% (Kandidat der Grünen war Michael Mahla)

Einschätzung:
Die 7,93%, die der letzte grüne OB-Kandidat, Michael Mahla, im Jahr 2011 erzielte, sollten nicht der Maßstab für Grünewald sein. Richard Grünewald nimmt in seiner Partei und in der Öffentlichkeitswahrnehmung sicherlich eine dominantere Position ein, als Mahla seinerzeit. Zudem sind grüne Themen gerade angesagt, so dass Grünewald eine Verdopplung des Ergebnisses von 2011 zuzutrauen ist.

WO! Prognose:
Zwischen 10 und 15%


Ricarda Artelt (FDP)

Geburtsdatum: 30.09.1973
Geburtsort: Essen
Wohnort: Flörsheim-Dalsheim
Partei: FDP
Motto: „Worms attraktiver machen“
Homepage: www.ricarda-artelt.de
Facebook-Präsenz: www.facebook.com/Ricarda-Artelt-Oberbürgermeisterkandidatin-für-Worms
Reichweite: 433 Personen haben ihre Facebookseite abonniert

Werbeauftritt:
Neben der üblichen Plakatwerbung setzt Artelt auch auf großflächige Plakatwände an vielbefahrenen Straßen. „Worms attraktiver machen – Für die Menschen, für Familien, für Unternehmen“ – dafür wirbt sie mit einem sympathischen Lächeln. Aus ihrer Partei macht sie keinen Hehl, denn der Werbeauftritt ist im neuen Layout der Liberalen gehalten, wo Gelb und Magenta als Farben dominieren. An Samstagen absolvierte Artelt den üblichen Straßenwahlkampf mit einem Stand in der Innenstadt und stattete anschließend den Marktwinzern und der Wormatia einen Besuch ab. Im Wahlkampf verweist Artelt gerne auf ihre Arbeit im RWE Konzern, wo sie 14 Jahre lang in verschiedenen Funktionen im Marketing und im Vertrieb tätig war. Die dort gesammelten Erfahrungen möchte sie nutzen, um Worms etwas lebenswerter zu machen und die Verwaltung unternehmensorientierter zu führen. Während ihre Homepage peppig aufgemacht und mit genügend politischen Inhalten versehen ist, ist der Social Media Bereich ein Schwachpunkt. Eine Interaktion bei Facebook mit potentiellen Wählern findet so gut wie nicht statt.

Strategie:
Dass sich Artelt im Wahlkampf typischer FDP-Forderungen (Senkung Gewerbesteuersatz, weniger Parkgebühren) bedient, sichert ihr Stimmen im eigenen Lager. Als einzige weibliche OB-Kandidatin und zweifache Mutter spricht Artelt zudem speziell Frauen als Zielgruppe an. Ricarda Artelt betont gerne, dass sie eine objektive Sicht auf die Verhältnisse in Worms hätte, da sie von außen kommt und die Region erst seit wenigen Jahren kennt. Manche Wähler werden ihr das wiederum ankreiden.

Zielgruppe:
FDP-Wähler und Frauen

Ergebnis letzte OB-Wahl 2011:
15,53% (Kandidat der FDP war der parteilose Rudolf Strupp)

Einschätzung:
Mit den 15,53% von Rudolf Strupp bei der letzten OB-Wahl sollte sich Artelt nicht messen. Strupp hatte sich zwar von der FDP nominieren lassen, war aber weitestgehend als unabhängiger Kandidat aufgetreten. Das tatsächliche liberale Wählerpotential dürfte wohl etwas niedriger liegen. Eine zweistellige Prozentzahl wäre ein sehr gutes Ergebnis für Politikneuling Ricarda Artelt.

WO! Prognose:
Zwischen 5 und 10%


Georg Gräff (Die Linke)

Geburtsdatum: 15.07.1987
Geburtsort: Heppenheim/Bergstraße
Wohnort: Worms
Partei: Die Linke
Motto: „Für ein sozial gerechtes Worms“
Homepage:
Facebook-Präsenz: www.facebook.com/GraeffGeorg
Reichweite: 34 Personen haben seine Facebookseite abonniert

Werbeauftritt:
Dass von Georg Gräff die wenigsten Werbemittel (wie Plakate, Flyer, etc.) in Worms kursieren, hat damit zu tun, dass „Die Linke“, als kleinste im Wormser Stadtrat vertretene Partei, nicht über die entsprechenden finanziellen Mittel verfügt. Gräff ist auch erst als letzter Kandidat in den Straßenwahlkampf eingestiegen, bietet aber als Ausgleich mehrere Termine in der Woche mit Kaffee und Gebäck an. Er nimmt an Veranstaltungen seiner Partei, wie dem Herbstfest oder dem traditionellen Stammtisch, teil. Auf seiner Facebook Seite, die allerdings kaum frequentiert wird, wirbt er auch für eine Teilnahme an selbigen Veranstaltungen. Eine eigene Homepage, auf denen man sein Programm nachlesen könnte, existiert nicht.

Strategie:
Georg Gräff vertritt viele typisch linke Ansichten und fordert mitunter Änderungen, die aber nicht immer in den Zuständigkeitsbereich eines Oberbürgermeisters fallen. Der an der Bergstraße geborene Gräff kennt sicherlich die Verhältnisse in Worms noch nicht so richtig und ist mit dem geringsten Vorwissen in den Wahlkampf eingestiegen, womit er aber absolut offen umgeht. Er verweist aber in diesem Zusammenhang auf sein jahrelanges soziales Engagement. Kernthema ist ganz in diesem Sinne soziale Ungerechtigkeit.

Zielgruppe:
Die Linke-Stammwähler

Ergebnis letzte OB-Wahl 2011:
2,84% (Kandidat der Linken war Sebastian Knopf)

Einschätzung:
Mehr als die Stammwähler von der Partei „Die Linke“ wird Gräff vermutlich nicht von sich überzeugen können. Da sich diese in Worms nie so stark wie bundesweit durchsetzten konnten, wären die 2,84%, die Sebastian Knopf im Jahr 2011 erreicht hat, auch für Gräff ein sehr gutes Ergebnis.

WO! Prognose:
Zwischen 2 und 3%


Peter Englert (Parteilos)

Geburtsdatum: 30.06.1990
Geburtsort: Worms
Wohnort: Worms
Partei: parteilos
Motto: „#WormsWillWeiter“
Homepage: www.ob-worms.de
Facebook-Präsenz: www.facebook.com/wormswillweiter/
Reichweite: 2.602 Personen haben seine Facebookseite abonniert

Werbeauftritt:
Der jüngste Kandidat führt den unkonventionellsten Wahlkampf. Während die Bewerber der großen Parteien auf großflächigen Plakatwänden werben, startete Englert, nur mit einem Bruchteil von deren Budgets ausgestattet, einen Facebook-Aufruf. Das Ergebnis: Privatleute stellten ihren Balkon für Werbezwecke zur Verfügung, so dass aktuell mehr als 100 Banner im gesamten Stadtgebiet kostenlos für den unabhängigen Kandidaten werben. Auf die klassische Plakatwerbung verzichtet auch Englert nicht, wirbt aber als Einziger mit verschiedenen Motiven wie „Ich kandidiere hier, ich kann nicht anders“ oder „Einfach mal machen!“. Auch den Straßenwahlkampf in der Innenstadt gestaltete Englert anders. Während seine Mitbewerber einen klassischen Infostand aufbauten, stellte er ein Sofa an seinen Standort und unterhielt sich unter dem Motto „Auf die Couch mit Peter Englert“ angeregt mit Wormser Bürgern. Seine Infoveranstaltung im Lincoln Theater lockte 150 interessierte Besucher an. Vor allem aber ist Englert im Social Media Bereich ungeschlagen und erreicht mit einem Posting bei Facebook mehr Interaktionen als alle anderen Kandidaten in einem ganzen Monat zusammen.

Strategie:
Englert geht als Künstler offen und unverbraucht an die Sache ran. Als junger Wormser hat er in erster Linie die hohe Verschuldung der Stadt im Visier und möchte mit einem frischen Blick auf die Dinge das Stadtleben mit kreativen Ideen beleben. In sich rasend schnell ändernden Zeiten der Digitalisierung und einer Wandlung der Gesellschaft würden acht weitere Jahre unter Kissel Stillstand bedeuten. Englerts Botschaft lautet deshalb: „#wormswillweiter“.

Zielgruppe:
Junge Wähler, Kissel-Frustrierte, Parteien-Frustrierte, Freunde und Bekannte

Einschätzung:
Englert setzt in erster Linie auf Jungwähler, spricht aber als Parteiloser auch die Gruppe der potentiellen Nichtwähler an. Als unabhängiger Kandidat nimmt er ein wenig die Rolle des Underdogs ein, der von denen gewählt wird, die von den etablierten Parteien enttäuscht sind. Letztendlich kommt es darauf an, wie viele davon tatsächlich am 4.11. den Weg zur Wahlurne finden. Oder ob sich die Bewegung #Wormswillweiter nur als laues Lüftchen entpuppt. Mindestens ein zweistelliges Ergebnis ist Peter Englert zuzutrauen – nach oben hin offen.

WO! Prognose:
10% + X