Zehn Fragen an fünf Herausforderer

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Die fünf Gegenkandidaten von OB Michael Kissel im Kreuzverhör

Am 4. November findet die OB-Wahl 2018 statt. Der seit 2003 amtierende Oberbürgermeister Michael Kissel kandidiert für seine dritte Amtszeit und muss sich hierbei fünf Herausforderern stellen. Wie schon länger bekannt tritt Adolf Kessel für die CDU an, Richard Grünewald für Bündnis 90/Die Grünen. Die FDP schickt mit Ricarda Artelt die einzige Frau ins Rennen, die – genauso wie Georg Gräff von den Linken – bisher in der Region politisch noch nicht in Erscheinung getreten war. Als unabhängiger Kandidat tritt der parteilose Peter Englert an und bewirbt sich um das höchste Amt der Stadt. Wir haben den fünf Herausforderern zehn Fragen aus Bereichen wie Kultur, Wirtschaft, Tourismus, Verkehr, Innenstadtentwicklung oder Migration gestellt. Die Antworten von Adolf Kessel (CDU), Richard Grünewald (Bündnis 90/Die Grünen), Ricarda Artelt (FDP), Georg Gräff (Die Linke) und Peter Englert (parteilos) finden Sie auf den folgenden zehn Seiten.


Kurzbiografie der OB-Kandidaten:

Adolf Kessel (CDU)
Adolf Kessel ist Wormser durch und durch. 1957 in Rheindürkheim geboren, lebt er bis heute mit seiner Frau in dem Wormser Vorort. Adolf Kessel hat zwei Töchter. Ab 1973 arbeitete er bei der Polizei, zunächst als Schutzpolizist. Auf dem zweiten Bildungsweg studierte er an der FH für öffentliche Verwaltung Fachbereich Polizei. Von 1994 bis 2009 war Kessel beim Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz. Seit 1999 vertritt er den Stadtteil politisch als Ortsvorsteher und sitzt seitdem auch im Wormser Stadtrat. 2009 zog er in den Mainzer Landtag ein.

Ricarda Artelt (FDP)
1974 in Essen geboren, lebt sie mit ihren beiden Töchtern seit 2015 in Flörsheim-Dalsheim. Zuvor war Artelt 14 Jahre in der Energiewirtschaft beschäftigt, mit dem Schwerpunkt Marketing. Seit 2017 arbeitet sie für den Parlamentarischen Geschäftsführer der FDP Fraktion im Landtag, MdL Marco Weber, als Persönliche Referentin und betreut den Wahlkreis Vulkaneifel.

Richard Grünewald (Bündnis 90 / Die Grünen)
Geboren wurde er 1967 in Worms und lebt in Horchheim, wo er auch das Amt des stellvertretenden Ortsvorstehers begleitet. Grünewald ist gelernter Winzer und betreibt das elterliche Weingut Grünewald-Schnell. Mit seinem Fachwissen unterrichtet er am Weincampus in Neustadt. Zuvor studierte er Theologie und arbeitete einige Jahre im Personalwesen bei der Lufthansa. Politisch machte er vor allem im Zusammenhang mit der Debatte um das Gewerbegebiet „Hoher Stein“ als Widersacher von Michael Kissel auf sich aufmerksam und engagiert sich derzeit für das Rheinhessen Hospiz. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

Georg Gräff (Die Linke)
Aufgewachsen ist er im hessischen Hähnlein und geboren wurde er 1987 in Heppenheim / Bergstraße. Seit fünf Jahren lebt der gelernte Einzelhandelskaufmann in Worms. Hier arbeitet er derzeit als Taxifahrer. Wie er sagt, ist das eine gute Möglichkeit nahe an den Menschen zu sein. Viele Jahre hat er sich im Christlichen Kinder- und Jugendwerk „Arche“ engagiert. Kinderarmut ist insofern auch ein Thema, das ihm ganz besonders am Herzen liegt. Georg Gräff ist im Sprecherrat der Partei Die Linke.

Peter Englert (Unabhängiger Kandidat)
Peter Englert ist der jüngste Kandidat in der Runde. Geboren 1990 in Worms, studierte er nach dem Abitur Schauspiel in Mainz. Englert spielte u.a. bei den Nibelungen-Festspielen und ist seit 2015 Ensemblemitglied bei den Festspielen in Bad Hersfeld. Neben seinen Auftritten als Sänger der Döftels erlangte er vor allem überregionale Bekanntheit durch seine Satire Aktion „Terence Hill Brücke“ 2016, die ihren Höhepunkt mit der tatsächlichen Anwesenheit des echten Terence Hill fand. Peter Englert ist unverheiratet und lebt in Worms.


WO! Eines der größten Probleme der Stadt Worms ist ihre Verschuldung. Wie wollen Sie die in den Griff bekommen?

ADOLF KESSEL: Mit gut durchdachten Konzepten, verschlankten Prozessen und besser genutzter Digitalisierung. Die Investitionen müssen weiter erhöht werden, um den Sanierungsstau bei den städtischen Gebäuden und der verkehrs- und digitalen Infrastruktur abzubauen. Zu vielen Ausgaben ist die Stadt gesetzlich verpflichtet und kann nur mit größerer Effizienz bei der Aufgabenwahrnehmung und im Personalbereich Einsparungen erzielen. Im kulturellen und sportlichen Bereich, wie VHS, Jugendmusikschule, Schwimmbäder und Tiergarten, übernimmt Worms als Mittelzentrum auch Aufgaben für das Umland. Beide Bereiche sind für die Attraktivität der Stadt von großer Bedeutung.

RICHARD GRÜNEWALD: 90 Mio. betragen derzeit die Sozialausgaben, das ist der größte Posten im Haushalt. Wir müssen mit langem Atem die Ursachen von Armut und Abhängigkeit bekämpfen. Das hilft den Menschen – und rechnet sich. Zweitens lebt Worms bei Prestigeprojekten über seine Verhältnisse: Wir buttern jährlich 1,9 Mio. in die Nibelungen und haben inkl. Personal 1,5-2 Mio. beim Rheinland-Pfalz-Tag versenkt.

RICARDA ARTELT: Eine Reduzierung der Schuldenlast kann nur durch Kürzungen auf der Ausgabenseite erfolgen. Ein großer Faktor sind die Personalkosten in der Verwaltung. Durch Prozessoptimierung und Digitalisierung sind Personalreduzierungen als ein entscheidender Beitrag zur Haushaltskonsolidierung leistbar. Es müssen auch Einsparungen im Pflichtleistungsbereich Soziales, beispielsweise bei den Unterkunfts- und Heizkosten nach SGB II, geprüft werden. Die Gewerbesteuer muss gesenkt werden, um Unternehmen Anreize zu Expansion und Ansiedlung zu geben.

GEORG GRÄFF: Ganz klar muss hier der Druck auf das Land und den Bund erhöht werden, zusätzliche Gelder zur Verfügung zu stellen. Der aktuelle Gesetzesentwurf des Landes, die Kommunen in Höhe von 60 Mio. Euro zusätzlich zu unterstützen, ist in meinen Augen viel zu wenig. Natürlich kann man die Ausgaben der Stadt genau analysieren und einige kleinere Einsparungen vornehmen, dies ist allerdings der Tropfen auf dem heißen Stein, denn eine Stadt wie Worms darf nicht kaputt gespart werden, dies würde sich stark negativ auf Schulen, Straßen und öffentliche Gebäude der Stadt auswirken.

PETER ENGLERT: Mehr Transparenz bei Gestaltung des Haushaltes und bei Kulturveranstaltungen. Sparpotentiale ausschöpfen, z.B. durch Digitalisierung der Stadtverwaltung, Zusammenlegung verschiedener Abteilungen oder Optimierung von Bauprojekten am Beispiel diverser Parkhäuser. Die Kosten für einen Fuhrpark mit Nobelkarossen, mit denen unsere Stadtführung von einem Chauffeur zu Terminen gefahren wird, kann man sparen. Einnahmen steigern durch: Neues Gewerbe im IT-Bereich („Silicon Worms“), höhere Übernachtungszahlen von Touristen, Etablierung als Wohnort im Rhein-Main-Neckar-Gebiet. Mein Ziel als OB wäre es, bis 2027 eine „schwarze Null“ im Haushalt zu erreichen.


WO! Thema: Innenstadtentwicklung. Was kann aus Ihrer Sicht der OB zur Entwicklung / Förderung der Innenstadt beitragen?

ADOLF KESSEL: Beendigung der Stagnation bei den brachliegenden Flächen des ehemaligen Gesundheitsamtes und des Hochstifts. Die Entwicklung des Nibelungen-Centers zu einem attraktiven Stadtquartier mit dringend benötigtem Wohnraum wartet auf die Umsetzung. Geklärt werden muss ebenso die Frage nach einem Hotel am „Wormser“. Das Hotelprojekt, die neue Feuerwache und das Rathaus II liegen seit einigen Jahren auf Eis. Die verbliebenen Kaufhäuser und Einzelhandelsgeschäfte müssen erhalten und das Angebot insgesamt noch ausgebaut werden; gleiches gilt für Cafés und Gaststätten. Nur durch eine weitere Attraktivitätssteigerung, zu der auch Sauberkeit und Ordnung gehören, kann die Innenstadt weiterentwickelt werden.

RICHARD GRÜNEWALD: Wir müssen uns überlegen, wo wir eigentlich hin wollen: Die Ära der Kaufhäuser als Anker der Innenstadt ist vorbei. Was kommt, ist qualitätsvolles Wohnen und die Stadt als Erlebnisraum mit Flair, das zum Flanieren einlädt. „Wohnstadt Worms“ lautet eine Chance.

RICARDA ARTELT: Eine lebenswerte Innenstadt hängt direkt mit einem prosperierenden Einzelhandel zusammen. Dieser kann aber nur gedeihen, wenn die Kunden den Weg dahin finden. Hierbei stellen günstige und vor allem leicht erreichbare Parkplätze einen entscheidenden Standortfaktor im Wettbewerb der Städte dar. Zur Belebung der Innenstadt fordere ich, die Parkgebühren zu senken. Des Weiteren muss der inhabergeführte Einzelhandel durch Anreizsysteme motiviert werden, sich in der Innenstadt anzusiedeln.

GEORG GRÄFF: Zuerst einmal sollte ein „Runder“ Tisch installiert werden, an dem das Stadtmarketing, die IHK, die Geschäftsinhaber und die Hausbesitzer teilnehmen, um mit ihnen regelmäßig über die Situation der Innenstadt zu sprechen und ihre Vorschläge umzusetzen. Nach diesen Gesprächen sollte eine Innenstadtsatzung erstellt werden. Es muss versucht werden, die Abwanderung renommierter Fachgeschäfte zu verhindern und neue in die Stadt zu locken.

PETER ENGLERT: Langfristig Chancen haben nur Fachgeschäfte, die Waren oder Dienstleistungen anbieten, die man nicht so einfach im Internet bestellen kann. In der Innenstadt fehlt es zudem an abwechslungsreicher Gastronomie, z.B. ein afrikanisches oder spanisches Restaurant oder Angebote für Vegetarier/Veganer. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir nicht nur ein Quartiersmanagement, sondern auch bessere Rahmenbedingungen für Qualitätsgastronomie schaffen, z.B. durch Verzicht auf die Schankerlaubnissteuer. Man kann die Attraktivität der Innenstadt aber auch steigern, in dem man den Ausschluss bestimmter Branchen – wie Spielhallen, Wettbüros oder Prostitution – durch Sperrbezirke festlegt.


WO! Die Stadt lässt sich Kultur viel kosten. Bis heute sind die Nibelungen-Festspiele aufgrund ihrer Kosten bei vielen Bürgern umstritten. Lässt sich die Kulturpolitik aus Ihrer Sicht optimieren?

ADOLF KESSEL: Die Festspiele haben Bekanntheitsgrad und Image der Stadt erheblich gesteigert. Der städtische Zuschuss von durchschnittlich 1,7 Mio. Euro pro Jahr muss auf ein dauerhaft verträgliches Niveau gesenkt werden, ohne dass die Qualität der Festspiele darunter leidet. Das in Zusammenarbeit mit der Hochschule und vielen weiteren Akteuren erarbeitete Kulturkonzept zeigt neue Wege der Kulturförderung auf. Die Förderung darf sich nicht nur auf die kulturellen Leuchttürme in der Innenstadt beziehen, sondern muss das gesamte Stadtgebiet und alle Kulturbereiche und Altersgruppen im Blick haben. Gerade die Brauchtumsveranstaltungen in den Stadtteilen machen das kulturelle Leben so vielfältig.

RICHARD GRÜNEWALD: Es geht bei den Nibelungen nicht in erster Linie um Kultur, sondern um Selbstinszenierung. Kultur ist nicht zwingend auf große Budgets angewiesen, sie wächst kreativ und von unten. Sie zu fördern, braucht eher Offenheit und Risikofreude, denn Geld. Unsere wachsende Theaterszene ist ein gutes Beispiel, wie junge Talente tolle Events schaffen, die echte Anregung geben, statt Pseudo-TV-Unterhaltung.

RICARDA ARTELT: Auf jeden Fall! Und das sehr einfach: Leuchtturmveranstaltungen wie die Nibelungenfestspiele müssen der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Dies kann erfolgen durch Public Viewing an prominenten Plätzen. Das steigert die Akzeptanz bei den Bürgern. Mit einem Weinstand und Speisenangebot wird zusätzlich die lokale Wirtschaft gefördert. Auch die Einrichtung von Familien- oder Vereinstagen trägt zur Akzeptanzsteigerung bei. Um Missmut zu vermeiden, sind außerdem Wormser Caterer für den Heylshof-Park zu wählen. Dies gilt im Übrigen für alle Veranstaltungen!

GEORG GRÄFF: Natürlich, optimieren kann man immer! Auch ich denke, dass sich vor allem in Bezug auf die Festspiele, die sich in Worms schon etabliert haben, einige Einsparungen unter Berücksichtigung des Pareto Prinzips vornehmen lassen. Auch die Attraktivität für mögliche Sponsoren könnte erhöht werden, vielleicht ist es sogar auf diese Weise möglich, dass die Festspiele ihre Kosten selbst tragen können. Das Nibelungen-Museum ist mit einem jährlichen Defizit in Höhe von rund 500.000 Euro ein hoher Kostenfaktor, den es auch zu überprüfen gilt.

PETER ENGLERT: Da ich selbst Teil des Kulturbetriebs bin, ist mir klar, dass Kultur Geld kostet. Trotzdem gilt das gleiche wie für den städtischen Haushalt, es muss eine maximale Transparenz her. Die Festspiele z.B. werden zum Großteil aus Steuergeldern finanziert, also hat der Steuerzahler auch das Recht zu erfahren, wofür die Gelder verwendet werden. Auch die Ticketauslastung ist noch steigerbar. Neu fokussieren muss man die Unterstützung der Jugendkultur, denn sie ist unser kulturelles Kapital der Zukunft. Dazu gehört auch ein Jugendkulturzentrum, das schon im Wahlkampf 2003 den Jugendlichen versprochen wurde.


WO! Worms ist ein durchaus attraktiver Wohnort, allerdings fehlt es zum einen an bezahlbaren Wohnungen, aber auch an attraktivem Wohnraum für einkommensstarke Menschen. Wie würden Sie diesem Problem begegnen?

ADOLF KESSEL: Der Stadtrat hat mit dem 2016 beschlossenen „Masterplan Wohnen“ das unrealistische Ziel vorgegeben, bis zum Jahr 2025 2500 Wohnungen, davon 25% als sozialgeförderten Wohnraum, neu zu schaffen. Außer der Ankündigung ist bisher wenig passiert. Baulücken und Leerstände sollen, wenn möglich, bebaut oder saniert werden. Die Verdichtung muss jedoch ihre Grenzen an klimatischen Bedingungen sowie baulichen und sozialen Belangen finden. Weitere Baugebiete sind zeitnah auszuweisen und zu erschließen. Bei den Bautätigkeiten leistet die städtische Wohnungsbau Gesellschaft einen wertvollen Beitrag. Sie darf aber weder personell noch wirtschaftlich überfordert werden.

RICHARD GRÜNEWALD: Jedes Baugebiet muss 25% Wohnraum für‘s schmale Portemonnaie beinhalten! Unsere Gesellschaft ändert sich: Viele Singles, Alleinerziehende oder ältere Menschen suchen kleine Wohnungen statt großer Einfamilienhäuser.

RICARDA ARTELT: Am Wohnungsmarkt zeigt sich, dass staatliche Eingriffe, wie die von der GROKO beschlossene Mietpreisbremse, nicht dazu beitragen, günstigen Wohnraum zu schaffen. Um bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen, müssen solche Hemmnisse für Investoren abgeschafft werden. Primär gilt es auch, leerstehende Gebäude in den Ortskernen der Stadtteile bzw. Vororte für die Umwandlung in modernen Wohnraum attraktiv zu machen – dies gelingt vor allem durch Investitionsanreize. Hochwertige Wohngebiete sind in den stadtnahen und innerstädtisch liegenden Freiflächen (z.B. Monsheimer Str.) zu schaffen.

GEORG GRÄFF: Das bereits angesetzte Ziel, bis im Jahre 2025 2500 Wohnungen mit einem Mindestanteil von 25% im sozialen Bereich in Worms entstehen zu lassen, muss schnellstmöglich angepackt werden! Auch leer stehende Bauflächen innerhalb der Stadt könnten für den Bau von attraktiven Komfort-Wohnungen genutzt werden, dies würde auch das Stadtbild positiv aufwerten. Bereits erstellte Bebauungspläne sollten noch einmal genauer überprüft werden, hier lässt sich bestimmt auch einiges optimieren. Allerdings müssen auch die Rahmenbedingungen der Stadt verbessert werden.

PETER ENGLERT: Was den bezahlbaren Wohnraum betrifft, so ist das ein Problem, das durch den Bund, also durch CDU und SPD, weiter verschärft wurde. Es ist klar, dass hier die Stadt eingreifen muss und geprüft wird, inwieweit die Zusammenarbeit mit der Wohnungsbau GmbH ausgebaut werden kann. Eine weitere Möglichkeit wäre, bei Neubauten die Auflage zu machen, dass ein bestimmter Prozentsatz an bezahlbarem Wohnraum geschaffen werden muss. Ein Beispiel könnte hierfür mein Wohnprojekt „Hafenstraße“ sein. Dort könnte gehobener Wohnraum geschaffen werden, kombiniert mit günstigen Wohnungen.


WO! Bei der Betreuung der U3 Kinder ist Worms in RLP immer noch auf dem letzten Platz, ebenso wurden Schulen lange Zeit vernachlässigt. Wie sieht Ihr Konzept bezüglich Betreuung und Bildung aus?

ADOLF KESSEL: Auf die Nachfrageentwicklung nach U3-Plätzen wurde zu spät und nicht ausreichend reagiert. Die geplanten Neubauten in der Carl-Villinger-Straße, in Pfiffligheim und im Mersch müssen so schnell wie möglich realisiert werden. Darüber hinaus brauchen wir Betriebskindergärten, die auch während der Schichtdienstzeiten geöffnet sind. Bei den Schulgebäuden und Sporthallen ist nach der Dringlichkeit der Sanierung eine Prioritätenliste zu erstellen.

RICHARD GRÜNEWALD: Es fehlt bei Kitas nicht in erster Linie am Geld, sondern an einer Bauverwaltung, die Projekte umsetzen könnte. Worms plant noch damit, dass 70% der Eltern einen Kitaplatz suchen, es werden aber bald 90% sein. Manche Schulen, Fachsäle oder Toiletten sind auch heute noch vernachlässigt. Wir reden z.B. von digitaler Bildung, haben aber keinen LAN-Anschluss im Klassenzimmer. Hier ist der städt. GBB eher Problem als Lösung.

RICARDA ARTELT: Grundsätzlich gilt: Jeder, der arbeiten möchte, hat ein Anrecht auf einen U3 Betreuungsplatz! Da muss man privatwirtschaftliche Anreize setzen, um die Nachfrage bedienen zu können. Auch sollten lokale Unternehmen, die sich für ihre Mitarbeiter in diese Richtung engagieren möchten, besondere Förderungen erhalten. Darüber hinaus müssen für Berufstätige im Schichtdienst variable Betreuungskonzepte erarbeitet und angeboten werden. Schulen müssen saniert und modernisiert werden. Containerlösungen können und dürfen da nicht die Alternative sein!

GEORG GRÄFF: Das große Problem sehe ich im Fachkräftemangel, sowohl bei Erzieher/innen als auch bei Lehrkräften. Diese Berufe müssen attraktiver gestaltet werden. Vergünstigungen in bestimmten Bereichen wären denkbar, aber auch bei der Ausbildung kann z.B. mit einem Dualen-Ausbildungs-System, das von Anfang an attraktiv vergütet wird, dem Nachwuchsmangel entgegen gewirkt werden. Auch örtliche Vereine oder freiwillige Hilfsdienste, wie z.B. die Feuerwehren, könnten für den Nachmittagsunterricht mit einbezogen werden. Auch das Personal der Stadt im Bereich Bauen muss deutlich erhöht werden.

PETER ENGLERT: Es müssen Betreuungsmöglichkeiten von der KiTa bis zur 7.Klasse, mit dem Ziel der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, vorhanden sein, vor allem, wenn eine Stadt wächst. Diese Entwicklung wurde leider verschlafen. Von daher sind zukünftig viele Gespräche mit privaten Trägern und Firmen nötig. Was die Ausstattung und den Zustand der Schulen angeht, ist jeder dort investierte Euro eine Investition in unsere Zukunft. Unterricht im Container sollte eine Ausnahme und kein Dauerzustand sein.


WO! Die Tourismuszahlen sind steigend, aber als Wirtschaftsfaktor noch nicht ausgeprägt genug. Dennoch ist es eine Branche, die für Worms wegweisend sein kann. Wie würden Sie den Tourismus fördern?

ADOLF KESSEL: Die Tourismuszahlen sind vom Bekanntheitsgrad und dem Image der jeweiligen Stadt abhängig. Die Festspiele haben Worms positiv verändert. Im Lutherjahr 2017 sind die Besucherzahlen weiter angestiegen. Auch die Ausstellung im Andreasstift und das wissenschaftliche Symposium zum „Lutherreichstag“ in Worms 1521, das im Jahr 2021 veranstaltet wird, werden weltweite Beachtung finden. Für eine Verstetigung der positiven Entwicklung ist eine Gesamtkonzeption und eine Vernetzung aller beteiligten Gruppen erforderlich, wie sie derzeit mit Unterstützung der HS Worms in einem Tourismuskonzept erarbeitet wird. Auch ein zentral gelegenes Hotel mit internationalem Standard ist für die erfolgreiche Weiterentwicklung unabdingbar.

RICHARD GRÜNEWALD: Worms ist eine Destination für Tages- oder Zweitagestrips, könnte attraktiv für Wohnmobiler oder Radler sein. Also brauchen wir bessere Stellplätze und Radwege, z.B. am Rhein, die nicht ständig im Nichts enden. Auch das Thema Reformation zieht international Menschen an. Wir müssen es vor Ort erlebbar machen.

RICARDA ARTELT: Um nachhaltige Erfolge zu erzielen, braucht Worms eine gute Tourismusstrategie. Das große kulturhistorische Potenzial, das die Stadt hat, liegt weitestgehend brach. Bei der Vielzahl der Veranstaltungen ist kein roter Faden erkennbar – da ist weniger oft mehr. Den Tourismus fördert man konkret durch eine gelebte! Vernetzung an die Rhein-Neckar Region, durch Anbindung der Rheinpromenade an die Innenstadt und vor allem durch Belebung selbiger mit Veranstaltungen. Auch der Ausbau der Personenschifffahrt im Hinblick auf Kurzfahrten ist ein wichtiger Hebel.

GEORG GRÄFF: Sehenswertes hat Worms einiges zu bieten, hier gilt, bereits Vorhandenes attraktiver zu gestalten. Mehr Informationen vor Ort, vor allem auch diese mit Landessprachen zu versehen, die für Wormser Touristen üblich sind. Auch digital und auditiv gestaltete Hotspots sind eine Möglichkeit, Worms auch für Hör- oder Sehgeschädigte zugänglicher zu machen. Preiswerte Unterkünfte sind rar in Worms, ein Campingplatz und ein großes preiswertes Hotel könnten diese Lücke schließen. Der Innenstadt fehlt ein kurz getakteter Shuttlebus.

PETER ENGLERT: Überarbeitung des touristischen Konzeptes unter Betonung touristisch bisher nicht ausgeschöpfter Ressourcen, z.B. Jüdisches Leben in Worms. Weg von „Zu Fuß durch zwei Jahrtausende“, hin zu ganztägiger Betreuung für Touristen, inklusive Hotelübernachtung und Abendmenü mit Konzert im Andreasstift. Worms fehlt ganz dringend ein großes Hotel, damit wir überhaupt größere Besuchergruppen unterbringen können, ebenso wie ein schöner Campingplatz. Auch der jetzige Parkplatz für Wohnmobile am Rhein ist eine Schande für eine Stadt, die auf Tourismus setzt. Überhaupt sehe ich am Rhein jede Menge Entwicklungspotential, das nicht nur Touristen, sondern auch den Wormsern nutzen würde.


WO! Neue Gewerbeflächen sind rar, für die Einnahmen der Stadt ist aber die Ansiedlung von Unternehmen ein entscheidender Faktor. Wie sieht hierfür Ihr Konzept aus?

ADOLF KESSEL: Die Logistikbranche hat sich in den letzten Jahren prächtig entwickelt und dafür gesorgt, dass viele Menschen eine dauernde Beschäftigung gefunden haben. Darauf gilt es aufzubauen und die Logistik der Zukunft zu etablieren, wo es nicht nur um Transport, sondern auch um die Weiterverarbeitung der Produkte geht. Die Bereiche Chemie, Kunststoff und die Automobilzulieferer müssen die Möglichkeit der Weiterentwicklung am Standort haben; Elektromobilität wäre hier eine gute Entwicklungschance. Firmenansiedlungen und Neugründungen im hohen und mittleren Qualifikationsbereich können im Zusammenspiel mit der Hochschule gelingen, die hierbei entsprechend unterstützt werden muss. Damit sich Unternehmer für Worms als Firmensitz und Wohnort entscheiden, benötigen wir eine individuelle und umfangreiche Beratung und Begleitung bei der Ansiedlung sowie attraktive Baugebiete und Wohnungen.

RICHARD GRÜNEWALD: Entscheidend ist nicht die Zahl der Unternehmen, sondern die Anzahl der Jobs und was dort verdient wird. Heute fehlen nicht mehr Arbeitsplätze, sondern qualifizierte Mitarbeiter! Es geht also nicht um Flächen, sondern um Menschen. Um deren Bildung und Qualifikation müssen wir uns vor allem kümmern.

RICARDA ARTELT: Für die Zukunft ist es elementar, Wirtschaftsförderung unter der Prämisse „Qualität vor Quantität“ zu betreiben. Da es schwierig wird, neue Gewerbeflächen zu finden, ist es umso wichtiger, auf vorhandene Gewerbebrachen wie das Salamandergelände zurückzugreifen. Auf keinen Fall darf dieses Filetstück im Wormser Südwesten als Ansiedelungsfläche für THW, Feuerwehr und EBWO angedacht sein. In Zusammenarbeit mit der Hochschule sollte zudem ein Konzept erarbeitet werden, um innovative Start-Ups bzw. Technologieunternehmen anzusiedeln. Die brauchen nicht viel Platz und ziehen Kaufkraft nach sich.

GEORG GRÄFF: Das Hauptaugenmerk sollte sich auf Büro- und Dienstleistungsgewerbe fokussieren, in Zusammenarbeit mit der Hochschule könnte daraus eine Win-Win-Situation für alle Seiten entstehen. Frei nach dem Motto „Synergien nutzen“. Eine Erweiterung oder Neuansiedlung von Logistik Unternehmen halte ich für kontraproduktiv, dies erhöht unnötig die Emissionswerte und die Verkehrsbelastung, noch dazu bietet es aus finanzieller Sicht keine Aufwertung für den Wormser Arbeitsmarkt.

PETER ENGLERT: Mein Wunschprojekt nennt sich „Silicon Worms“, ein städtisch gefördertes Gründerzentrum für Firmen aus der Kreativbranche und dem IT-Bereich, das in Nähe der Hochschule Worms entstehen soll. Die Innenstadt durch abwechslungsreiche Gastronomie wieder beleben und somit für Touristen interessanter machen. Da das geplante Ibis Styles Hotel, direkt neben dem Wormser, wohl nicht kommen wird, als möglichen Standort für ein Hotel das Hochstift und das ehemalige Gesundheitsamt prüfen. Dort soll aber laut Kissels Plänen das „Rathaus II“ hin, so dass man seine Amtsgeschäfte mitten in dem touristisch interessantesten Teil der Stadt erledigen soll, wo ohnehin schon Parkplatznot herrscht.


WO! Worms ist besonders im Kernbereich Stadt flächenmäßig eng, der Verkehr nimmt wiederum immer mehr zu, damit einhergehend sind auch Umweltbelastungen, aber auch wildes Parken ist ein Thema, was besonders älteren und behinderten Menschen das Fortkommen auf Gehwegen erschwert. Wie sieht Ihr Verkehrs- und Umweltkonzept für das Worms der Zukunft aus?

ADOLF KESSEL: Ein modernes Verkehrskonzept muss alle Verkehrsarten gebührend berücksichtigen. Die B 47 neu wird eine erhebliche Entlastung der Innenstadt und der Anwohner an der Alzeyer Straße bringen. Die Verkehrsführung kann dann den Anforderungen der Kernstadt angepasst und eine bessere Verzahnung von „Einkaufs“- und „Touristenstadt“ erreicht werden. Um die Entwicklung der Elektromobilität voranzubringen, brauchen wir ein entsprechendes Radwegenetz mit Anbindung an die überregionalen Radschnellwege. Mit dem Umstieg auf regenerative Energieträger geht eine Reduzierung der Umweltbelastung einher. Die Parksituation wird sich nach der Fertigstellung des Parkhauses in der Koehlstraße wieder etwas entspannen. Das Angebot an Parkflächen kann auf den Neubau des Parkhauses Ludwigsplatz nicht verzichten. Um dies finanziell stemmen zu können, müssen die Gespräche mit dem Betreiber der Kaiserpassage zielgerichtet fortgesetzt und eine wirtschaftliche und bedarfsgerechte Lösung gefunden werden. Gegen das wilde Parken helfen nur kontinuierliche Kontrollen.

RICHARD GRÜNEWALD: Seit 50 Jahren wurden Städte ans Auto angepasst und daran haben wir uns gewöhnt. Heute merken wir, dass es so nicht weiter gehen kann. In Worms sind 70% aller Fahrten kürzer als 5 km, jede zweite sogar unter 2 km. Sehr viele Menschen möchten auf diesen Strecken mit Rad oder eBike mobil sein, trauen sich aber noch nicht, da gute und sichere Wege fehlen. Hier schlummert ein riesiges Entlastungspotential und die Chance auf mehr Lebensqualität. Beim Parken müssen wir einsehen, dass es keine kostenlosen Parkplätze gibt, da jeder Parkplatz Kosten verursacht oder nicht für anderes wie Cafés, Spielplätze, Radwege, Flanierflächen oder für mehr Sicherheit genutzt werden kann.

RICARDA ARTELT: Als Liberale spreche ich mich für ein gleichberechtigtes Miteinander aller Verkehrsmittel aus. Für eine Mutter mit zwei Kindern ist es sehr schwierig, beispielsweise per Fahrrad oder ÖPNV mit den Kindern Einkäufe zu tätigen. Auch ältere oder mobil eingeschränkte Personen sind oft das Opfer einer mobilitätsfeindlichen Innenstadtpolitik. Hier gilt es wieder ausreichend öffentliche Parkplätze an Plätzen bzw. Fahrbahnrändern, wie dies auf Druck der Wormser FDP am Marktplatz geschehen ist, auszuweisen. Zur Reduzierung der CO2-Belastung sollten die Fahrzeuge des ÖPNV auf Elektroantrieb umgestellt werden, diese Maßnahme verhindert zudem das Dieselfahrverbot.

GEORG GRÄFF: Zukunftsorientiertes Handeln ist hier gefragt. Die Anzahl der Neuzulassungen und Einwohner in Worms und Umgebung steigt stetig, auch wenn das große Chaos in Worms noch ausbleibt, kündigt es sich langsam an. Ein Einbahnstraßen-Ringsystem ist die beste Alternative für die Wormser Innenstadt. Zusätzlich würde dies weiteren Platz schaffen, um einen sicheren, von der Fahrbahn abgetrennten Radweg zu errichten. Auch Bus- und E-Autospuren, sowie mehr Parkplatzmöglichkeiten wären denkbar.

PETER ENGLERT: Als erstes müssen wir als Stadt aufhören, teure Parkhäuser zu bauen. Parken ist wichtig und für viele, gerade in dichten Wohnungsgebieten, ein großes Problem. Aber die Stadt kann nicht alles bewältigen und sollte mehr Kooperationen mit privaten Unternehmen anstreben. Ein gutes Beispiel hierfür ist das baufällige Parkhaus am Ludwigsplatz, das man schon längst der Kaiserpassage hätte überlassen können. Zur Erhaltung unserer Lebensqualität müssen wir alle unser generelles Verkehrsverhalten hinterfragen. Das kann ein OB nicht erzwingen, aber immer wieder ansprechen. Was ein OB erreichen kann, ist, den öffentlichen Nahverkehr mehr zu fördern, sich um den Ausbau von Radwegen kümmern und gemeinsam mit der EWR AG die Elektromobilität in Worms voranbringen.


WO! Für viele Bürger entsteht immer mehr der Eindruck von Parallelgesellschaften, die sich in Worms entwickeln, damit einhergehend auch ein wachsendes Gefühl der Unsicherheit. Wie lautet Ihr Rezept für eine gelungene Integrationsarbeit?

ADOLF KESSEL: Die Basis jeder gelingenden Integration ist das Erlernen unserer Sprache und die Einhaltung unserer Gesetze. Das Abbrechen der Integrations- und Sprachkurse, um eine schlecht bezahlte Arbeit aufzunehmen, muss verhindert werden. Die Menschen müssen von der Sinnhaftigkeit des Spracherwerbs und der Berufsausbildung auch im fortgeschrittenen Alter überzeugt werden. Die Begegnungen zum gegenseitigen Kennenlernen müssen intensiviert werden.

RICHARD GRÜNEWALD: Alle Mitbürger sind willkommen – müssen sich aber an die gleichen Regeln halten. Es gibt sehr viele Gruppen und Initiativen, die Unterstützung verdienen – und es gibt einige wenige, auf die man ein Auge haben muss.

RICARDA ARTELT: Sicherheit und Ordnung sind ein entscheidender Standortfaktor. Ich stehe für „Null Toleranz“ gegenüber Gewalttätern, Verwahrlosungstendenzen, Parallelgesellschaften und Vandalismus! Man muss Einwanderern klar kommunizieren, in welche Gesellschaft sie kommen und dass die Werte der Demokratie – mit dem Grundgesetz als Kern – die Grundlage für ein Leben in Deutschland bilden. Langfristig ist Integration nur erfolgreich, wenn die Eingliederung in den Arbeitsmarkt gelingt. Weiterhin ist darauf zu achten, dass rechtskräftig abgelehnte Asylbewerber entsprechend ausgewiesen werden.

GEORG GRÄFF: Der Migrationsausschuss muss deutlich gestärkt werden. Bei allen Fragen bzgl. der Zugewanderten sollte dieser gehört werden. Auch Ortsbeiräte in Zusammenarbeit mit Streetworkern könnten dieser Problematik entgegen wirken, vorausgesetzt man stärkt diese in ihren Rechten und in ihrem Handlungsspielraum. Straßenfeste oder Veranstaltungen, die als Ziel haben, verschiedene Communitys zusammen zu führen, müssen entwickelt und veranstaltet werden.

PETER ENGLERT: Die Kriminalstatistik sagt, dass Worms sicherer geworden ist, das Gefühl vieler Wormser spiegelt das allerdings nicht wieder. Viele Jahre hat man in Worms über die Sorgen hinweg gehört, das muss sich ändern. Für das Zusammenführen von Kulturen sind die ersten Weichen gestellt. Das „Fest der Kulturen“ ist da ein gutes Beispiel, wenn auch ein wenig zu dogmatisch. Warum nicht einfach im Sorgenkind KW mit den ansässigen Gastronomen eine Art „Dönerfestival“ veranstalten? Nur Begegnungen schaffen den Abbau von gegenseitigen Vorurteilen.


WO! Was empfiehlt Sie für das Amt des Oberbürgermeisters?

ADOLF KESSEL: Ich stehe für einen anderen Politikstil. Mittelpunkt des Denkens und Handelns, von der Stadtspitze bis zum Sachbearbeiter, müssen immer die Bürgerinnen und Bürger sein. Politik hat eine dienende Funktion und darf nicht zum Selbstzweck werden. Zudem lege ich großen Wert auf einen respektvollen Umgang mit den Mitgliedern des Stadtrates, der Ortsbeiräte und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der städtischen Verwaltung.

RICHARD GRÜNEWALD: Alles, was ich bisher erreichen durfte, konnte nur im Team gelingen. Mir liegt es, Menschen für Aufgaben zu begeistern, Ihnen viel zuzutrauen, Freiräume zu lassen und auch manches zu fordern. Diese Kultur will ich auch als Oberbürgermeister leben, denn wir haben in Worms genug helle Köpfe, die viel können, wenn sie denn dürfen. So führt man heute.

RICARDA ARTELT: Im RWE Konzern habe ich zwei wichtige Entwicklungen maßgeblich mitgestaltet und begleitet: Zum einen den Weg vom reinen Energieversorger zum Dienstleistungsunternehmen und zum anderen den Weg des Ruhrgebiets von der Arbeiterregion zur Kulturmetropole. Vor genau diesen Herausforderungen stehen wir hier – die Verwaltung muss sich dienstleistungsorientiert aufstellen und Worms muss sich besser verkaufen und die Potenziale ausschöpfen. Ein weiterer Aspekt ist, dass ich keinerlei alte Seilschaften in Worms habe. Ich kann mich mit völlig neutralem Blick sofort an die Arbeit machen.

GEORG GRÄFF: Mir ist sehr wohl bewusst, dass ich im Bereich der kommunalen Verwaltung kaum bis keine Erfahrung nachweisen kann. Dem sehe ich aber mit meiner Leistungs- und Lernbereitschaft positiv entgegen. Auch meinen Status als Novize und Zugezogener sehe ich nicht unbedingt als Nachteil, es eröffnet mir sogar eine ganz neue Herangehensweise. Mir wird oft nachgesagt, dass ich „selbstlos“, aber „korrekt“ sei, hierüber lässt sich sicherlich streiten, aber eins bin ich mit Sicherheit. Nicht käuflich!

PETER ENGLERT: Ich bin kreativ, kommunikativ, arbeite lösungsorientiert und werde sicherlich ein ganz anderer Typ OB sein. Das Ziel unserer Bewegung #WormsWillWeiter ist ein innovatives und modernes Worms, das den nachfolgenden Generationen keinen riesigen Schuldenberg hinterlässt. Da ich parteilos bin, wäre ich ein neutraler Oberbürgermeister und kann mit allen im Stadtrat vertretenen Parteien das bestmögliche Ergebnis für die Stadt Worms erreichen, frei von Parteizwängen oder irgendeiner Wahlkampftaktik.