Bei Sanierung der Ringanlagen Reste des Luginsland-Turmes freigelegt

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Unvorhersehbare Absackungen am Treppenpodest und archäologischer Fund im Untergrund verzögern den für Dezember geplanten Abschluss der Sanierungsarbeiten der Ringanlagen im Bereich des Willy-Brandt-Rings / Fertigstellung nun im Frühjahr 2019  

Zurzeit laufen die Baumaßnahmen zur Sanierung der Ringanlagen im Bereich des Willy-Brandt-Rings.  Die ursprüngliche Planung hatte die Treppen- und Maueranlage sowie den oberen Patz am Wergers Eck weitgehend ausgespart. Im letzten Winter wurde die planende Abteilung Grünflächen und Gewässer jedoch durch massive Absackungen am Treppenpodest auf große Hohlräume unter der Treppe aufmerksam. Die Sanierungsmaßnahme wurde daraufhin um die schadhaften Treppenläufe erweitert, die Stufen wurden aufgenommen und die Fundamentierung komplett neu hergestellt. In diesem Zusammenhang wird auch die Entwässerung am oberen Platz des Werger Ecks neu geregelt werden, so dass das Oberflächenwasser künftig nicht mehr gegen die Mauer geführt wird und dort weitere Bauschäden an Mauer- und Treppenanlage verursachen kann. Der Platz wird nun in weiten Teilen ebenfalls gepflastert und das Wasser über eine Pflasterrinne den neu angelegten Sickergruben zugeführt.

Bei den Aushubarbeiten für den Pflasteroberbau stieß die Baufirma auf Reste von Sandsteinmauern. Die Denkmalpflege wurde hinzugezogen und die vor Ort tätige Baufirma legte die Mauerreste vollständig ca. 20 Zentimeter tief frei. Mit aller Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei den vorgefundenen Mauerresten um die Fundamente des sogenannten Luginsland-Turmes aus der mittelalterlichen Stadtbefestigung, der historisch belegt ist und in mehreren Stadtdarstellungen zu sehen ist.

Abgesehen von der fortifikatorischen Funktion als Wehrturm, ist der Luginsland-Turm für die Geschichte der Stadt Worms aufgrund einer Anekdote sehr bedeutend: dort habe Kaiser Friedrich II. im Jahr 1235 seinen Sohn Heinrich VII. inhaftieren lassen. Der Fund wurde von der Landesarchäologie unter Beteiligung der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Worms gesichtet und dokumentiert und der Fundamentrest danach wieder verfüllt. Eine Bildtafel vor Ort mit Texten, Fotos und Plänen soll künftig auf den Fund und seine historische Bedeutung hinweisen.

Durch die notwendige Erweiterung der Maßnahme und den archäologischen Fund kommt es zwangsläufig zu einer Verlängerung der Bauzeit. Das ursprünglich geplante Bauende im Dezember 2018 wird sich demnach in das Frühjahr 2019 verschieben.

Text und Foto: Stadt Worms