Der etwas andere Fragebogen

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Diesen Monat: Alessandro Balzarin (Fotograf)

KURZBIO Vielen Wormsern dürften Alessandro Balzarin als Fotograf und seine Bilder aus der lokalen Presse kennen. Wer allerdings bei seiner Ausstellung, die am 7. November im Wormser eröffnet wird, dementsprechend eine Werkschau seiner besten Fotografien erwartet, dürfte erstaunt sein. Unter dem Titel „Der innere Schweinehund“ und „Aus der Natur“ pra?sentiert er im Oberen Foyer des Tagungszentrums, gemeinsam mit seiner siebenja?hrigen Tochter, eine bunte Werkschau seiner unterschiedlichen Kunstfertigkeiten. Die Interessen und ausgeübten Berufe des Deutsch-Italieners sind mannigfaltig. Diamantengutachter, Schweißer, Siebdrucker, Goldschmied; das Fassen von Edelsteinen und Arbeiten mit Beton und Schweißen gehört hier genauso dazu, wie die Kunst des Kampfsports. Und das ist nur ein kleiner Auszug der ungezügelten Kreativita?t und von den vielfa?ltigen interessen des „Sandro“ Balzarin. Seit 1998 arbeitet er als Bildjournalist für Presse und Industrie. Zuvor studierte er Elektrotechnik und Bauingenieur und eine Zeitlang Mineralogie. Wenn er gerade mal nicht kreativ unterwegs ist, kümmert sich der hochgewachsene Mann mit der eindrucksvollen Schuhgröße 47 um seine Kneipe in Frankenthal und natürlich um seine Tochter Julia.

Warum eine Ausstellung mit Ihrer siebenjährigen Tochter?
Die Idee entstand aus einer Laune heraus. Ich wurde öfters mal gefragt, ob ich eine Ausstellung machen wolle. Daran hatte ich allerdings nie Interesse. Zu teuer, zeitintensiv und dadurch unrentabel! Außerdem habe ich jeden Tag eine Bilderausstellung. Also für mich völlig reizlos. Ab dem letzten Jahr bot ich an, wenn schon, nur eine Ausstellung mit meiner Tochter machen zu wollen. In elitären Kunstkreisen eigentlich ein Unding, gerade in dem jungen Alter meiner Tochter. Jedoch ist sie kreativ und hat für ihr Alter ungewöhnlich viel Ausdauer und somit beste Voraussetzungen dafür. Auch würden wir, oder zumindest ich, nichts mit Fotografie im eigentlichen Sinne machen. Frank Schumann fand die Idee gut und konnte weitere Verantwortliche dafür begeistern. Damit hatte er mich festgenagelt, eine Ausstellung zu gestalten.

Was bedeutet es für Sie, sich künstlerisch auszudrücken?
Das ist das von mir viel zu lange vernachlässigte Salz in der Suppe.

Was inspiriert Sie?
Die Umgebung, leider lasse ich mich ganz leicht für nahezu alles begeistern.

Welche Künstler haben Sie beeinflusst?
Wenige. In meiner Jugend war das Vincent van Gogh mit seiner rauschartigen Schnelligkeit, mit der er seine Gemälde schuf. Michelangelo und besonders Leonardo da Vinci, wegen der allumfänglichen Genialität. Da ging es nicht nur darum, schöne Bilder an die Wand zu malen, sondern um die Künste im Allgemeinen. Mir ist in der heutigen Zeit nichts Vergleichbares bekannt. Heutzutage beobachte ich eher, wie Künstler lanciert werden oder auftreten. Meiner Meinung nach geht es immer weniger um Kunst oder die schönen Künste in Philosophie, Mathematik, Architektur, Sprache usw., sondern mehr um Geld, als Rendite eines Investments.

Ab wann ist Fotografie Kunst?
Wenn Bilder eine Aussage haben; im Idealfall auch noch harmonisch umgesetzt. Ganz kurz lässt es sich auf alles projizieren: wenn Handwerk auf Genialität trifft.

Was ist Ihr Lieblingsgeräusch?
Ich habe keines, gut finde ich auch die Stille (aber nur von oben)!

Was ist Ihre bevorzugte künstlerische Ausdrucksform?
Möglichst viele Emotionen anzusprechen.

Welche Eigenschaften an Personen mögen Sie nicht?
Egoismus, Humorlosigkeit, mangelnde Charakterstärke und Dummdreistigkeit.

Ein Ort, an dem Sie gerne sein möchten und warum?
Norditalien, die Kultur der Herkunft meines Vaters liegt mir nahe. Oder in meinem „Gaade in Fränsem“.

Die Welt geht in 24 Stunden unter, wie würden Sie die Zeit verbringen?
Ich würde für alle Familienangehörige und gute Freunde + Hund, Katz und Maus versuchen, eine moderne Arche zu bauen. Mit Whirlpool, Wald, Internet, Südbalkon und Espressokocher!