Der etwas andere Fragebogen

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Diesen Monat: Sascha Kaiser

KURZBIO Sascha Kaiser wurde 1975 in Berlin geboren, wuchs aber im idyllischen Allgäu auf. Nach seinem Fachabitur Wirtschaft führte ihn der Weg nach Worms, wo er an der Hochschule Internationale Betriebswirtschaft studierte. Während des Studiums war er unter anderem für das Nationale Olympische Komitee und die Deutsche Sport-Marketing GmbH tätig. Als frisch diplomierter Betriebswirt arbeitete er zunächst als externer Berater für den Bereich Marketingcontrolling für die Nibelungenfestspiele gGmbH, das Kulturbüro der Stadt Worms und die Nibelungenmuseum Betriebs GmbH. Außerdem fungierte er als Berater für die Olympia Curling- Damen-Mannschaft von Salt Lake City in den Bereichen Sponsoring und Marketing. Seit April 2007 ist er Prokurist und seit Januar 2008 Geschäftsführer der Nibelungenfestspiele gGmbH sowie Geschäftsführer der Kultur- und Veranstaltungs GmbH. Zusätzlich engagiert er sich im Wirtschafts- und Verwaltungsrat von Wormatia Worms und ist gemeinsam mit Rainer Kern Sprecher der Metropolregion Rhein-Neckar. Entspannung findet er beim Tennisspielen. Im Verein Tennisclub Bürgerweide e.V. ist er derzeit auch der 1. Vorsitzende.

In diesem Jahr scheint wohl Urlaub in der Heimat an neuer Attraktivität zu gewinnen. Was macht den Reiz des Allgäus aus?
Das Allgäu ist meine Heimat und ich verbinde meine Kindheit, Jugend und unzählige Erinnerungen damit. Natürlich hat man eine andere Perspektive, wenn man dort lebt – vieles erscheint selbstverständlich. Heute, nachdem ich vor einigen Jahren mein Elternhaus in Pfronten verlassen habe, weiß ich alles sehr zu schätzen: Die Berge und Landschaften beeindrucken mich immer wieder – das Landschaftspanorama gibt Dir sofort ein geborgenes Gefühl und Energie. Im Allgäu bist Du in einer anderen Welt – mir gibt jeder Trip Luft zum Atmen und Abstand zum Alltag. Die vielen kleinen Brauereien und das gute Essen möchte ich an dieser Stelle auch nicht unerwähnt lassen. Aber, und das möchte ich betonen, ich schätze auch sehr mein heutiges Leben in Worms, das ebenfalls viele Vorzüge hat.

Mit welchen zwei Sätzen würden Sie einem Fremden Worms beschreiben?
Worms wurde und wird immer wieder als die heimliche Kulturhauptstadt in Rheinland-Pfalz bezeichnet – in meinen Augen eine treffende Beschreibung, die ich gerne unterstütze. Worms glänzt durch Reichtum an Geschichte und Kultur, viele schöne Orte, Geselligkeit und Wein, aber auch durch eine zentrale Lage und durch kurze Wege, was für mich Zeit bedeutet.

Was haben Sie immer dabei (außer Ihrer Frau), wenn Sie in Urlaub fahren?
Eine Basecap, Sportsachen und Bargeld. Eine Basecap, da meine Frisur wenig Regen-/Sonnenschutz bietet; Sportsachen, da Sport für mich im Urlaub dazu gehört und Bargeld, da ich schon einige unglückliche Erfahrungen mit defekten Bankautomaten machen musste.

Ihr Reisetraumziel und warum?
Ich habe tatsächlich viele Reiseziele. Australien ist eines davon. Ich gebe zu, dass ich nicht nur durch die Landschaft und die Städte angezogen werde, sondern auch durch die Australian Open. Die Westküste der USA steht außerdem weit oben auf meiner Liste. Zuletzt war ich mit 16 Jahren dort – auch wenn es schon ein paar Tage her ist, erinnere ich mich sehr gerne zurück. Für beide Ziele braucht man Zeit – das ist nicht immer einfach … Aber ich liebe auch Städtetrips, als kleine „Inseln“ im Jahr. Es gibt noch sehr viele, die ich ansteuern möchte.

Wie entspannen Sie?
Mit viel Sport, in der Sonne, mit gutem Essen und Getränken, wenig Handy und Abstand zum Alltag.

Welche Aufführung der Nibelungen-Festspiele hat Sie persönlich am meisten begeistert?
Muss ich mich entscheiden? Spontan denke ich an zwei Inszenierungen: 2004/2005: „Die Nibelungen“ von Friedrich Hebbel. Die Aufführung von Karin Beier war einfach nur gewaltig: Text, Besetzung, Musik, Bühnenbild, Maske etc…. Rundum: Wow! 2018: „Siegfrieds Erben“ von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel im Jahr eins mit Roger Vontobel. U. a. die Inszenierung des Doms als ein Hauptdarsteller war für mich magisch. Das Stück hatte sehr viel Energie, die noch lange nach Ende der Festspielzeit auf mich gewirkt hatte. Außerdem hat uns aus allen Richtungen unglaublich viel positives Feedback erreicht – für mein Team und mich in meiner Funktion ein tolles Gefühl.

Sie haben ein offenes Budget für Jazz & Joy. Welche drei Acts würden Sie gerne dort sehen?
U2, Die Ärzte und, wenn ich Tote wieder zum Leben erwecken könnte, Frank Sinatra. Wobei mir an dieser Stelle wichtig ist zu betonen, dass die Auswahl unserer Acts nicht ausschließlich eine Budgetfrage ist. Natürlich planen wir im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten, aber es ist uns wichtig, dass für jeden Besucher etwas dabei ist und an drei Tagen auf fünf Bühnen unterschiedliche Genres zu finden sind. Offenes Budget wäre toll – aber wir sind auch so sehr glücklich, bisher immer ein einmaliges Programm auf die Beine gestellt zu haben. Einen großen Dank hier auch an unsere Partner und Sponsoren.

Bundespräsident Steinmeier bezeichnete Kultur als sprichwörtliches Lebensmittel. Warum ist Kultur für uns wichtig?
Kultur als Lebensmittel zu bezeichnen, triff es sehr gut. Kultur ist lebensnotwendig und bereichert unsere Gesellschaft. Kultur, in all ihren Facetten und Formen zu erleben bzw. zu erschaffen, gibt uns Raum und Impulse, sie inspiriert uns, gibt Anlass zu Kritik, sie vervollständigt uns. Ich würde den Vergleich gerne ausweiten: Kultur ist Grundnahrungsmittel und Würze zugleich.

Was können wir Ihrer Meinung nach aus der Corona-Krise lernen?
Demut und Solidarität. Die letzten Wochen waren sehr „Bewusstseins erweiternd“. Ich denke, man sollte im Alltag mehr Wahrnehmung und Wertschätzung üben. Das beziehe ich auf alle Lebens- und Wirkungsbereiche.

Wie sieht für Sie ein perfektes Dinner aus?
Auch wenn ich sehr gerne esse und trinke, kommt das Menü an sich erst an zweiter Stelle. Die Gesellschaft und der Ort machen für mich ein perfektes Dinner aus. Gerne esse ich vielfältig und ausgedehnt, damit man den Abend lange genießen kann. Wormser Wein darf natürlich nicht fehlen.

Wir danken für das Interview