Der Reiz des Verbotenen (!)

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Verbote sind unvermeidliche Regelungen zum möglichst friedlichen Miteinander von kleinen und großen Gruppen von Menschen. Ohne Verbote kann kein Staat und keine Menschengruppe auf Dauer existieren. Dennoch haben Verbote den Nachteil, dass sie grundsätzlich die Freiheit des Einzelnen einschränken. Es kommt aber darauf an, dass Verbote sinnvoll und nützlich für alle sind. Zu viele, übertriebene und die nur einem Herrscher oder einer Clique dienen, schaden dem Gemeinwohl und sind daher abzulehnen.

Nur aber zum Konkreten und Praktischen! Und da werden wir bald sehen, dass es allzu viele Verbote gibt. Dabei stellt sich automatisch die Frage: Wer hat (wirklich) das Recht, anderen Verbote zu schaffen, wenn er sich selbst nicht an diese hält. Und dabei muss noch erinnert werden an die unfrei machende Eigenschaft ALLER Verbote!

Jetzt zum Kern des Themas und wie man Verbote (gern) umgeht und sich Freiheiten zurückholt. Schon ganz am Anfang, bei Adam und Eva, kennen wir die Geschichte (Legende) von dem verbotenen Baum. Und siehe da: Just von diesem holen sie sich den Apfel. Anzumerken ist, dass erst durch das Verbot, die Frucht ihren besonderen Reiz bekam. Anderes klassisches Beispiel ist der Raub der Schönen Helena. Da war neben der Schönheit dieser Frau auch der Reiz, sie dem anderen und Mächtigen wegzunehmen.

In der Gegenwart geht es ebenso weiter: Verbotene Bücher (Index!), verbotene Filme (für Jugendliche) sind automatisch interessanter, als erlaubte. Hierhin gehören Lausbuben- und Schülerstreiche. Rauchen und Alkohol wären für Jugendliche nicht so reizvoll, wenn sie von den Eltern, Lehrern und der Gesellschaft NICHT verboten wären. Auch bestimmte Redensarten künden von unserem Kapitel. Da heißt es: ein Schnippchen schlagen, an der Nase herumführen, jemanden hereinlegen, Fallen stellen usw. usf.

Nochmal zu Klassik und Bibel: Odysseus überlistet den einäugigen Polyphen und im Alten Testament besiegt der kleine David den Riesen Goliath. Im Märchen besiegt der schlaue Igel den schnelleren Hasen. Im Alltag legt der kleine Fritz oftmals den Vater oder die Mutter rein. – Das Schild „Vorsicht, frisch gestrichen!“ reizt manchen, doch mal mit dem Finger hinzulangen.

Was uns ehrliche Bürger heute sehr besorgt macht, ist die bedenklich wachsende Kriminalität bei zugleich reduziertem Polizeiapparat! Wie gerade gemeldet wurde, geschieht in der BRD alle drei Minuten ein Einbruch und der volkswirtschaftliche jährliche Schaden geht bereits in dreistellige Millionen. Das „Diebsgesindel“ erfindet ständig neue Maschen und ist damit der Polizei immer eine Nasenlänge voraus. Nebenbei: Ich erlebte bereits zwei Betrugsversuche und wurde Opfer von einem Taschendieb und einem „erfolgreichen“ Einbruch mit großem Schaden. – An dieser Stelle gilt zu bilanzieren, dass Räuber und Betrüger vermutlich doppelte Freude beim Klauen haben werden. Einmal durch die Beute selbst, alsdann durch den Umstand, den biederen und einfältigen (?) Bürger überlistet zu haben. Hierhin gehört der vielsagende Ausdruck von der „diebischen Freude“.

Zur Abwechslung einige Zitate und Weisheiten:

  • Was nicht verboten ist, ist erlaubt.
  • Was dem Zeus erlaubt ist, ist dem Ochsen nicht. (latein.)
  • Die Zehn Gebote sind im Grund neun Verbote.
  • Das Gefährliche an den Verboten: dass man sich auf sie verlässt, dass man nicht darüber nachdenkt, wenn sie zu ändern wären. (Elias Canetti)

Zum guten Schluss nun wieder die gewohnte „Spaßkiste“:

Fragt ein Knastbruder den anderen: „Warum haben sie dich wieder eingesperrt?“ Antwortet der andere: „Wegen meines guten Glaubens.- Ich hab’ geglaubt, sie erwischen mich diesmal nicht.“

Alsdann grüße ich alle meine Leser/innen ganz herzlich!
Ihr Heinz Dierdorf

Nachtrag aus gegebenem Anlass:
Wenn wieder jemand mich in der Öffentlichkeit entdecken sollte, möge er mich ruhig ansprechen. Ich würde mich „diebisch“ freuen.