›Verbraucher‹ statt Menschen (!)

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Versorgungsbetriebe für Gas, Wasser, Strom usw. bezeichnen gewöhnlich ihre Kunden nur noch als „Verbraucher“, ohne zu bedenken, dass dies eigentlich eine abwertende Benennung ist. Verbrauchen und erst recht Verschwenden ist von Natur aus immer etwas Negatives. Denn sobald etwas verbraucht ist, ist es nicht mehr da und kann keinem mehr nützen. Aber in einem kapitalistischen Betrieb ist jeder Verbrauch hoch willkommen, bringt er doch mehr und mehr Profit. Und die Profitgier ist in unserem System die „Seele vom Geschäft“. Sollte es jemand anders sehen, so wäre er ein „Wirtschaftsfeind“ und den gilt es zu beseitigen!

Was die Sache noch schlimmer macht ist der Umstand, dass praktisch jedes dumme Ding, jedes Gerät, Verbrauch schafft und das in jeder Menge und zu jeder Zeit. So gesehen, wäre der Mensch überflüssig. Völlig überflüssig ist er momentan noch nicht. Er wird vorläufig noch gebraucht, als jener, der dem Unternehmen und der Wirtschaft das Geld bringt. Ganz bequem inzwischen, dass die Lieferfirma natürlich längst die „Selbstabbuchung“ tätigt. Sollte aber der Kunde dabei zu viel abgebucht bekommen haben, kriegt er meistens größere Probleme, sein Geld zurück zu erhalten…

Wirtschaft und Staat jubeln über steigende Einnahmen und ständig finden sie neue Ruhmestitel, wie „Exportweltmeister“ und „stärkste oder zweitstärkste Wirtschaftsnation“ Dass dabei die Löhne der Beschäftigten seit etwa 10 Jahren gefallen sind, die Alters- und Kinderarmut erschreckend gestiegen sind, wird amtlicherseits gewöhnlich gern verschwiegen. Nicht zu vergessen: Die beständige Massenarbeitslosigkeit wird von der Regierung als „normal“ oder gering bezeichnet. Den Mittelstand gibt es praktisch nicht mehr. Wen kümmert es schon, dass mehrere zehntausend (oder mehr?) Menschen obdachlos auf der Straße „hausen“ müssen, viele tausend Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken und Millionen weltweit auf der Flucht sind?

Wie schon in der Überschrift angedeutet, wird gleich mit Worten getäuscht bzw. gelogen. Hierzu ein paar Schwindelwörter zum Beweis. (Man könnte aber vermutlich Hunderte von ihnen finden). Da heißt es „freigesetzt“, statt entlassen. „ARBEITSKRÄFTE“, Menschenmaterial Arbeitnehmer, statt Arbeitende. Wir haben ein „Verteidigungsministerium“, das früher ehrlich „Kriegsministerium“ hieß. Im Fernen Osten wird angeblich unsere „Freiheit verteidigt“. Das möge genügen, denn ein Mehr könnte langweilen oder kontraproduktiv wirken.

Auch mit dem Ruhm ist es ähnlich. Wilhelm Busch eignet sich wieder einmal prima als mein „Kronzeuge“, indem er kurz und gereimt sagt:
„Ruhm hält, wie alle Schwindelware, nur selten über tausend Jahre“ (Hitler lässt grüßen).
Und damit sind wir beim tiefen Grund allen Täuschens und Schwindelns angelangt. Es fragt sich: Warum also muss denn überall und immerzu gelogen werden, dass sich „die Balken biegen“? Antwort, ganz einfach: Durch Mogeln und Schummeln erreicht der Mensch (meist bequem), was er auf ehrliche Art kaum oder nie schaffte. An dieser Stelle sei erinnert, was ich soviel früher schon berichtete , dass „Lügenforscher“ herausgefunden haben: Der Durchschnittsmensch lügt am Tag rund 200-mal.

Kaum zu glauben, auch im Tier- und Pflanzenbereich gibt es Lügen und Lügner. Das Chamäleon wechselt seine Hautfarbe, passend zu seiner Umgebung. Die Spinne baut unsichtbare Netze. Zu der Flora hier nur ein Beispiel. Es sind die fleischfressenden Pflanzen, die Ameisen anlocken und dann im Säurekelch töten.

Schließlich wäre da noch die Macht des Wortes zu bedenken. Und zwar gibt es sie (natürlich) im positiven, wie im negativen Sinne. Wie man sagt, sind Worte (oft) mehr als nur Worte. Manche haben eine geradezu magische Wirkung. Auch die Namen einiger deuten auf einen unfassbaren Hintergrund. Hier wieder wenige Beispiele: Stichworte, Kernworte, Parolen, Statements, Titel und Euphemismen. Solche Worte werden von geschickten Rednern und Politikern gern und oft ge- bzw. missbraucht. Diese Personen nennt man „Demagogen“ und bekannte Beispiele waren Hitler und Goebbels. Demagoge (gr.), Volks(ver)führer, Aufwiegler.

Ich möchte am Ende meine Leser/innen aufrufen, künftig wachsam zu sein beim Zuhören von allem, was an sie herangetragen wird. Und jeder sollte (etwas) sorgfältiger sein bei der Wahl seiner Worte/Wörter. Nun noch unsere Spaßkiste, wieder einmal von meinem Freund, Wilhelm Busch:

„Der Beste muss mitunter lügen – Zuweilen tut er’s mit Vergnügen.“

Alsdann: Leben Sie wohl und reden keinen Kohl.

Ihr unverbesserlicher Heinz Dierdorf

Nachtrag zum vorherigen Aufsatz „Geistloses Gerede“:
Leider fällt mir erst hinterher dazu das vielleicht wichtigste Sprichwort ein. Es lautet: „REDEN IST SILBER, SCHWEIGEN IST GOLD“.