Eindrucksvolles Debüt einer weiteren Wormser Theatergruppe

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Theateraufführung „Unterm Birnbaum“ mit dem Ensemble Theater Curiosum

23. Oktober 2019 | Lincoln Theater in Worms:

Dass Worms nicht arm an kreativen Köpfen ist, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Besonders die Theaterszene überrascht immer wieder mit großartigen Leistungen, so auch die neugegründete Gruppe „Theater Curiosum“, die wiederum aus dem Ensemble von „Theater im Museumshof“ hervorging.

Im Lincoln Theater, das zwischenzeitlich als Heimat zahlreicher Theaterensembles gesehen werden kann, spielten sie erfolgreich an zwei Abenden ihr erstes Stück, eine Bühnenadaption von Theodor Fontanes Novelle „Unterm Birnbaum“. Die Kriminalgeschichte gilt im Schaffen des großen Realisten Fontane eher als Nebenwerk und dürfte nicht allzu vielen Leuten bekannt sein. Das bedeutete wiederum für das Ensemble mehr Freiheiten. Leichte Straffungen, die vor allem das Personal betrafen, so wie das Einführen einer Metaebene in Form dreier Figuren (Tod, Arroganz, Gier), die sich während des Stücks immer wieder unheimlich und bedrohlich um Hauptdarsteller Jens Kaltschmidt bewegen und ihm düstere Gedanken soufflierten, waren die größten Änderungen, sowie die Ausrichtung der Inszenierung. Ist die Buchvorlage, wie bei Fontane üblich, auf die Schilderung des mühsamen ländlichen Lebens konzentriert, inszenierten die drei Hauptverantwortlichen Andreas Hartmann, Julian Römer und Florian Walter (die zugleich Tod, Arroganz und Gier spielten) das Stück deutlich in Richtung Schauergeschichte. Besonders gegen Ende verstärkte sich dieser Eindruck und weckte zuweilen Erinnerungen an die Geschichte „Das verräterische Herz“ von Edgar Allen Poe. Neben den einnehmenden Darstellungen der jungen Schauspieler, allen voran Hauptdarsteller Jens Kaltschmidt, der in nahezu jeder Szene zu sehen war, war es vor allem das stimmige zweigeteilte Bühnenbild (Harald Dimmler, Gary Farmer), das es dem Zuschauer leicht machte, in die Szenerie des ländlichen Oberbruchdorf Tschechin einzutauchen.

Fazit: Hervorragend inszeniertes und gespieltes Debüt, das neugierig auf weitere Theaterabende mit dem Ensemble machte.