Eine Stadt steht still

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„Eigentlich“ wollten wir diesen Monat unser Jubiläum feiern, denn vor 15 Jahren erschien Mitte März 2005 die erste von mittlerweile 172 Ausgaben unseres WO! – DAS Wormser Stadtmagazins. Aber dann erreichte das Corona-Virus auch unsere Region und machte nicht nur unseren „Feierlichkeiten“ einen Strich durch die Rechnung. Seit Mitte März 2020 steht eine ganze Stadt still.

Erst kam das kulturelle Leben völlig zum Stillstand, dann der Dienstleistungssektor und der Einzelhandel, ehe auch weite Teile der Industrie und aus dem produzierenden Gewerbe folgten. Zug- und Flugverkehr sind nur noch auf das Nötigste beschränkt, Gastronomen und Hotels dürfen keine Gäste mehr bewirten. Seit zwei Wochen ist unser kulturelles Leben bedeutend ärmer geworden. Fußballspiele fanden zwischenzeitlich vor leeren Rängen statt und zeigten schmerzlich, wie wichtig die Emotionen des Publikums bei diesem Sport sind. Konzerte, Messen oder Open Airs wurden verschoben oder gleich ganz abgesagt. Theater, Kinos, Kneipen, Clubs sind alle geschlossen. Das führt zu einem eher traurigen Novum unserer Verlagsgeschichte: In dieser Ausgabe verzichten wir zum ersten Mal in 15 Jahren auf einen Terminkalender. Auch mussten wir als Stadtmagazin mit dem Schwerpunkt Kultur feststellen, dass ohne Veranstaltungen eben auch jede Menge Anzeigenkunden wegbrechen. Um Ihnen trotzdem ein Stück weit Normalität zu gewährleisten, haben wir uns entschlossen, eine „Corona-Notausgabe“ herauszubringen, auch wenn wir auf die geplante Sonderbeilage („15 Jahre WO!“) verzichten.

ES GIBT AUCH EIN LEBEN NACH CORONA
Natürlich wird das Thema Coronavirus in dieser Ausgabe ausführlich abgehandelt. Wir wollen aber auch zeigen, dass es ein Leben nach Corona gibt, auch wenn die politischen Themen in der aktuellen Situation eher banal erscheinen mögen. So könnte eine neue Vorschrift, die besagt, dass Brückengeländer mindestens 1,30 Meter hoch sein müssen, die Stadt über 2 Millionen Euro kosten, wenn man an 90 Brücken die Geländer erhöht. In erster Linie will man damit Radfahrer schützen, die sich gleich doppelt freuen können, denn der Radschnellweg von Worms nach Ludwigshafen soll ausgebaut werden. Dafür wird im Wormser Wäldchen mehr Platz für Autos geschaffen, denn der Stadtrat stimmte dem Ausbau des Friedrichsweges zu. Eine weitere gute Nachricht für Autofahrer: Der Kreisel Alzeyer Straße/ Kirschgartenweg, der seit neun Jahren sein Dasein als Provisorium fristet und immerhin an einem der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Innenstadt liegt, soll 2022 endlich ausgebaut werden. Immerhin der Bausektor kann sich über einen Mangel an Arbeit nicht beklagen.

Abgesehen von den Helden des Alltags, die unsere Gesellschaft am Laufen halten, haben ganz viele Menschen in den nächsten Wochen die Möglichkeit, aus dem üblichen Hamsterrad zu entfliehen. Machen Sie das Beste daraus und bleiben Sie in Ihrem Zuhause, damit dieser Spuk möglichst schnell vorüber ist. Und vor allem: Bleiben Sie gesund!

Ein wenig Wehmut beim Lesen der 172. Ausgabe von:
WO! – DAS Wormser Stadtmagazin

wünscht Ihnen
Frank Fischer | Chefredakteur