Friede, Freude und Platz 5 behalten

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Wormatias Saisonbilanz fällt überwiegend positiv aus

Ein stabiler 5. Platz in einer der spielerisch stärksten Regionalligen. Für ein Team, das vor der Saison als potentieller Absteiger gehandelt wurde, kann sich die Bilanz von Wormatia Worms durchaus sehen lassen. Entsprechend herrschte eitel Sonnenschein im Anschluss an das letzte Spiel gegen den Zweiten 1. FC Saarbrücken, das mit 3:0 gewonnen wurde und der überraschend starken Saison das i-Tüpfelchen aufsetzte.

Als die Wormatia vor einem Jahr zum 3. Mal in 7 Jahren Regionalligazugehörigkeit sportlich abgestiegen war, aber erneut vom Pech anderer profitierte und in der Liga bleiben durfte, hätte keiner damit gerechnet, dass man 2015 die Saison als Tabellenfünfter abschließen würde. Da nach der verkorksten letzten Saison auch noch der Etat massiv gekürzt wurde, gelang es ausgerechnet Trainer-Greenhorn Sascha Eller aus einer jungen hungrigen Truppe eine schlagkräftige Mannschaft zu formen, die sich auf dem 5. Platz festbiss. Aus dem vermeintlichen Abstiegskandidaten war ein „Uefa-Cup-Kandidat“ geworden. Für ganz oben reichte es noch nicht, in den Aufstiegskampf konnte Ellers Truppe nie ernsthaft eingreifen. 58 Punkte können sich sehen lassen, dabei 18 Siege in 34 Spielen erreicht, was gegenüber den 5 Siegen in der Vorsaison eine gewaltige Steigerung darstellt. Vor allem durften die Wormatia-Fans endlich wieder öfters jubeln, insgesamt 59 Mal klingelte es im gegnerischen Tor – nur der SC Freiburg II (66) und der SV Elversberg (60) trafen öfters. Fast die Hälfte der Tore entfielen auf die beiden Stürmer Florian Treske (20 Tore) und Edeljoker Ali Özgün (9). Weitere Tore steuerten u.a. Innenverteidiger Benjamin Maas (7), Alan Stulin (5), Zahit Findik (4) und Enis Saiti (3) bei. Unter den 18 Siegen waren auch 8 auf fremdem Platz, darunter einige „legendäre“ Siege. Z.B. gelang am 2. Spieltag beim 2:1 in Trier erstmals seit 28 Jahren wieder ein Auswärtssieg bei der Eintracht. Am 17. Spieltag wiederholten sich die Ereignisse vom Aufstiegskrimi 2008 in Saarbrücken. Ein frühes Tor, diesmal durch Treske, langes Zittern, ehe am Ende ein glücklicher 1:0-Sieg beim FCS stand. Auch im Rückspiel setzte es eine Niederlage für die zweitplatzierten Saarländer, in Worms verlor man im bedeutungslosen letzten Spiel mit 0:3. Ebenfalls gleich doppelt siegte der VFR im Derby gegen den SV Waldhof Mannheim (3:2 zuhause, 2:0 auswärts), ebenso wie gegen TUS Koblenz (beide Male 2:0). Wichtig für den weiteren Saisonverlauf war der erst in der letzten Minute erzielte Siegtreffer von Maas zum 1:0 gegen Hessen Kassel am 21. Spieltag direkt nach der Winterpause. Der vielleicht schönste Sieg der Saison fand am 09.09.2014 im Heimspiel gegen den FC Homburg statt, als die Mannschaft von Sascha Eller wie entfesselt spielte und ein begeisterndes 5:1 herausschoss. Gegen Meister Offenbach reichte es nicht zu einem Dreier, auch wenn man den OFC am 3. Spieltag beim 0:0 im Wormatia Stadion am Rande einer Niederlage hatte. Im Rückspiel auf dem Bieberer Berg verlor der VFR mit 1:2. Dass auch ein Unentschieden bedeutungsvoll sein kann, zeigte das 1:1 gegen den Dritten SV Elversberg am 28. Spieltag. Nach vier Niederlagen in Folge war die Wormatia auf dem besten Weg, nach unten durchgereicht zu werden, als Ali Özgün kurz vor Schluss der wichtige Ausgleichstreffer gelang. Für die auf Aufstiegskurs befindlichen Elversberger ging es danach bergab und der sicher geglaubte Aufstieg war dahin. Der Wormatia gelang mit diesem Ausgleich die Wende, die nächsten sechs Spiele wurden allesamt gewonnen. In der nächsten Saison wird das Mindestziel wieder nur „Klassenerhalt“ lauten. Da aber ein Großteil der Mannschaft zusammenbleibt und mit jungen Spielern aufgefüllt wird, sollte ein einstelliger Tabellenplatz auch im nächsten Jahr drin sein. Auch wenn Offenbach und Saarbrücken die Aufstiegsspiele vergeigen sollten und eventuell noch Zweitligaabsteiger VFR Aalen in der Regionalliga landet.

Die Spieler in der Einzelkritik:

Tim Paterok (Tor):
Viele Spiele, die Paterok nahezu alleine gewonnen hat (z.B. in Saarbrücken, Nöttingen), wechselten sich ab mit einigen Spielen, bei denen die Patzer des jungen Torhüters ausschlaggebend für eine Niederlage waren (z.B. im wichtigen Pokalspiel gegen Zweibrücken). Auf der Linie und bei 1-gegen-1-Situationen ist er bärenstark. Was die Strafraumbeherrschung angeht, ist noch Luft nach oben. Trotzdem war das eine starke Saison des vorherigen (vierten) Torwarts der TSG Hoffenheim, der es wegen Verletzung und Sperren „nur“ auf 29 von 34 möglichen Einsätze brachte.
Wo! Urteil: ??????
Nächste Saison? Tendenziell wird Paterok wird auch im nächsten Jahr bei der Wormatia spielen, hatte bei Redaktionsschluss aber noch keinen neuen Vertrag unterschrieben.

Timo Utecht (Tor):
Der vom VFR Bürstadt verpflichtete junge zweite Torwart musste genau sechs Mal ins kalte Wasser geworfen werden, weil Paterok verletzt oder gesperrt war. Auch wenn er zuletzt seine Unsicherheit etwas ablegen konnte, ist die Regionalliga eindeutig 1-2 Klassen zu hoch für Utecht.
Wo! Urteil: ??????
Nächste Saison? Für die neue Saison muss ein neuer zweiter Torwart her.

Eugen Gopko (Abwehr):
Der quirlige Außenverteidiger hatte in dieser Saison mit Verletzungspech zu kämpfen und konnte deshalb seine Stärken nicht so wie gewohnt ausspielen. Wenn er fit war, spielte er in seinen 22 Partien einen gewohnt souveränen Part auf der rechten Abwehrseite. Leider zog sich Gopko im letzten Saisonspiel gegen den 1. FC Saarbrücken einen Kreuzbandriss zu und wird in der neuen Saison vermutlich erst zur Rückrunde wieder zur Verfügung stehen.
Wo! Urteil: ??????
Nächste Saison? Gopko hat verlängert, wird aber zunächst verletzungsbedingt ausfallen.

Benjamin Maas (Abwehr):
Der vom SV Darmstadt 98 verpflichtete hochgewachsene Abwehrrecke hat in 29 Partien nicht nur einen souveränen Part in der Abwehr des VFR gespielt, sondern ist gleich 7 Mal als Torschütze in Erscheinung getreten. Ob Kopfbälle nach Standards oder seine Kunstfreistöße aus gut 20 Metern, die gegen Homburg oder Kassel im Tor gelandet sind – Maas hat immer wieder seine Torgefahr unter Beweis gestellt.
Wo! Urteil: ??????
Nächste Saison? Der Verein würde Maas, der zu den Topverdienern zählt, gerne noch ein weiteres Jahr behalten. Auch der Spieler hat Bereitschaft signalisiert.

Kristian Maslanka (Abwehr):
„Mister Zuverlässig“ kommt auf 32 Einsätze. Stets parat, selten mit grobem Schnitzer, überzeugte der Neuzugang von Eintracht Frankfurt II als Innenverteidiger in der Viererkette, die später zur Fünferkette wurde.
Wo! Urteil: ??????
Nächste Saison? Maslanka sollen Angebote von höherklassigen Vereinen vorliegen. Tendenziell wird es schwer werden, ihn zu halten…

Meik Karwot (Abwehr):
Der erst in der Winterpause von Absteiger Zweibrücken zur Wormatia gewechselte Karwot hat bei seinen 11 Einsätzen in der Rückrunde einen ganz starken Eindruck hinterlassen. Kampfstark und mit der entsprechenden Körpersprache ausgestattet, ist der 1,91 Meter-Hüne nur schwer vom Ball zu trennen. Ein bisschen wie Marco Steil – nur dynamischer.
Wo! Urteil: ??????
Nächste Saison? Karwot bleibt der Wormatia auch in der nächsten Saison erhalten und hat bereits verlängert.

Alan Stulin (Abwehr):
Der Deutsch-Pole spielte lange Zeit einen souveränen Part auf der linken Abwehrseite, ehe ihn Trainer Sascha Eller ins defensive Mittelfeld beorderte, wo er ebenfalls durch Zweikampfstärke und taktische Disziplin glänzte. Außerdem hat sich Stulin als sicherer Elfmeterschütze herauskristallisiert, dem in dieser Saison 5 Tore in 33 Spielen gelangen.
Wo! Urteil: ??????(+)
Nächste Saison? Stulin bleibt in Worms und hat bereits verlängert.

Benjamin Himmel (Mittelfeld):
Der Wormser Benni Himmel hat eine starke Saison auf der Sechs absolviert. Himmel war in 27 Spielen Taktgeber, Antreiber, Wortführer und wenn er ausfällt, klafft ein Loch in der Mitte. Demgegenüber standen aber auch einige wenige Spiele, in denen Himmel derart neben der Spur stand, dass dies in negativer Hinsicht spielentscheidend war (z.B. in Pirmasens)
Wo! Urteil: ??????
Nächste Saison? Der Wormser Bub bleibt in Worms und hat bereits verlängert.

Sandro Loechelt (Mittelfeld):
Dank seiner technischen Fähigkeiten und seiner bissigen Art war Loechelt zu Beginn der Saison gesetzt. Zwischenzeitlich schien der Tank etwas leer zu sein, er wirkte zum Ende der Vorrunde etwas überspielt. In der Rückrunde konnte der 1,68-Meter-Mann nicht mehr an die starken Leistungen aus dem Vorjahr anknüpfen. Trotzdem brachte er es auf 26 Einsätze, damit war vor der Saison nicht unbedingt zu rechnen. Arbeiten muss Loechelt dringend an seiner Disziplin, denn 10 gelbe Karten sind eindeutig zu viel. Da muss er sich in der nächsten Saison besser im Griff haben.
Wo! Urteil: ??????(+)
Nächste Saison? Loechelt bleibt in Worms und hat bereits verlängert.

Ricardo Antonaci (Mittelfeld):
Erst gegen Ende der Vorrunde hin stiegen die Einsatzzeiten des variabel einsetzbaren Antonaci. Das ist auch gleichzeitig seine größte Stärke, wurde er unter Eller doch sowohl auf den Außen als auch als Sechser vor der Abwehr eingesetzt. Hierbei brachte er es auf immerhin 22 Einsätze. Sein Potential ist sicherlich noch nicht ausgeschöpft, weshalb der Verein auch um ein weiteres Jahr verlängert hat.
Wo! Urteil: ??????
Nächste Saison? Antonaci bleibt ein weiteres Jahr in Worms und hat bereits unterschrieben.

Enis Saiti (Mittelfeld):
Nach einem bärenstarken Start in die Saison war der pfeilschnelle Deutsch-Mazedonier zwischendurch etwas abgetaucht und leistete sich zur gleichen Zeit eine Krise wie das gesamte Team. Erst in der Rückrunde, vor allem in den letzten Saisonspielen, wirkte Saiti wieder genauso spritzig wie zu Saisonbeginn und krönte dies mit einem sehenswerten Treffer gegen TUS Koblenz. Insgesamt 5 Mal traf er in 30 Spielen ins Schwarze.
Wo! Urteil: ??????
Nächste Saison? Saiti bleibt ein weiteres Jahr in Worms und hat bereits unterschrieben.

Johnathan Zinram (Mittelfeld):
24 Einsätze*** Der große Gewinner der Hinrunde, war der große Verlierer der Rückrunde. Am 8. Spieltag glänzte Zinram beim 5:1 gegen den FC Homburg als Vorlagengeber zu fast allen Toren der Wormatia und war in der Folge Top-Scorer der Liga. Bis das ewige Talent erneut den Schlendrian aus dem Vorjahr zeigte und nur noch durch pomadige Aufritte auffiel, so dass er in der Rückrunde fast komplett auf der Bank versauern musste.
Wo! Urteil: ??????
Nächste Saison? Zinram muss gehen, denn auch in seinem zweiten Jahr in Worms hat er unter Beweis gestellt, dass er ein ewiges Talent bleibt, das den Verein nicht mehr weiter bringt.

Sascha Wolfert (Mittelfeld/Sturm/Abwehr):
Dank seiner Spritzigkeit war Wolfert zu Saisonbeginn ein ständiger Unruheherd im Sturm, auch wenn ihm hierbei nur zwei Tore gelangen. Dann bremste ihn eine schwere Schulterverletzung aus und dem Offensivspiel des VFR fehlte fortan eine belebende Kraft. Als Wolfert wieder zurückkehrte, stellte ihn Trainer Eller auf die linke Abwehrseite, wo er seine Schnelligkeit und Dynamik voll ausspielen konnte und bei seinen 21 Einsätzen maßgeblich am Aufwind der Wormatia beteiligt war.
Wo! Urteil: ??????
Nächste Saison? Der Verein möchte und der Spieler hat auch Bereitschaft signalisiert, aber bei Redaktionsschluss hatte Wolfert noch nicht verlängert.

Florian Treske (Sturm):
Das war ohne Zweifel DIE Saison des vom SSV Ulm an den Rhein gewechselten Torjägers. Als Kapitän und lautstarker Anführer der jungen Wormatia-Truppe avancierte Florian Treske (fast) zum Torschützenkönig der Liga (Freiburgs Gabriele erzielte ein Tor mehr). Mit 20 Toren erreichte Treske eine ganz starke Quote und war zudem als einziger Spieler bei allen 34 Ligaspielen dabei. Einer der besten Neuzugänge seit Regionalligazugehörigkeit des VFR.
Wo! Urteil: ??????(+)
Tendenz: Treske war der erste, der seinen Vertrag schon im Frühjahr verlängert hat. Das sagt schon alles.

Ali Özgün (Sturm):
Wenn man hört, dass es der türkische Stürmer, der es innerhalb eines Jahres zum absoluten Kultstürmer in Worms geschafft hat, auf 32 Einsätze geschafft hat, ist man verwundert. Tatsächlich stand Ali Özgün nur bei 13 Spielen zu Beginn auf dem Platz, aber sage und schreibe 19 Mal wurde er von Sascha Eller eingewechselt. Das hat seinen Grund, ist der schnelle und ungemein willensstarke Özgün doch der perfekte Joker, weil man sofort nach seiner Einwechslung den berühmten Ruck spürt, der noch einmal durch die Mannschaft geht. Wenn Ali dann einen Ball in die Spitze erhält und auf unnachahmliche Weise auf Torejagd geht, hallt ein hundertfaches „Allliiiiii“ durchs Wormatia Stadion. 9 Tore standen für Özgün zu Buche. Gemessen an den geringen Einsatzzeiten ist das eine Top-Quote.
Wo! Urteil: ??????(+)
Tendenz: Özgün hofft auf ein Angebot eines höherklassigen türkischen Vereins. Kommt dies nicht, wird er hoffentlich in Worms bleiben.

Zahit Findik (Sturm):
Zu wechselhaft in den Leistungen zeigte sich der Deutsch-Türke. Nur schnell sein reicht nicht, oftmals fehlt die Torgefahr. Vier Tore sind einfach zu wenig für jemanden, der oft genug in 27 Spielen in vorderster Front ran durfte.
Wo! Urteil: ??????(+)
Nächste Saison? Ob Findik die Mannschaft weiter bringt, sei dahingestellt. Tendenziell wird man sich eher trennen…