Klugheit ist ein selten Ding, …

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… öfter gibt´s den Dummerling, so lautet ein neuer Wahlspruch aus meiner „Versfabrik“. Hierbei wählte ich wieder die Art und Form meines humoristischen Vorbilds, nämlich Wilhelm Busch. Doch die Angelegenheit ist viel zu ernst, um es beim Gereimten zu belassen. Aber nehmen Sie´s nicht persönlich! Es sind stets nur die Anderen gemeint.

Ich weiß bei dem Thema, wovon ich rede. Schon in meiner Jugend hatte ich unter der Dummheit in meiner Umgebung und auch der eigenen ziemlich zu leiden. Unerträglich war beispielsweise die Anrede in der „Hitler-Jugend“ des Fähnleinführers der uns gern und oft mit Ihr „Würstchen“ anredete. Das bedrückte mich und machte mich zunächst klein und hilflos. Bald aber entwickelte ich dagegen inneren Widerstand und Stärke. Durch ein wachsendes Selbstbewusstsein konnte ich nach und nach die Schikanen und Dummheiten des Naziregimes besser verkraften und mich auch „schlaumachen“, wie es oft zu hören ist. Heute, weiter gestärkt, frage ich mich und auch Sie: Kann jemand etwas dafür, dass er „dumm geboren“ wurde? – ich denke eben nicht!

Allerdings sieht es beim Dummbleiben m.E. ganz anders aus. Nämlich mit nur recht wenig Verstand, wie bereits oben gesagt, kann sich bestimmt fast jeder schlauer machen, was aber einiges an Einsehen und Anstrengung erfordert. Das Wichtigste dabei ist, wie so oft, der richtige Anfang. Hat man dann aber die ersten kleinen Anfangserfolge, geht es bald weiter und weiter auf der Erfolgsleiter. Hinzu kommt, der „Spaß an der Freude“, nämlich jeder Fortschritt zieht neue Erfolge nach sich. Wertvoller aber ist das sich steigernde Erfolgserlebnis.

Zu Beginn meiner Lehrzeit erteilte man mir den Grundsatz: „Man kann so dumm sein, wie man will. Man muss sich nur zu helfen wissen!“ Heute würde ich da noch ergänzen: Um sich zu helfen wissen, darf man nicht allzu dumm sein. Und um weiter zu kommen, braucht man einiges an Kapital. Da es daran in der Regel mangelt, muss man eben sein Köpfchen umso mehr bemühen. Wie es früher hieß: Ohne Fleiß kein Preis.

Nachdem bis jetzt die Rede von der Dummheit Einzelner war, kommen wir jetzt zur Dummheit der Menschheit im Großen. Dabei sei, aus Gründen der Kürze, nur die größte anzusprechen. Die dürfte zweifellos der Krieg sein, der stets BEIDEN Seiten den größten Schaden beschert und schlimmer als alle Naturkatastrophen ist. Wie es früher hieß, ist der Krieg „die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“. Jeder Historiker kann Ihnen bestätigen, dass es zu allen Zeiten und allen Orten schlimme Kriege gegeben hat, wobei es fast nie einen echten Sieger gab. Doch die Menschheit wird kaum klüger. Auch zur Zeit gibt es fast überall in der Welt Kriege, Mord und Totschlag. Trotz allem glauben wir weiter gern die „Krone der Schöpfung“ zu sein. Da könnte man sagen: Die Eitelkeit stirbt zuletzt.

Wenn ich diese Tatsachen hier und da vorbringe, bekomme ich regelmäßig zu hören „Du bist ein Pessimist, der immer was Negatives findet“. Auch das ist wieder so eine Dummheit, wenn man die Unglücksboten beseitigen  möchte, die Unglücksmacher aber weiter machen lässt. Außerdem habe ich eine Menge Heiteres zu bieten, mehr als mancher Berufs-Humorist. Ich meine, man sollte die Dinge nehmen, wie sie sind. Und durch bloßes Schönreden wird es nicht schöner.

Ich könnte als aktiver Umweltschützer noch seitenlang weiter über vermeidbare Dummheiten berichten und habe seit etwa 40 Jahren genügend Material darüber gesammelt. Doch aus verschiedenen Gründen habe ich hier zu enden. Somit überlasse ich wieder Wilhelm Busch das letzte Wort:

Wenn andere klüger sind als wir,
das macht uns selten nur Pläsier,
doch die Gewissheit, dass sie dümmer,
erfreut fast immer.

Leben Sie wohl und werden (noch) klüger!
Ihr Heinz Dierdorf
Speyerer Straße 87, 67547 Worms, Telefon: 0 62 41 . 3 63 59