Bert Bims

NOCH EIN LETZTES WORT ZU „LAYLA“

Selbst ich als berufsmäßiger Spaßmacher finde den Text genauso strunzdumm wie das Lied an sich. Aber mal ehrlich: Bedrohen Textzeilen wie „Ich hab? ‚nen Pu? und meine Pu?mama heißt Layla. Sie ist schöner, jünger, geiler La-la-la-la-la-la-la-Layla“ tatsächlich das moralische Verständnis eines Landes, das ohnehin als größter Puff Europas bekannt ist? Schließlich hat der Erwin der Heidi schon vor 40 Jahren von hinten an die…ähm Schulter gefasst! Und Bruce & Bongo haben schon 1986 „Everybody?s geil, ga-ga-ga-geil“ gesungen und damit sogar einen Nummer 1 Hit gelandet. Darf dann auch „Skandal im Sperrbezirk“ nicht mehr gespielt werden? Immerhin wusste nach dem Lied jeder in Deutschland die Telefonnummer von Rosi und bekanntlich herrschte seitdem unter 32-16-8 Konjunktur die ganze Nacht. Man kann ein Lied durchaus auch als Werbemaßnahme für eine Dame des horizontalen Gewerbes sehen. Da gehen Songs wie „Geh mal Bier holen, du bist schon wieder hässlich“ schon eher unter die Gürtellinie einer Frau. Klar ist „Dicke Titten, Karto?elsalat“ sexistisch, aber dürfen dann wenigstens Fettes Brot weiterhin Bettina auffordern, ihre Brüste einzupacken? Aber auch Männer kriegen ihr Fett weg in Songs wie „Das sind nicht 20 Zentimeter, nie im Leben, kleiner Peter!“ Hat sich da jemals jemand Gedanken darüber gemacht, wie sich der kleine Peter wohl fühlen mag, wenn er öffentlich so bloßgestellt wird? Apropos „kleiner Peter“: Was passiert erst, wenn die selbst ernannten Sittenwächter herausfinden, dass Peter Maffay erst 16 war, als er von einer 31-Jährigen vernascht wurde? Sie merken schon, wir haben es hier mit einem klassischen Fall von Kunstfreiheit zu tun, auf die auch ich mich als Satiriker oft genug berufen muss, wenn sich mal wieder ein beleidigter Leser meiner Kolumne vor den Kopf gestoßen fühlt. Oder eine Leserin. Aber das kommt so gut wie nie vor.

HEISSE SOMMER, KALTE WINTER

Lasst die Leute doch fröhlich sein, auch wenn die Songs, die sie dabei hören, noch so blöd sind. Wenn wir überall die politisch korrekte Schere anlegen, dann müssen wir wohl oder übel auch Rudi Carells „Wann wird?s mal wieder richtig Sommer“ wegen Verharmlosung der Klimakatastrophe verbieten. In Zukunft wird es nämlich so heiß in Deutschland, dass sich die Klimaaktivisten nicht mal mehr mit Sekundenkleber auf dem Asphalt befestigen müssen – die kleben von ganz alleine fest. Dann müssen die Krakeeler bei Facebook auch keine Blasenentzündung mehr befürchten (hä? – schon mal im „naturgewärmten“ Meer geschwommen?), weil die Becken im Freibad des Heinrich-Völker-Bades nicht mehr beheizt werden. Denn zukünftig wird die uringetränkte Plörre aufgrund der Klimaerwärmung von ganz alleine Badewassertemperatur annehmen. Vermutlich so um die 30 Grad, so ähnlich wie das Wasserbecken bei den Nibelungen Festspielen. Oder mollige 38 Grad, so wie mein Jacuzzi im Winter. Habeck sei Dank dürfen wir im Winter nämlich so richtig frieren, weil russisches Gas nun mal unmoralisch ist, während am Öl der Scheichs keinerlei Blut klebt. Ich prophezeie für den Winter: Wenn man kein Geld hat, um seine Butze aufzuheizen, dann fangen die Leute wieder an zu saufen, denn schließlich ist das wärmste Jäckchen immer noch das Cognäc(chen). Oder gebt endlich das innerlich wärmende Hanf frei!

ERLEBNISSE BEI DEN NIBELUNGEN

Aber jetzt ist erstmal Sommer und natürlich werde ich mich als Society- Reporter weiterhin auf jedes Wormser Event schmuggeln. So wie die Premiere der Nibelungen Festspiele. Als der Typ zu meiner Linken mit seiner Bad Hersfeld Bande im Heylshof aufgetaucht ist, schallten sofort Schlachtrufe aus dem WO! Block: „Wir wollen keine Bad-Hersfeld- Schweine!“ Während der Peter unseren fremdenfreundlichen Humor schon länger kennt, hat der „orro“ aus der Lindenstraße aber ganz böse geguckt. Auch Anouschka Renzi war aus Hessen nach Worms gereist, aber hatte während der Premiere ein Rendezvous im Dom Hotel mit ihrer Kloschüssel, weil sie vorher einen „Döner – extra scharf“ in der Fußgängerzone gegessen hatte. Ich dagegen hab mich, wie immer, über das Buffet und die Getränke hergemacht und hatte derweil einige skurrile Begegnungen mit Promis. Als ich der Klofrau fünf Euro Trinkgeld in die Hand gedrückt habe, weil die Toiletten bei den Nibelungen immer so lecker duften, dass man dort bedenkenlos einen Stinker machen kann, stellte sich heraus, dass die vermeintliche Klofrau Andrea Nahles war, die vor der Toilette auf jemanden gewartet hatte. Wenig später wollte ich mein Weinglas auf einem frisch polierten Glastisch im Heylshof abstellen, bis ich im letzten Moment gemerkt habe, dass das ja die Glatze von Gregor Gysi war. Der is aber auch winzig. Beim Jazz & Joy treffe ich noch weitere Stars und werde am Festivalsonntag abends auf dem Marktplatz lauthals brüllen: „Tyler – sie singt schöner, lauter, geiler“. Das ist dann quasi mein offizielles Statement zur Layla-Diskussion.

 

Mit freundlichen Grüßen, Ihr Dr. Bert Bims

P.S.: Und fu?rs Backfischfest habe ich als staatlich gepru?fter Schi?schaukelbremser ohnehin eine Neunerkarte.