Na, Beef?!

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Man muss sich eben Zeit lassen

Liebe Leser,

ein wenig bin ich ja schon darüber enttäuscht, dass ich noch keine E-Mail mit Beschwerden oder Beleidigungen erhalten habe. Das Problem an dem Ganzen, ich hatte fest damit gerechnet, dass ich hier in dieser wunderschönen Kolumne die schönsten Beschimpfungen veröffentlichen könnte. Wer besorgt mir denn jetzt die Inhalte?

Worms hat wieder eine freie Friedrich-Ebert-Straße. Ich bin ganz schrecklich begeistert. Das letzte Mal, als durch diese Straße Autos fuhren, wurde in den Geschäften dort gefühlt noch mit D-Mark bezahlt. In der Wormser Innenstadt hatte man sowieso schon vergessen, dass es überhaupt noch eine Form von Leben im Westen der Stadt gibt. Vielleicht braucht man nun im Berufsverkehr, von einem Ende der Stadt zur anderen, keine vier Stunden mehr. Das wäre doch zu schön. Übrigens noch ein Hinweis zum Thema „lange dauern“. Unten am Rhein, dort an dieser Terence-Hill Brücke, wird tatsächlich immer noch gebaut. Ursprünglich sollte ja eine offizielle Einweihung des Geländes im Oktober stattfinden. Offenbar will man sich hier bei der Stadt Zeit lassen und den Durchgang von der Nibelungenschule zum Festplatz pünktlich zum 85. Backfischfest 2018 als besonderes Jubiläumsgeschenk eröffnen.

Neulich habe ich vom Funzel-Willi gehört, meine Kolumnen könnten richtig gut sein, wenn ich mir mal richtig Zeit dafür nehmen würde. Ja, Zeit ist halt wirklich so eine Sache. Gerade sitze ich in Berlin und hämmere diese Wörter in meinem Laptop, während auf irgendeinem Fernseher in Joern Hinkels Wohnung „RanNFL“ läuft. Und es ist Sonntag und ja morgen ist mal wieder Redaktionsschluss…

Ich bin hier in Berlin, um für ein Kindermusical zu proben. „Scrooge“ wird gespielt, ganz frei nach Charles Dickens. Wir erinnern uns, das ist der Knauserich, der an Weihnachten von drei Geistern heimgesucht wird. In Worms würde diese Geschichte komplett anders verlaufen. Hier wäre Scrooge der städtische Finanzausschuss und die drei Geister wären Prüfer vom Rechnungshof. Der Geist der vergangenen Schulden, der gegenwärtigen Schulden und der zukünftigen Schulden. Anders als bei Dickens, kann ich mir nicht vorstellen, dass diese Geschichte hier gut ausgehen würde.

In diesem Zusammenhang fällt mir ein, dass es nur noch zwei Monate bis Weihnachten sind, was bedeuten muss, dass meine Mutter demnächst wieder mit dem Backen von Plätzchen beginnt und der Glühweinmarkt bald seine Pforten in der Innenstadt öffnet. Nur dieses Jahr ohne Eisbahn (Anmerkung der Redaktion: „Aber da ich auf einer Eisbahn sowieso aussehe wie ein Affe auf dem Schleifstein, ist mir das eigentlich furzegal“).

Bis dahin,
Jim Walker jr.