Patienten mit Herzerkrankungen kommen in Corona-Krise häufig zu spät in Klinik

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Eine Pressemitteilung des Klinikum Worms:

Ein Herzinfarkt ist immer ein Notfall – Während der Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben viele Patientinnen und Patienten mit Herzbeschwerden aus Sorge vor einer Corona-Infektion deutlich seltener Praxen und Kliniken aufgesucht. Viele Herzpatienten haben ihre Beschwerden verschleppt und kommen nun viel zu spät ins Krankenhaus.

„In den letzten Wochen sehen wir immer wieder Patienten, die die Klinik erst dann aufsuchen, wenn der Gesundheitszustand bereits sehr kritisch ist“, bedauert Prof. Dr. Jens Jung, der Chefarzt der Medizinischen Klinik I des Wormser Klinikums ist. Um Betten für mögliche Corona-Patienten freizuhalten, hatte auch das Klinikum Worms alle medizinisch nicht zwingend sofort durchzuführenden Eingriffe abgesagt. Seit Mai kehrt das Krankenhaus nun Schritt für Schritt wieder in Richtung Normalbetrieb zurück. „Wir merken seitdem aber, dass viele Patienten das Krankenhaus meiden, die es aufgrund ihrer Beschwerden unbedingt aufsuchen sollten.“

Gerade bei Verdacht auf einen Herzinfarkt zählt jede Minute, weshalb der Chefarzt dringlich appelliert die Warnzeichen ernst zu nehmen und bei typischen Symptomen sofort die 112 anzurufen. „Wird ein akuter Herzinfarkt in der Klinik schnell behandelt, ist die Chance sehr hoch, dass sich das Herz wieder vollständig erholt“, so Jung. „Mit jeder verlorenen Minute steigt das Risiko Folgeschäden zurückzubehalten oder zu versterben.“

Der Herzexperte vermutet, dass viele Menschen in Zeiten von Corona Angst haben eine Klinik oder Arztpraxis aufzusuchen. „Neben akuten Herzproblemen, die notfallmäßig behandelt werden müssen, ist es natürlich genau so wichtig chronische Leiden am Herz rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln. Wenn der Patient den Gang zum niedergelassenen Kardiologen scheut, werden mögliche Herzerkrankungen so entweder gar nicht oder erst sehr spät diagnostiziert. Das kann für die Betroffenen mitunter lebensgefährlich werden, obwohl die Erkrankung an sich durch eine rechtzeitig eingeleitete Therapie gut behandelbar ist.“

Bedenken oder gar Angst vor dem Gang ins Krankenhaus oder dem niedergelassenen Mediziner muss zum aktuellen Zeitpunkt niemand haben, wie Jung erklärt: „Sowohl wir als Klinik als auch die niedergelassenen Kollegen haben ausreichend Schutzmaßnahmen ergriffen, sodass der Besuch im Krankenhaus oder der Praxis kein größeres Risiko birgt, als etwa der Gang zum Bäcker oder Friseur – eher im Gegenteil. Die Sicherheitsmaßnahmen sind gerade in Krankenhäusern extrem hoch, sodass niemand Angst vor einem Aufenthalt im Krankenhaus haben muss.“